Neuerung im Kreis Kleve : Schuldnerberatung für alle möglich

Lange war die Schuldnerberatung nur für Sozialleistungsbezieher. Jetzt können alle Menschen mit Geldnöten bei dem Angebot berücksichtigt werden. Der Kreis Kleve hat die Verträge mit den Caritasverbänden entsprechend angepasst.

Kostenlose Schuldner- und Insolvenzberatung für alle – das fordert die Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) seit Jahren. Für den Kreis Kleve können die beiden Caritasverbände nun diese gute Nachricht verkünden. „Die neuen Verträge mit dem Kreis sind eine echte Verbesserung für die Bürgerinnen und Bürger“, sagt Rainer Borsch, Vorstand der Caritas Kleve.

Zum Hintergrund: Bislang hat der Kreis Kleve ausschließlich die Schuldnerberatung für Sozialleistungsbeziehende finanziert, jetzt wurden die vertraglichen Rahmenbedingungen  ausgeweitet. Alle Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten werden darin nun berücksichtigt. Einzige Voraussetzung: Sie müssen ihren Hauptwohnsitz im Kreis Kleve haben.

„Jetzt ist unser kostenloses Angebot wirklich für alle da“, sagt Rita Fergen. Die Fachbereichsleitung Soziale Hilfen und Leiterin der Schuldner- und Insolvenzberatung der Caritas Kleve weiß: Rat- und Hilfesuchende, die nicht aus dem Leistungsbezug kamen, wurden bei der Caritas noch nie abgelehnt, fortan muss sie aber nicht mehr nach einem finanziellen Ausgleich für diese Klienten und Klientinnen suchen. „Das erleichtert unsere Arbeit enorm.“

Und das ist auch gut so, denn die Caritas erwartet herausfordernde Zeiten. Schon jetzt, spätestens 2023, wenn die neuen Abschlagzahlungen in den Haushalten eintreffen, werden viele Menschen mit ihrem Geld nicht mehr auskommen. „Diesen Menschen möglichst frühzeitig Unterstützung anzubieten, das ist unser Auftrag“, sagt Rita Fergen. „Hier sind wir als Beratungsstelle gefragt, hier müssen wir kreativ werden.“

Unterstützung erhält sie dabei von ihrem multiprofessionellen Team – bestehend aus Bankkaufleuten, Bankbetriebswirten sowie Sozialarbeitern. Seit Juni neu im Team ist auch eine Juristin. „Judith Schäpers ergänzt mit ihrer Erfahrung und Expertise unsere Beratungsstelle in Kleve mit Büros in Emmerich am Rhein, Rees, Kalkar und Goch optimal“, sagt Rita Fergen und ergänzt: „Ab August wird uns noch ein weiterer, erfahrener Kollege verstärken.“

Möglich macht‘s eine weitere, vertragliche Neuerung mit dem Kreis Kleve. So wurden erstmals 700 Präventionsstunden für die Schuldnerberatung ausgehandelt – etwas mehr als 400 davon entfallen auf das Beratungsangebot der Caritas Kleve, die restlichen auf den Caritasverband Geldern-Kevelaer.

Auch Stephan von Salm-Hoogstraeten, Vorstand des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer, freut sich über die Neuerungen: „Verschuldung und Überschuldung kommen in allen gesellschaftlichen Schichten vor. Die Möglichkeit der ,Beratung für alle‘ gibt daher unserer Arbeit enormen Rückenwind.“ Unverändert dagegen ist der Beratungsansatz: „Ziel unserer Beratung ist nicht allein die Entschuldung. Gemeinsam mit den Ratsuchenden arbeiten wir auch daran, dass sie ihre Finanzen dauerhaft im Griff haben und eine erneute Verschuldung verhindert wird“, so Maria Tekath, Fachbereichsleitung der Schuldner- und Insolvenzberatung der Caritas Geldern-Kevelaer.

Neben der kostenlosen Schuldnerberatung bieten die beiden Caritasverbände auch Insolvenzberatung an. Diese wird wiederum vom Land NRW finanziert. Und auch hier gibt es gute Nachrichten zu vermelden. „Auch das Land hat den Stellenumfang in diesem Jahr erhöht – von zwei auf zweieinhalb Stellen im Kreis Kleve. Die halbe Stelle entfällt in diesem Fall auf die Caritas Kleve“, erklärt Rita Fergen.