Kreis Kleve: Schüler werden "Net-Piloten" gegen Internetsucht

Kreis Kleve: Schüler werden "Net-Piloten" gegen Internetsucht

Mehr als 100 Handy-Nachrichten, stundenlanges Internetsurfen: Die "Net-Piloten" sollen für Gleichaltrige da sein, wenn's zu viel wird.

/ Geldern "Wenn Bausteine aus der Zufriedenheitsmauer herausfallen, werden diese Löcher durch Medien und andere Suchtmittel gefüllt", vermittelten Petra van Bergen und Tim Rambach von der Fachstelle für Suchtvorbeugung der Diakonie im Kirchenkreis Kleve. Um sicherzugehen, dass Jugendliche dagegen gewappnet sind, gab es nun in Geldern die erste Projektgruppe der "Net-Piloten". Sechs Jungen und sechs Mädchen der Gelderner Sekundarschule Niederrhein wurden ausgebildet.

"Das Konzept ist noch relativ jung, und dies ist nun der erste Probelauf im Kreis Kleve und, außer einem Test in Bonn, auch das erste Mal in NRW", erklärte van Bergen. Unser Ziel ist es, von nun an möglichst viele Schulen anzusprechen."

Das Konzept der "Net-Piloten" ist ein "Peer-Ansatz". Das heißt: Jugendliche sollen Gleichaltrigen helfen. "Schülerinnen und Schülern aus der achten und neunten Klasse soll beigebracht werden, wie man mit Sucht-Anzeichen umgeht und worauf man achten muss. Untereinander können Jugendliche sich einfach besser verständigen", so van Bergen.

Die viertägige Ausbildung der Jugendlichen war in Module aufgeteilt, die sich unter anderem mit der "Suchttreppe", einer persönlichen "Firewall" und dem Proben von Beratungssituationen beschäftigten. "Wir haben dabei richtig viel gelernt. Es war informativ und spannend", lobte Schüler Jason Goczol (13). "Uns wurde erklärt, dass Internet- und Handysucht nicht nur von der Zeit abhängen, die man mit damit verbringt, sondern auch, ob und wie man durch sie seiner Umgebung schadet. Als 'Net-Pilot' sollen wir aufpassen, dass andere Leute es nicht übertreiben."

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Was würde er tun, wenn ein Klassenkamerad sich mit Problemen an ihn wendet? "Ich würde ihm erst einmal zeigen, wie man seine Zeit besser einteilen kann, Beispiele nennen, wie man sich anders beschäftigt. Wenn es bei ihm richtig schlimm ist, sollen wir unsere Mitschüler an Lehrer und die Suchtberatung weiterleiten."

Nicht nur die Sucht ist ein Problem: "Man muss auch lernen, dass man im Internet nicht einfach Anfragen von Fremden annehmen darf", hat Schüler Luca Lemper (13) gelernt. Er erinnerte sich an einen Fall von Cybermobbing, den er aus dem Freundeskreis kannte: "Da wurden von einem Mädchen private Fotos weitergeschickt. Das war schlimm, und gegen so etwas sind wir natürlich auch." Warum er "Net-Pilot" geworden ist? "Weil ich lernen wollte und weil ich Menschen einfach gern helfen möchte. Ich würde jedem empfehlen ein 'Net-Pilot' zu werden. Denn je mehr es gibt, desto mehr können wir helfen."

Für die Sekundarschule Niederrhein gibt es derzeit viele Pläne, wie die "Net-Piloten" in Zukunft weiter eingesetzt werden könnten: "Die Peer-Gruppen als Anlaufstelle sind wichtig, da die Kinder ein Netzwerk untereinander haben. Dieses wollen wir ausbauen, um weiter auf die 'Net-Piloten' aufmerksam zu machen", kündigt Petra van Bergen an. Elternabende oder Plaketten als Kennzeichen für die Net-Piloten sind angedacht. Und weitere Schulen im Kreis sollen angesprochen werden, um mehr "Net-Piloten" auszubilden. Es werden auch Sponsoren für das Projekt gesucht. Wer helfen will, kann an vanbergen@diakonie-kkkleve.de mailen.

(RP)