Schlüsseldienst-Prozess in Kleve: "Ich hörte den Kunden durch die Tür weinen"

Schlüsseldienst-Prozess in Kleve: "Ich hörte den Kunden durch die Tür weinen"

Im Prozess gegen zwei ehemalige Schlüsseldienst-Unternehmer aus Geldern und Weeze haben am Dienstag ehemalige Auftragnehmer und betroffene Kunden ausgesagt. Vielen sei erst nach dem Bezahlen aufgegangen, dass etwas nicht rechtens war.

Dicke Luft herrschte am Dienstag im Prozess gegen zwei ehemalige Schlüsseldienst-Unternehmer aus Geldern und Weeze, denen gewerbsmäßiger Betrug und Wucher, Steuerhinterziehung sowie Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt vorgeworfen wird. Ein ehemaliger Monteur, der aussagte, äußerte seinen Unmut darüber, wie der ehemalige Auftraggeber - die Deutsche Schlüsseldienst-Zentrale (DSZ) - mit ihm umgegangen sei.

"Anfangs hörte es sich noch gut an. Es wurde gesagt: Zehn Tage Montage, dann hast du fünf Tage Zeit für die Familie. Aber irgendwann waren es dann drei Wochen Montage am Stück", so der 46-jährige Münchner, der von 2014 bis 2016 für die DSZ Schlüsseldienste erledigte. Zwar habe er zunächst einen professionellen Eindruck von der Geschäftsführung gehabt - schnell fühlte er sich dann aber von der Firmenführung im Stich gelassen. "Es gab keine Betreuung, man wurde hineingeworfen, und es wurde gesagt: Mach mal", so der 46-Jährige.

Seinem Unmut verlieh der Zeuge lautstark in Richtung Verteidigung Ausdruck - und als diese konterte, schritt der Vorsitzende Richter Christian Henckel ein: "So geht das nicht. Sie streiten hier nur, anstatt Fragen zu stellen." Auch ehemalige Kunden der DSZ sagten aus, darunter ein Ehepaar aus dem sächsischen Plauen: "Wir haben gedacht, es kommt ein ortsansässiger Monteur aus Plauen, aber dann kam nach 3,5 Stunden jemand aus Oberhausen", so die 59-jährige Zeugin.

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Als der Monteur dann nach einer Dreiviertelstunde um 4.30 Uhr morgens seine Arbeit beendet hatte, wollte er 750 Euro haben. Nach Protest der Kunden sei der Monteur auf 700 Euro runtergegangen, woraufhin das Ehepaar per EC-Karte zahlte.

Wie bei so vielen Kunden, die bereits im Prozess ausgesagt hatten, kam die Erkenntnis, dass etwas nicht rechtens sei, jedoch erst nach der Bezahlung. Das Ehepaar aus Plauen wandte sich daraufhin an den Verbraucherschutz. "Die haben uns geraten, das Geld durch die Sparkasse zurückbuchen zu lassen, was wir dann auch gemacht haben", so der 60-jährige Zeuge. Daraufhin gab's zwar einen Mahnbrief mit 100 Euro Säumniszuschlag - als ein befreundeter Anwalt des Ehepaares die Sache jedoch in die Hand nahm, meldete sich das Inkassounternehmen nicht mehr.

Andere Kunden schilderten am Dienstag, sie hätten ihre hohen Zahlungen an die DSZ - unmittelbar oder nach längerer Bedenkzeit - schließlich als Lehrgeld akzeptiert. Nicht immer ist das wohl ohne Tränen vonstatten gegangen, wie ein ehemaliger Monteur im Zeugenstand schilderte. Nachdem er das Haus eines Kunden bereits verlassen hatte, drehte der 36-Jährige um, um dem Bewohner ein vergessenes Dokument zurückzugeben: "Da hörte ich den Kunden durch die Tür weinen. Das war dann auch einer der Gründe, warum ich aufgehört habe", so der Zeuge.

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(RP)