Schulzentrum Kalkar wird eine Million teurer

Rat Kalkar : Schulzentrum wird eine Million teurer

Unzufriedenheit herrschte unter den Politikern aller Fraktionen im Rat Kalkar, bis sie den Vorschlag der Verwaltung dann doch ohne Gegenstimmen absegneten: Aus dem „Ringtausch“ wurde eine 3,5 Millionen Euro teure Sanierung.

Der angekündigte Nachtragshaushalt in der Ratssitzung ließ schon erahnen, wohin der Abend führen würde: zu einem ordentlichen Batzen ungeplanter Ausgaben, die die Kalkarer Stadtkasse einmal mehr fordern werden. Die letzten Sätze in der Rede des Kämmerers Stefan Jaspers, die eigentlich hätten besänftigend wirken können, nahm die genervte Zuhörerschaft kaum mehr wahr: Dank eines soliden Überschusses im Jahresergebnis 2018 verfügt die Stadt wieder über eine Ausgleichsrücklage, die für das aktuelle Defizit in Anspruch genommen werden kann. Bürgermeisterin Britta Schulz muss die Kommunalaufsicht also nicht um ihren Segen bitten, sondern das Defizit dem Landrat nur mitteilen. Dieses Ergebnis beträgt minus 974.598 Euro, was vorrangig mit den Mehrkosten beim „Ringtausch“ zu erklären ist.

Wie berichtet, war im Schulausschuss bekannt geworden, dass der Umbau im Schulzentrum deutlich teurer wird als geplant, weil sich die Politik davon überzeugen ließ, dass einige zuvor nicht eingeplante Verbesserungen im Bereich des Gymnasiums sinnvoll sind und andere Sanierungen einfach notwendig. Das Architekturbüro Ader & Kleemann hatte frühzeitig davor gewarnt, dass Verschönerungen ordentlich ins Geld gehen würden. Und man müsse sicherlich, wenn man erst einmal mit den Arbeiten beginne, auch mit unerwarteten Schäden rechnen, die zu beheben seien. Das hatte aber kaum jemand so recht wahrhaben wollen. Entsprechend war der Zorn groß, als nach der Haushaltsrede des Kämmerers Bürgermeisterin, Stadtbaurat Frank Sundermann und Architekt Jochen Kleemann Näheres berichteten. Mit dem Ergebnis, dass die Großbaustelle im Schulzentrum (noch) eine Million Euro mehr verschlingen wird als angenommen. Ohnehin standen schon 2,7 Millionen im Raum.

Vom „Ringtausch“ wird in der Rückbetrachtung kaum mehr gesprochen werden, denn was da Am Bollwerk passiert, ist inzwischen eine ausgewachsene Sanierung. Von der ursprünglichen Idee, die Grundschule in die leerstehende Hauptschule zu verlegen und dazu den Eingangsbereich ein wenig kindgemäßer zu gestalten (wofür in einer ersten Schätzung 800.000 Euro genügen sollten), ist nichts übrig geblieben. Der Plan, mit dem Gymnasium in die Hauptschule zu ziehen und die Grundschule ins bisherige Gymnasium nachrücken zu lassen, machte die Aktion schon teurer. Dann aber ging’s erst richtig zur Sache: Mindestens so schön wie die Realschule in dem Komplex wollte es natürlich auch das Gymnasium haben. Direktorin Susanne Janßen hatte sich in einem Brandbrief heftig über schäbige Fußböden, altertümliche Wandverkleidungen und kaputte Türen beklagt. Begehungen folgen und die Zusicherung, dass man da nochmal überlegen wollte. Auch konnte die Schulleitung offenbar davon überzeugen, dass heute Whiteboards wichtig sind und manche Technik, die vor einigen Jahren noch verzichtbar war. Zugleich brachte der Umbau-Fortschritt einige Erkenntnisse mit sich, die weiteres Geld kosten werden. Brandschutz ist immer ein Riesenthema, auch die Unfallkasse macht Vorgaben, die viel Geld kosten. In der jüngsten Ratssitzung stellte Kleemann fest, dass zu einer Komplettsanierung jetzt eigentlich nur noch der Austausch zum Teil 40 Jahre alter Rohre fehle. Weil die vermutlich in etwa fünf Jahren nicht mehr zu retten seien, wäre es sinnvoll, sie schon jetzt auszutauschen. Wer wollte da protestieren, da doch jeder abschätzen kann, dass es teurer würde, in naher Zukunft wieder Wände aufzubrechen und Böden zu beschädigen? Diese Arbeiten werden weitere circa 100.000 Euro kosten.

Die Politik gestattete sich zu all diesen Ausführungen teils heftige Unmutsäußerungen. Sven Wolff (CDU) nahm eine „Fehlkalkulation“ des Ingenieurbüros an, Dietmar Klein vom Forum hätte sich eine frühere „schonungslose Offenlage“ erwartet. Selbstkritisch meinte er: „Wir hätten die Reißleine ziehen müssen!“ Kollege Dirk Altenburg ergänzte, „Schönes“ und „Wünschenswertes“ könne sich die Stadt Kalkar einfach nicht leisten. Wilhelm Wolters (CDU) monierte das Fehlen einer zentralen Steuerung in der Verwaltung. Nicht der Rat oder die Architekten seien schuld, sondern die Stadtspitze. CDU-Mitstreiter Carsten Naß fühlte sich gar „hintergangen“ und generell nicht genügend informiert. „Mich ärgert besonders die Salamitaktik, die hier angewendet wird.“

Bürgermeisterin Britta Schulz. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Die Erläuterung von Jochen Kleemann, dass durch die Ertüchtigung das Gebäude deutlich im Wert steigen werde (es soll dann 30 Millionen Euro wert sein), blieb weitgehend ungehört. Ebenso wie seine Feststellung, dass die Stadt der Auftraggeber sei und das Projekt zu verantworten hätte, nicht sein Büro. Da sich keine Fraktion nachsagen lassen will, nicht alles für Kalkars Jugend zu tun und jeder weiß, dass der Schulträger im Wettbewerb mit den Nachbarkommunen steht, wurde schließlich bei drei Enthaltungen eine Million Euro zusätzlich bewilligt. 466.000 Euro davon müssen vorerst überplanmäßig ausgegeben werden, bis der Nachtrag Rechtskraft erlangt hat.

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