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Kleve: Schöner wohnen im Problemviertel

Kleve : Schöner wohnen im Problemviertel

Die Aufwertung des Bestands der größten Wohnungsbaugesellschaft in Kleve geht weiter: Die Gewoge hat für fast 3,4 Millionen Euro sieben Häuser an der Küppers- und Fredestraße kernsaniert. Andere Eigentümer sollen nachziehen.

Ein edler, anthrazitfarbener Klinker, darüber weißer Putz, unterbrochen von roten, gelben und orangefarbenen Bereichen — das Mehrfamilienhaus an der Fredestraße wirkt gleich auf den ersten Blick einladend. Vor der Haustür gepflasterte Stellplätze. Eingezäunte Grundstücke. Großzügige Balkonanlagen auf Stahl-Stützen. Hier möchte man gerne einziehen.

 Helle, farbenfrohe Räume, offene Küche – so sieht es in den Wohnungen aus. Dazu gehören großzüge Balkonanlagen.
Helle, farbenfrohe Räume, offene Küche – so sieht es in den Wohnungen aus. Dazu gehören großzüge Balkonanlagen. Foto: Klaus-Dieter Stade

Kleves größte Wohnungsbaugesellschaft Gewoge hat sieben Häuser aus ihrem Bestand an der Küppers- und Fredestraße kernsaniert. 3,35 Millionen Euro hat die Gewoge in den Umbau der insgesamt 42 Wohnungen, in die Herrichtung der Fassaden und Gärten und vor allem in die energetische Sanierung der Häuser gesteckt. Fast zwei Jahre nahm das alles in Anspruch; nach nur eineinhalb Jahren waren alle Wohnungen durchsaniert.

"Niemand musste dafür ausquartiert werden. Das war eine Herausforderung, die wir gemeinsam mit den Bewohnern gut gestemmt haben", sagt Willibrord Haas, Stadtkämmerer und Gewoge-Aufsichtsratsvorsitzender. Dazu zählte auch, dass die Bewohner zwischenzeitlich in von der Gewoge bereitgestellten Badcontainern geduscht haben.

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Wer heute durch das Wohnviertel spaziert, könnte meinen, er hätte sich verirrt. Das in den 60er Jahren entstandene Baugebiet galt lange als städtebaulicher Schandfleck und Problemviertel. Erst vor wenigen Monaten hatte die Stadtverwaltung noch darüber nachgedacht, den so genannten Drogencontainer von der Mozart- an die Fredestraße zu verlegen. Dort können sich Drogensüchtige waschen und auf die Toilette gehen. Die das Wohngebiet dominierenden roten Backsteinhäuser mit den vergammelten Fassaden und eng geschnittenen Wohnungen waren nicht gerade eine Wunschadresse — hier zog nur hin, wer keine andere Möglichkeit hatte.

Das hat sich gründlich geändert. Die sanierten Häuser haben das Viertel deutlich aufgewertet. Alle Wohnungen sind vermietet — zu einem Quadratmeter-Preis von 5 Euro kalt. "Die Miete ist zwar erhöht worden, um die Sanierung zu finanzieren, doch das können die Mieter über die niedrigeren Energiekosten wieder einsparen", sagt Thomas Euwens vom Architektenbüro Reppco, das die Sanierungen plante. Nach einem Jahr endet die Preisbindung, dann will die Gewoge die Wohnungen für 5,20 Euro pro Quadratmeter anbieten.

Jetzt hofft die Gewoge, dass ihr Projekt Nachahmer findet. "Das könnte sich für andere Eigentümer von Mehrfamilienhäusern in diesem Wohnviertel richtig lohnen", sagt Reppco-Architektin Christiane Behrens und verweist auf attraktive Fördermittel der KfW-Bank. Denn die sanierten Häuser haben jetzt Neuhausniveau mit einem sehr guten Energieverbrauchswert (Effizienshausstandard 85). Dafür gewährte die KfW-Bank einen Kredit in Höhe von einen 2,65 Millionen Euro. Also musste die Gewoge "nur" 700 000 Euro aus eigenen Mitteln investieren. Und die KfW-Bank gab einen Tilgungszuschuss in Höhe von 416 000 Euro. "Wir geben die Fördergelder an die Mieter weiter, andere Eigentümer müssen das nicht tun", betont Dewoge-Geschäftsführer Michael Dorißen.

Die Gewoge bewirtschaftet aktuell 151 Gebäude mit insgesamt 710 Wohneinheiten, davon 651 im eigenen Bestand. In den vergangenen zehn Jahren hat sie nach eigenen Angaben mehr als 200 Wohnungen renoviert und dafür 9,6 Millionen Euro aufgewandt. Als nächstes will die Baugesellschaft ein komplett neues Wohnquartier in der vorderen Küppersstraße errichten. Mit dem Abriss der leerstehenden Gebäude dort wurde schon begonnen.

(RP/rl)