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Kleve: Sibirisches Hoch lässt Tiere kalt

Kleve : Sibirisches Hoch lässt Tiere kalt

Im Klever Tierpark bleiben die Vierbeiner cool: Den meisten macht die Kälte wenig aus. Polarfuchs und Trampeltier fühlen sich pudelwohl. Nur Seehundbaby Alex schliddert herum. Und für die Erdmännchen gibt's Fußbodenheizung.

Mit Erdmännchen ist nicht zu spaßen — nicht, wenn ihnen kalt ist. Grunzend und quiekend scharren sie mit ihren Vorderbeinchen am Eingangstor. Für Marie-Christine Kuypers, stellvertretende Leiterin des Klever Tiergartens, ist dies ein unmissverständliches Zeichen, die Quälgeister ins Warme zu holen. Sonst geben die einfach keine Ruhe! Drinnen haben's die possierlichen Tierchen dann muckelig warm.

 Hat's muckelig warm: Erdmännchen unterm Heizstrahler.
Hat's muckelig warm: Erdmännchen unterm Heizstrahler. Foto: Evers

Dafür sorgen zwei Wärmestrahler. Und — damit bloß dieses Quieken nicht wieder losgeht — gibt's sogar eine Fußbodenheizung (in Form einer Wärmematte). Doch die Winzlinge mit den Querstreifen sind immer noch leicht unzufrieden. "Die Erdmännchen sind die Weite der afrikanischen Steppe gewohnt. Im Innengehege ist es denen einfach ein bisschen zu eng. Manchmal gibt es deswegen Streitigkeiten", erläutert Kuypers und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Es gibt sogar schon ein Mobbingopfer."

So empfindlich wie die Erdmännchen ist unter den tierischen Gästen sonst niemand. Im Gegenteil: "Die meisten Tiergarten-Bewohner fühlen sich eh bei diesen niedrigen Temperaturen sehr wohl. Der Rest hat sich an die hiesigen Verhältnisse angepasst", sagt Tiergartenleiter Dietmar Cornelissen.

Der Polarfuchs beispielsweise ist bei eisigem Frost ganz in seinem Element. Auch die Trampeltiere leben bei den jetzigen Temperaturen so richtig auf, denn in ihrem natürlichen Lebensraum, der Mongolei, wäre es jetzt bestimmt noch kälter. "Unser Kamel Fuzzi hat auch die Möglichkeit, in den Stall zu gehen. Doch darauf verzichtet es gerne und bleibt auch nachts draußen. Wir haben es schon mal morgens völlig eingeschneit gefunden", berichtet Kuypers.

Jakobschafe, Wildpferde, Waschbären und Raben — sie alle kommen mit der Kälte bestens zurecht. Der einzige, dem die eisigen Temperaturen im Klever Tiergarten wirklich zu schaffen machen, ist der Mensch. So haben die frierenden Pfleger derzeit noch mehr zu tun als sonst, da sie zusätzlich noch frisches Wasser heranschaffen müssen — die Leitungen sind alle zugefroren. "Ein Mitarbeiter hat sich einmal den Fuß gebrochen, als er gegen einen Wassertrog trat, um das Eis darin aufzubrechen", sagt Cornelissen.

Auch der Tiergartenleiter hat es bei dem Dauerfrost schwer. So hat er die Vorführungen der Seehundfütterungen jetzt deutlich eingeschränkt. "Für uns ist es einfach zu gefährlich. Wir könnten auf dem Eis am Beckenrand ausrutschen und ins Wasser fallen", sagt Cornelissen. Die meisten Seehunde haben damit kein Problem. Sie schwingen sich elegant aus dem Wasser und lassen sich auf dem Trockenen füttern.

Nur Seehundbaby Alex hat den Dreh noch nicht so ganz raus. "Alex stemmt seine Vorderflossen immer auf den Beckenrand und rutscht dann auf dem Eis aus. Der ist halt noch ein wenig tollpatschig. Aber Alex kriegt das bestimmt bald hin", ist sich Cornelissen sicher.

(RP/anch)