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Kleve: Seniorinnen bei "Kaffeefahrt" betrogen

Kleve : Seniorinnen bei "Kaffeefahrt" betrogen

Auf einer nicht beim Ordnungsamt angemeldeten Verkaufsveranstaltung in Donsbrüggen haben eine 78-jährige und eine 80-jährige Frau je 1298 Euro für ein "Rüttelbrett" bezahlt. Die Kriminalpolizei ermittelt gegen die Veranstalter.

Die Einladung, die Else Meyer (78) und ihre zwei Jahre ältere Bekannte Frieda Brauer (Namen geändert), per Post bekamen, klang verlockend: "Feinkost Hummer wünscht eine schöne Adventszeit. . mit großem, festlichen Essen, einem tollen Weihnachtsgeschenk und einer wunderschönen Feier. Genießen Sie ein paar Stunden voller Überraschungen.". Weiter hieß es: ". . . übergeben wir jedem Gast . . . einen Weihnachtskorb gefüllt mit vielen Leckereien. Sie dürfen alles sofort und kostenlos mitnehmen."

Else Meyer und Frieda Brauer nahmen "diese tolle Einladung zum Weihnachtsessen" (so der Text) im Hotel "Waldschlößchen" in Donsbrüggen an. Die Frauen taten dies nicht völlig unbedarft. Sie vermuteten schon, dass es sich um eine so genannte "Kaffeefahrt" handele, wurden aber dennoch zu Opfern.

Nachdem den insgesamt acht Gästen der Verkaufsveranstaltung Schnitzel, Pommes frites und Salat serviert worden waren, vier Mitarbeiter lange Vorträge über Gymnastik und Lebensqualität gehalten hatten, und den beiden Kleverinnen ein 3000-Euro-Tombola-Gewinn versprochen worden war, waren sie derart überrumpelt, dass sie je ein "Rüttelbrett" der Marke Galileo für 1298 Euro kauften. "Die sagten, das sei gut für den Muskelaufbau, für die Verdauung, für die Blase — einfach für alles", erinnert sich Else Meyer. Die Verkäufer überredeten die Seniorinnen zudem, ihre Bankdaten preiszugeben ("Damit wir Ihnen die 3000 Euro überweisen können"). Einen Kaufvertrag bekamen die Frauen nicht, ebenso keine Quittung für ihre Bar-Zahlung.

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Die Geräte lieferten die Veranstalter noch am selben Tag nach Hause. Aufgebaut — wie es versprochen war — wurden die Geräte aber nicht. Auch den versprochenen Weihnachtskorb bekam keiner der acht Gäste. Die Veranstalter erklärten dazu: "Der Fahrer hatte einen Unfall und kann nicht mehr kommen."

Gerhard Knieriem (72), der ebenfalls an der Verkaufsveranstaltung im "Waldschlößchen" teilgenommen hatte, überraschte dies nicht. Der Rentner kennt die Tricks der Betrüger. Mehr als ein Dutzend Kaffeefahrten hat er mitgemacht — aber nie etwas gekauft. Der 72-Jährige "nimmt nur die Essen mit", hat seinen "Spaß" und ist "neugierig", welche Maschen die Veranstalter anwenden, um die Gäste zu überrumpeln. Gerhard Knieriem hat Verständnis dafür, dass manche zu Opfern werden. "Die reden so viel, dass man manchmal wirklich glaubt: 'Wenn ich diese Pillen nicht kaufe, dann sterbe ich morgen.'"

Gleichsam überlistet wurde auch der Inhaber des "Waldschlößchens", Norbert Switon. Die Veranstalter, "Valentin Reisen" aus Cloppenburg, hatten einen "separaten Nebenraum für etwa 40 Personen (garantierte Teilnehmerzahl 20) Nebenraum von 11 bis 15 Uhr angemietet und einen "Gedeckpreis" von elf Euro zuzüglich 100 Euro Raummiete vereinbart. Über die Art der Veranstaltung verriet Valentin Reisen nichts, so dass Norbert Switon glaubte, eine "ganz normale Reisegruppe" zu bewirten. Zudem hat "Valentin Reisen" die Verkaufsveranstaltung nicht 14 Tage zuvor beim Ordnungsamt angemeldet. Dies verlangt aber das Gesetz.

Else Meyer und Frieda Brauer ärgern sich, dass sie auf die Tricks "reingefallen" sind. Die 78-Jährige hat sich durch den Kauf sogar verschuldet. Beide Frauen haben Angst, dass die Betrüger mit den Bankdaten noch ihre Konten plündern könnten. Die Kleverinnen haben inzwischen Anzeige erstattet — die Kripo ermittelt wegen Betruges.

(RP)