Schuhmuseum Kleve ist zehn Jahre alt

Wirtschaftsgeschichte Kleve : Schuhmuseum Kleve neu sortiert

Der Name elefanten hat Kleve im vergangenen Jahrhundert berühmt gemacht. Das Schuhmuseum, das vor zehn Jahren eröffnet wurde, erinnert an die große Zeit der Schuhfertigung in der Stadt. Jetzt wurde die Sammlung neu gestaltet.

Tief ausgetreten sind die Stufen im Treppenhaus des ehemaligen Elefanten-Betriebsgebäudes. Tausende Mitarbeiter sind Jahr für Jahr die Etagen hoch und runter gelaufen, sie haben in den Firmenräumen Leisten hergestellt, Sohlen gestanzt und Leder gesteppt. Die Schuhindustrie in der Oberstadt hat Kleve noch berühmter gemacht als die Lebensmittelfabriken in der Unterstadt. Und Elefanten und Co. sind nicht vergessen, nicht zuletzt, weil das Schuhmuseum an der Siegertstraße seit zehn Jahren die Erinnerung hoch hält. Zum kleinen Jubiläum haben Theo Knips, Peter Lauer und ihre Mitstreiter die Ausstellung neu sortiert. Sie freuen sich über Besucher, die dies zum Anlass nehmen, mal vorbeizuschauen.

9,4 Millionen Schuhpaare hat im Jahr 1970 der größte deutsche Kinderschuhhersteller Elefanten produziert. Selbst der Nachwuchs gekrönter Häupter lernte in Schuhen aus Kleve laufen – und zwar, ohne sich die Füße zu verbiegen, denn Gustav Hoffmann hatte ja 1896 den rechten und den linken Kinderschuh erfunden. Bis dahin hatte die Anatomie der Füße kaum eine Rolle gespielt. Viel schlimmer als in Europa ging es allerdings den Füßen vieler Menschen in fernen Ländern: Vitrinen im Klever Museum zeigen das Schuhwerk von Chinesinnen, denen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein die Füße gebunden wurden, so dass sie zu zehn Zentimeter kurzen „Lotusfüßen“ verkümmerten.

Unter solch fehlgeleitetem Schönheitsideal mussten niederrheinische Mädchen nicht leiden, eher unter Armut, die ihnen oft nur Holzschuhe zugedachte. Ob die Fußbekleidung passt, lässt sich bei Kindern übrigens gar nicht so leicht feststellen. Es sei denn, es werden die Hilfsmittel der jeweiligen Zeit angewandt. Der Schuhfachhandel steckt Kinderfüße in Socken seit den 60er Jahren in Messgeräte mit Schieblehre, zuvor gab es in einigen Geschäften durchsichtige Anprobeschuhe, die eindeutig nachwiesen, ob vor dem großen Zeh noch ein Zentimeter Platz war. Selbst unterschiedliche Weiten wurden in die Konfessionsware aufgenommen: W, M und S.

Die Schuhherstellung war lange Zeit reine Handarbeit, die seit den 60er Jahren immer teurer wurde. „Erst lagerten die Schuhhersteller Teile ihrer Produktion nach Südeuropa aus, dann nach Osteuropa, schließlich nach China, Vietnam, Indonesien“, erzählt Dieter Jansen. Fabriksäle mit hunderten Stepperinnen in Fernost sorgen bis heute für bezahlbare Schuhmode. Lebenslang haltbar wie ihre Vorgänger sind diese Schuhe eher nicht mehr.

Probeschuhe halfen, die richtige Größe festzustellen. . Foto: Anja Settnik

Übrigens wurde in Kleve nicht nur Leder genäht oder gesteppt, man experimentierte auch mit aufgeklebtem Kunststoff oder schäumte PVC auf. Denn für den Sport oder für bewegungsfreudige Kinder ist eine starre Ledersohle wenig geeignet. Das wetterfeste Gore-Tex war später der Renner. Peter Lauer schaut mit einiger Wehmut in eine Vitrine mit Modellen, die er noch selbst mit entworfen hat. Unzählige Formen, Farben, Schnitte, mal sportlich, mal schick, sind da ausgestellt. „Bis 2002 haben wir noch Muster für die Fachgeschäfte hergestellt“, berichtet er.

Neben alten Stanz- und Nähmaschinen, erst mit Handrad, dann elektrisch betrieben, wird auch an die Fertigung der Leisten erinnert, die in der hauseigenen Schreinerei stattfand. In den Vitrinen sind die Schuhe zeitlich, nach Herstellern und Verwendung angeordnet. Auf zwei großen Bildschirmen können Filme gezeigt werden, in denen es um die Arbeit der „Schüsterkes“ geht. Peter Lauer betont, dass bei allem technologischen Fortschritt bei Elefanten immer die Menschen gesehen wurden: „Jeder Produktionsschritt war gleich wichtig.“ Entsprechend fühlte die Belegschaft eine große Zusammengehörigkeit, die sich in Betriebsausflügen, Festen und in Namen von Geschäften und Lokalen in der Oberstadt ausdrückt. „Besucher, die zu uns kommen, finden unsere Sammlung immer toll. Nur leider sind wenige bereit, hier mitzuarbeiten“, sagt Theo Knips. Er und sein Vereinsvorstand fänden es schön, wenn jüngere Menschen sich engagieren würden. Jeden Sonntagnachmittag ist das Museum bei freiem Eintritt geöffnet, auf Wunsch finden Gruppenführungen auch zu anderen Zeiten statt.