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Seit einem Monat werden im Zelt vor Kleves Hospital Corona-Tests gemacht

Corona-Tests : Ein Monat Fieberzelt in Kleve

Unmittelbar nach Karneval wurde das Fieberzelt in Kleve aufgebaut und hat sich seitdem bewährt. Jetzt bereitet sich das Klinikum auf die steigende Anzahl schwerer Fälle vor.

Die Karnevalstage waren gerade vorbei, da wurde vor dem Gebäudetrakt, in dem unter anderem die Kinderklinik untergebracht ist, ein weißes Zelt aufgebaut. Ein Anruf bei der Geschäftsführung des Klinikums erbrachte: Es handele sich um eine Einrichtung zur Diagnostik des Coronavirus. Bis dahin schien das Thema den meisten Menschen im Kreis wie überall sonst in Deutschland vermutlich noch weit weg. Aber seit Samstag, 28. Februar, beschäftigte beinahe jeden die Frage: Wann würde wohl jemand aus dem Kleverland positiv getestet werden?

In den ersten Tagen wurden nur andere Grippeerkrankungen diagnostiziert. Getestet wurde, wer verdächtige Symptome zeigte, aber nachweislich keine Influenza-Viren aufwies. Im „Fieberzelt“ wurden besorgte Bürger getestet, die durch Plakate und Hinweise schon vor dem Krankenhauseingang abgefangen und Richtung Zelt gelotst wurden. Ziel der zentralen Diagnoseeinrichtung war vorrangig, die Krankenhäuser des Verbunds von den Untersuchungen zu entlasten.

Unbekannte haben ein „Danke-Banner“ für das Pflege und Ärztepersonal am Krankenhaus aufgehängt. Foto: Markus van Offern (mvo)

Weil das Wetter Anfang März sehr schlecht war und Wartende im Regen standen – es konnte ja immer nur einer ins Zelt hinein – stellte die Klinik nach einigen Tagen ein zusätzliches Wartezelt auf. Von Beginn an kamen viele Menschen – es war ja keine Überweisung eines Hausarztes nötig. Doch Besorgte ohne Symptome zu testen sei sinnlos, deshalb verschärfte die Klinik die Voraussetzungen: Um getestet zu werden, musste man aus einem Risikogebiet kommen oder mit einem Infizierten direkten Kontakt gehabt haben. So wie der Patient, der am Dienstag, 1. März, von der Pressestelle des Kreises als erster positiv Getesteter benannt wurde. „Nach einer Auslandsreise“ habe er Symptome entwickelt. Erst Tage später, als andere Betroffene ihre Situation schilderten, wurde klar: Der Mann aus Kleve war zum Skifahren in Ischgl gewesen. Wie viele andere. Ischgl war eine europäische Corona-Brutstätte.

In den folgenden Tagen kam es zu vorsorglichen Kita- und Schulschließungen, weil Angehörige der Kinder positiv getestet worden waren. Immer mehr Familien gerieten in Quarantäne. Wohin sich auch jeder zurückziehen solle, der Erkältungsanzeichen ohne entsprechenden Befund zeigt. Getestet wird inzwischen nur noch, wer Grippesymptome hat, in den vergangenen 14 Tagen Kontakt zu bestätigten Corona-Infizierten hatte und an Vorerkrankungen leidet, die bei einer Infektion Komplikationen erwarten lassen. Ganz neu ist, dass Mitarbeiter im Gesundheitssystem, die Grippesymptome zeigen, getestet werden (auch wenn sie keine Vorerkrankungen haben). Für alle übrigen Besorgten sieht das Gesundheitsamt eine 14-tägige Quarantäne vor. Christian Weßels, Sprecher des Karl-Leisner-Klinikums, gibt auf Anfrage zu, dass es „hin und wieder Patienten gibt, die für diese Kriterien kein Verständnis haben. Wir bemühen uns dann, die Kriterien im Gespräch nachvollziehbar zu erläutern.“ Denn es kommen massenhaft Patienten: 1500 waren es laut Weßels bisher, an manchen Tagen über 100.

Weil sich das Virus so schnell ausweitet, wurden aus Einzelfällen in kürzester Zeit beunruhigend große Zahlen. Bis Donnerstag waren rund 180 Personen registriert, nur wenige sind in stationärer Behandlung. Ein Corona-Patient aus Goch ist in diesen Tagen gestorben. Getestet wird weiterhin, und davon, das Fieberzelt wieder abzubauen, spricht vorerst niemand. Die Mitarbeiter, die im Diagnosezelt eingesetzt werden, „ziehen großartig mit“, sagt Weßels. Die Bereitschaft zum „Dienst im Zelt“ sei in allen Berufsgruppen – Ärzte, Pflege und Administration – groß. „Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen melden sich freiwillig. In einer Ausnahmesituation wie dieser braucht man Leute, die ihren Beruf mit Leidenschaft ausüben, die sich im Team richtig rein hängen.“ Und die Arbeit sei anstrengend, nicht zuletzt, weil strenge Schutzvorkehrungen gelten und entsprechende Kleidung zu tragen ist.

Laut Weßels zeige die Bevölkerung Verständnis für die Einschränkungen bei ambulanten Behandlungen und verschiebbaren Operationen. Die Bundesregierung und die Bundesländer hätten die Krankenhäuser aufgefordert, sich auf die Behandlung von Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen durch Covid-19 vorzubereiten. „Das haben wir getan, das tun wir noch.“