Kleve: Schleuse: Die Zeit drängt

Kleve: Schleuse: Die Zeit drängt

"Wie geht es mit der Schleuse weiter?" lautete bei der Zukunftswerkstatt von Rheinische Post und Volksbank Kleverland die Frage. Fest steht: Eine Lösung muss schnell her.

Kleve und der Rhein - das ist eine innige Verbindung. Schon in wenigen Jahren könnte es damit vorbei sein, denn die Schleuse, die Rhein, Altrhein und Spoykanal bis in die Schwanenstadt verbindet, ist bekanntlich nicht mehr betriebsbereit. Und eine Sanierung wäre kaum zu bezahlen. Aber wenn nicht mehr geschleust wird, lägen zahlreiche Wassersportler mit ihren Booten auf dem Trockenen und niemand könnte auf dem Wasserweg mehr die Schwanenstadt erreichen. Wie geht es jetzt weiter?

Foto: Gottfried Evers

Der Deichverband Xanten-Kleve wird im nächsten Jahr damit beginnen, den Deich zwischen Rheinbrücke Emmerich und Wardhausen abzureißen und dann neu zu bauen. Auf die unter Denkmalschutz stehende Schleuse muss er dabei keine Rücksicht nehmen, denn Hochwasserschutz geht vor Denkmalschutz. "Bauwerke, die nicht mehr genutzt werden können, müssen aus dem Deich entfernt werden. Weil die Schleuse nicht mehr betriebsbereit ist, sind wir gehalten, den Deich ohne die Schleuse zu bauen", sagt Bernhard Schlüß, der Geschäftsführer des Deichverbands.

Der Bund würde sich zur Hälfte beteiligen, sowohl an den Kosten für eine Sanierung der Schleuse als auch am Bau einer neuen Sportbootschleuse. Bürgermeisterin Sonja Northing will erst ein Gutachten abwarten, ob, wo und wie ein Bau einer Sportbootschleuse möglich ist und was dieser kosten würde. Nach Ostern soll das Gutachten vorliegen.

"Wir wollen nicht die Katze im Sack kaufen", sagt Sonja Northing. Der Grund: Dann wäre die Stadt Kleve die Betreiberin der Schleuse. Sie müsste dann auch für den Unterhalt des Spoykanals als ehemalige Bundeswasserstraße sorgen. Und den Althrein regelmäßig auskoffern lassen, damit er nicht versandet.

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Dieter Rapp, Jugendleiter der Klever Segelgemeinschaft, spricht von einer "misslichen Situation", in der man sich derzeit befände. "Seitdem die Schleuse außer Betrieb ist, müssen wir das Schiff Exodus der Evangelischen Jugend in einer Nachbarkommune ins Wasser lassen. Der Transport kostet sehr viel Geld." Sein Vorschlag lautet: Eine neue Sportbootschleuse bauen, und zwar auf dem Altrhein in Höhe Keeken/Vossegatt. "Dann würde man das Wasser 4,20 Meter hoch stauen und hätte eine riesige Fläche für Wassersport. Außerdem müsste man den Altrhein, wenn überhaupt, nur noch auf einem kleinen Stück regelmäßig auskoffern", sagt er. Für Sonja Northing stellt sich die Frage, ob das finanziell zu stemmen ist. Eine Sportbootschleuse kostet einige Millionen Euro. Trotzdem werde auch der Standort Vossegatt in dem Gutachten geprüft, so die Bürgermeisterin.

Bernhard Schlüß ist skeptisch, was diesen Standort angeht. "Dann müsste das Schöpfwerk ständig pumpen. Auch die Fischdurchlässigkeit wäre so nicht machbar", betont er. Bessere Chancen sähe er dafür, eine Sportbootschleuse an Stelle der jetzigen großen Schleuse zu errichten. "Das sollte man aber schnell machen, Deich und Schleuse in einem Zug bauen", sagt er. Auch Wolfgang Kluge, Vorsitzender der Klever Segelgemeinschaft betont: "Wir müssen jetzt zügig mit verschiedenen Organisationen in Kontakt treten, sonst sind wir zu spät dran."

Wolfgang Gebing, Fraktionsvorsitzender der Klever CDU, kann sich eine Sportbootschleuse am Vossegatt gut vorstellen. Er mahnt: "Wir dürfen aber nicht den Bund aus der Verantwortung lassen." Josef Gietemann, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Kleve ist noch skeptisch, ob die Stadt wirklich die Schleuse übernehmen soll. "Das ist eine schwere Entscheidung. Es könnte ein Rucksack für Generationen werden. Eigentlich ist das nicht die Aufgabe der Stadt. Wir reden von mehreren Millionen Euro, die wir investieren müssen. Da muss die Politik gut überlegen", sagt er. Gebing hält dagegen: "Man kann auch Sachen totrechnen. Wir müssen den Willen haben und auch nach außen tragen, dass wir die Schleuse wollen."

(RP)