Kleve/Kranenburg: Schlange stehen für den "Wunderwuzzi"

Kleve/Kranenburg: Schlange stehen für den "Wunderwuzzi"

Auf den Parkplätzen der grenznahen Supermärkte herrscht derzeit der Ausnahmezustand. Zigtausende Niederländer kaufen in den Märkten Raketen und Böller, weil sie dort billiger sind als in Holland. Wir haben zugeschaut.

Es ist Freitagmorgen, 29. Dezember, 10.30 Uhr. Noch 61,5 Stunden bis das neue Jahr beginnt. Auf dem Parkplatz der Kaufland-Filiale an der Emmericher Straße in Kellen dreht Henk Weestra mit seinem Auto gerade die dritte Runde. Es ist einfach keine Parklücke mehr zu finden. Als der Niederländer es endlich geschafft hat, steht ihm die größte Herausforderung noch bevor: Feuerwerkskörper einkaufen.

Rund um die Frische Arena in Kranenburg war gestern kaum noch ein Durchkommen. Foto: Marc Cattelaens

Weestra macht sich auf in Richtung Markt. Ihm kommen zahlreiche Landsleute entgegen, die Einkaufswagen meist randvoll gefüllt mit Raketen und Böllern. In vielen Wagen liegen auch Kartons mit Sektflaschen. Der Eingang gleicht einem Nadelöhr. Weestra schlängelt sich hindurch zwischen den entgegenkommenden Kunden und denjenigen, die an der Fischbude nebenan Schlange stehen, um eine Portion Frites Speciaal zu bestellen. In einer Stunde ist Mittag.

Weestra arbeitet sich zielstrebig zur Sonderverkaufsfläche mit dem Feuerwerk vor. Schwer ist das nicht, er muss einfach nur dem Strom folgen. Auf dem Weg schnappt er sich einen Prospekt. Darauf ist so ziemlich alles abgebildet, was man zum neuen Jahr in die Luft jagen kann. Weestra lernt die Namen der Batterie-Feuerwerke, die ihn besonders ansprechen, auswendig. Damit er schnell reagieren kann, wenn die Verkäuferin "Zombi Town", "Wunderwuzzi" oder "Double Thunder" ausruft und die entsprechenden Kartons in die Höhe hält.

Überhaupt muss jeder an diesem Morgen schnell sein, der irgendwie mit Feuerwerk zu tun hat. Die Angestellten mit den "Ameisen", den Hubwagen mit den kubikmetergroßen Transportbehältnissen, in denen sich die Knaller stapeln, die im Fünf-Minuten-Takt angeliefert werden. Die Verkäufer, damit sie die Feuerwerkskörper in die Gitterkörbe legen können, bevor sie ihnen aus der Hand gerissen werden. Und die Kassiererinnen, damit die Schlangen nicht endlos lang werden. Keiner wundert sich, wenn an der Kasse pro Einkauf am Ende eine Zahl weit jenseits der 200 Euro aufleuchtet. Und niemand ist erstaunt, dass an der Sonderverkaufsfläche mit dem Feuerwerk kein einziges Wort Deutsch gesprochen wird. Das ist halt so an diesem Freitagmorgen im Kaufland.

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Einige Hundert Meter weiter in Richtung Kleve, bei der Aldi-Filiale an der Emmericher Straße, sieht die Welt nicht viel anders aus. "Verkoop van Vuurwerk", steht auf einem Banner über dem Markt. Die Metzgers kommen gerade heraus, ihr Einkaufswagen ist randvoll mit Knallern aller Art. Sonst liegt nichts darin. Die Familie mit dem deutschen Namen, die in einem Dorf in der Nähe von Zwolle wohnt, ist 75 Minuten mit dem Auto angereist, um bei Aldi Feuerwerk einzukaufen. Genau wie im vergangenen Jahr. "In Deutschland sind die Böller besser und billiger als bei uns", sagt Vater Metzger. Sein Sohn Simon und seine Tochter Sara haben ein breites Grinsen auf dem Gesicht, weil sie sich schon sehr auf die große Knallerei freuen. 150 Euro haben ihre Eltern dafür ausgegeben. "Aber das ist nicht nur für uns, sondern auch für andere Familienmitglieder", sagt die Mutter.

Kurz vor Silvester gibt es auf den Klever Hauptverkehrsachsen regelmäßig Staus, weil so viele Menschen Feuerwerk einkaufen wollen. Auf der Emmericher Straße in Kellen reihten sich die Autos am Donnerstag zwischenzeitlich vier Kilometer lang Stoßstange an Stoßstange. An der Hoffmannallee rund um Einkaufszentrum eoc in der Klever Oberstadt mussten Autofahrer ebenfalls längere Wartezeiten in Kauf nehmen.

Zwölf Kilometer weiter, in der Grenzfeste Kranenburg, kann man über solche Zustände nur müde lächeln. Auf der Großen Haag, der Umgehungsstraße, die zum Einkaufszentrum Frische Arena führt, war gestern fast den ganzen Tag hindurch Stau.

Schlange stehen fürs Feuerwerk - das ist offenbar ganz normal kurz vor Silvester im Kleverland.

(RP)
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