Schleswig-Holstein: So ist Kleve im hohen Norden

Namensvetter in Schleswig-Holstein : So ist Kleve im hohen Norden

In Schleswig-Holstein gibt es zwei kleine Gemeinden, die auch Kleve heißen. Sie sind geprägt von ländlicher Idylle.

Die Stadt Kleve am Niederrhein ist nicht allein: Sie hat zwei kleine Geschwister. Und zwar im hohen Norden, in Schleswig-Holstein, an Elbe und Eider – und nur einen Steinwurf von der Nordsee entfernt. Es sind zwei ländlich gelegene Gemeinden, die exakt den gleichen Namen „Kleve“ tragen wie die Stadt am Niederrhein. Die eine Gemeinde zählt rund 560 Einwohner und liegt zehn Kilometer nordöstlich von Itzehoe im Kreis Steinburg (Auto-Kennzeichen „IZ“). Die andere zählt rund 420 Einwohner und liegt knapp 30 Kilometer südlich von Husum im Kreis Dithmarschen (Auto-Kennzeichen HEI und MED). Beide „Kleves“ im hohen Norden trennen etwa 50 Kilometer. „Das sorgt auch schon mal für Verwechslungen“, sagt Anke Trede und lacht. Sie ist Bürgermeisterin der „großen“ Gemeinde Kleve in Schleswig-Holstein, also die der Gemeinde im Kreis Steinburg.

Die Gegend um Kleve herum – und da unterscheiden sich die beiden Gemeinden nicht wesentlich – ist von ländlicher Idylle geprägt. Auf 560 Einwohner im Steinburger Kleve kommen fast genauso viele Hektar Fläche. „In unserer Nähe liegt die tiefste Landstelle Deutschlands“, berichtet Anke Trede von einem, wenn man so will, Besuchermagneten im Umland ihrer Gemeinde. Die Stelle liegt mehr als drei Meter unter dem Meeresspiegel. „Ab und zu fahren dort Busse mit Besuchern hin, die sich die Stelle ansehen“, sagt Trede. Bezeichnend für ihre Gemeinde Kleve: Der Übergang zwischen dem sogenannten Geest- und dem sogenannten Marschland. Das tiefe Marschland ist dort auf natürliche Weise entstanden, Kleve liegt quasi an einer Klippe, einer Landschaft, die plötzlich um zwei bis drei Meter abfällt. Daher kommt auch der Name Kleve, hergeleitet vom „Kliff“, also der Klippe. Auch das andere Kleve, das im Kreis Diethmarschen bei Husum, liegt in so einem landschaftlich besonderen Gebiet.

Im Kreis Steinburger Kleve ist das Gut Kleve ein Wahrzeichen. Das Haus, aufgenommen im goldenen Herbst. Foto: Matthießen

Die Landschaft zwischen den beiden „Kleves“ ist schön grün, das Steinburger Kleve etwa ist auch umgeben von großen Buchenwäldern – und vom Moor. „Das Herrenmoor ist ein großes Naturschutzgebiet, das direkt in unserer Nachbarschaft liegt“, sagt Bürgermeisterin Anke Trede. Es sei rund 200 Hektar groß. Mittlerweile siedeln auch Kraniche in der besonderen Flora und Fauna. Zu sehen gibt es in dem Ort zwei Güter: das Gut Kleve und das Gut Krummendiek. Beide sind historisch für die Gemeinde bedeutend. Und: Im Gemeindegebiet gibt es ein Wasserwerk sowie einen Wasserturm. Die Geschäftswelt ist weitgehend ausgestorben. Im Ort halten sich eine Gaststätte, eine Kosmetikerin, eine Fußpflegerin, eine Hundeschule, ein Landmaschinenhandel und ein Erdbeerhof. „Supermärkte gibt es bei uns leider nicht mehr“, sagt Anke Trede. Zum Einkaufen müssen die Bewohner der Gemeinde ins zehn Kilometer entfernte Itzehoe, zum Beispiel mit dem Taxi, das von der Gemeinde bezuschusst wird.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Gemeinde Kleve unattraktiv beispielsweise für junge Menschen ist. „Viele ziehen neu zu uns“, sagt Bürgermeisterin Trede. Vielleicht liegt das an der Glasfaser-Internetverbindung: Die Zustimmung der Bürger für den Anschluss lag dort in den vergangenen Jahren bei mehr als 80 Prozent. So ist die Gemeinde zwar klein und ein bisschen „fernab vom Schuss“, aber fortschrittlicher als manche Kommune am Niederrhein. Eigentlich, erzählt Anke Trede, würde Kleve auch gerne weiterwachsen, nur das ist nicht ganz so einfach: „Kleve liegt in einem Wasserschutzgebiet, was Einschränkungen für die Landwirtschaft bedeutet.“ Weil Kleve zudem am sogenannten Geestrücken liege, der keine Bebauung erlaube, sei es auch mit neuen Wohngebieten schwierig. Dafür kann Trede, die der Kommunalen Wählervereinigung angehört, von einem lebendigen Vereinsleben und einem guten Zusammenhalt in der Gemeinde berichten, die fast alle wichtigen politischen Prozesse mit drei bis vier Nachbargemeinden gemeinsam stemmt. Beispielsweise betreiben die Gemeinden zusammen eine Kita.

Der Karneval, der am Niederrhein groß gefeiert wird, steht im hohen Norden hingegen nicht wirklich hoch im Kurs. „Wir feiern hier das Erntedankfest sehr groß“, sagt Anke Trede und nennt damit eine Parallele zur Schwanenstadt. Auch dort ziehen Bürger mit Traktoren durch die Straßen, treffen sich zu einem Umzug. Davon weiß auch der ehemalige Bürgermeister Werner Matthießen zu berichten. Er ist Tredes Vorgänger und führt den Umzug zum Erntedankfest mit seinem Traktor, der ein besonderes Detail aufweist: ein Nummernschild, das mit „KLE“ beginnt. „Vor einigen Jahren hat uns jemand vom Niederrhein besucht und das Kennzeichen mitgebracht“, sagt Matthießen. Nach der Trennung auf dem Nummernschild folgen die Buchstaben V und E sowie die Nummer eins, so dass ein „KLEVE 1“ entsteht. Das Schild erinnert Matthießen an die „große Schwester“ am Niederrhein, die rund 470 Kilometer entfernt liegt.

Eine weitere Besonderheit in der Gemeinde Kleve: Einmal pro Jahr, immer am ersten Augustwochenende, herrscht im nur wenige Kilometer weit entfernten Ort Wacken wegen des Heavy-Metal-Festivals der Ausnahmezustand, der gewissermaßen auch aufs ländliche Idyll abfärbt. „Zumindest merken wir das am zunehmenden Straßenverkehr“, sagt Anke Trede, die selbst auch schon mal auf dem Festival-Gelände vorbeigeschaut hat. Für die Bewohner der Gemeinde sei es allerdings eher ein Treffpunkt. Viele Heavy-Metal-Fans scheint es im Kleve an der Elbe also nicht zu geben...

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