Kleve: Schöne neue Arbeitswelt

Kleve: Schöne neue Arbeitswelt

Wie wollen wir arbeiten - heute und in Zukunft? Die Doku "Die stille Revolution" zeigt, wie sich Strukturen in Unternehmen verändern können. Zu sehen ist sie im Klever Kino mit anschließender Podiumsdiskussion.

Er klettert mit seinen Azubis auf den Kilimandscharo oder die Zugspitze, organisiert Stuhlkreise mit seinen Mitarbeitern und beschäftigt "Corporate-Happiness-Beauftragte". Bodo Janssen ist für viele das Beispiel für den Kulturwandel in der Unternehmensführung. Als Geschäftsführer der familieneigenen Hotel- und Ferienwohnungskette Upstalsboom wandelte er sich vom verhassten Antreiber, den seine Mitarbeiter lieber heute als morgen loswerden wollten, zum Vorzeige-Chef. Janssen zog sich zurück, ging zu Anselm Grün ins Kloster. "Dort ist mir klar geworden, dass ich andere nur führen kann, wenn ich für mich selbst weiß, wo es langgeht. Der Fisch stinkt immer vom Kopf her", dozierte er in einem Spiegel-Interview.

Jetzt hat Christian Gründling aus der Sinnsuche des Managers nach neuer Führung einen Film mit vielen sinnsuchenden Bildern gemacht. "Die stille Revolution" heißt die Dokumentation und möchte nichts anderes als der "Kinofilm zum Kulturwandel in der Arbeitswelt sein" sein. Der Film läuft seit diesem Monat in ausgewählten deutschen Kinos und ist am Mittwoch, 28. März, 18 Uhr in den Klever Tichelpark-Cinemas im Rahmen eines von "Unternehmensentwicklerin" Barbara Baratie organisierten Film- und Dialogabends mit anschließender Podiumsdiskussion (Eintritt 35 Euro) zu sehen.

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"Das ist mehr als ein Kinofilm - es ist eine Dokumentation, die die Geschichte des Strukturwandels in der Arbeitswelt erzählt", sagt Baratie. Es gehe hier für die Unternehmen eben auch darum, zu vermitteln, dass nicht nur das "know how", sondern auch das "know why" wichtig sei, die Frage nach dem "Warum", sagt Reinhard Berens. Das habe bei der Premiere viele Firmenchefs beeindruckt, so der Kino-Chef. Baratie hat in Kooperation mit dem Kreiswirtschaftsförderer Hans-Joseph Kuypers für die Diskussion fünf Unternehmenslenker vom Niederrhein gewinnen können. Es gibt nach dem Film ein Treffen mit einem Getränk und dann die Podiumsdiskussion über diese schöne neue Arbeitswelt und ihre möglichen Veränderungen, über neue Unternehmenstrukturen und die Work-Life-Balance der Generation Y.

Denn man sollte auf dem Weg auf den Kilimandscharo auch nicht vergessen, dass wer zwischen Homeoffice, freien Freitagen, zwischen Dienstwagen und BahnCard 100 wählen kann, zu einer privilegierten Minderheit in Deutschland gehört, die gut ausgebildet ist und meist in "Mangelberufen", in der Tech-Branche oder projektbezogen arbeitet. Im Einzelhandel, in der Logistikbranche und anderen Dienstleistungsberufen muss inzwischen oft rund um die Uhr und auf Abruf gearbeitet werden. Denn wie "schön" die neue Arbeitswelt auch ist, zeigt eine Studie, die der Spiegel veröffentlichte: 62,8 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich in ihrer Freizeit regelmäßig mit Tätigkeiten beschäftigen, "die eigentlich der regulären Arbeitszeit zuzurechnen sind". 21,6 Prozent der Arbeitnehmer schätzen ihre wöchentliche Zusatzarbeit auf zwei Stunden. Bei immerhin 28,2 Prozent der Arbeitnehmer liegt die zusätzliche Arbeit nach Feierabend zwischen drei und zehn Stunden. Rund jeder siebte Angestellte (13 Prozent) gab an, Berufliches im Umfang von zehn oder mehr Stunden pro Woche in seiner Freizeit zu erledigen - in Einzelfällen auch bis deutlich über 20 Stunden hinaus.

(mgr)