Schafschurfest im Klever Tiergarten

Klever Tiergarten: Das Scheren der Schafe

Einmal im Jahr geht es den Schafen im Klever Tiergarten ans Fell: Beim traditionellen Schafschurfest lassen die Tiere im Schnitt vier Kilogramm Wolle. Der Ertrag ist vielseitig einsetzbar – auch als Hausmittel und Dünger.

Mit kräftigem Griff packt Züchter Volker Thomas das Bentheimer Landschaf. Ein kurzes Blöken ist zu hören, doch viel Widerstand scheint das Tier nicht zu leisten. Das mag daran liegen, dass das Schaf die Befreiung von der kilogrammschweren Wolle als Erleichterung empfindet – oder aber an den geübten Händen von Volker Thomas.

Dutzende Schafe hat der erfahrene Züchter aus Pfalzdorf gestern beim traditionellen Schurfest im Klever Tiergarten geschoren. So geübt er auch ist – es ist echte Knochenarbeit, die Thomas leistet. Denn ein ausgewachsenes Schaf bringt schon mal so viel Gewicht auf die Waage wie ein erwachsener Mann, dementsprechend kräftig sind die Bewegungen der Vierbeiner. Die Gegenwehr der Tiere blieb dennoch ohne Erfolg: Nur wenige Minuten brauchte Thomas, um ein Schaf mit der elektrischen Schermaschine von der Wolle zu befreien.

Einmal im Jahr lädt der Klever Tiergarten zum Schafschurfest ein – immer dann, wenn es Zeit wird, die Tiere von ihrem Fell zu befreien. Denn die Schafe verlieren aufgrund jahrhundertelanger Züchtung nicht mehr von alleine ihre Wolle. 46 Vierbeiner des Tiergarten galt es zu scheren: „Sieben Jakobsschafe, fünf Rhönschafe, acht ungarische Zackelschafe, 20 Ouessantschafe und ein Kreuzungsschaf“, zählte Tiergarten-Betriebsleiter Dietmar Cornelissen auf. Hinzu kamen Tiere von Züchtern aus dem Umkreis.

Für die Besucher des Tiergartens ist das Schafschurfest auch diesmal wieder ein Spektakel gewesen: Dutzende Zuschauer belagerten den Stall, in dem Volker Thomas die Schafe schor. Mittendrin: Heinrich Wessendorf, Züchter und Preisrichter aus Duisburg, der die Arbeitsschritte für die Gäste kommentierte und mit allerhand Wissenswertem über die Säugetiergattung anfütterte.

„Vier Kilogramm Wolle bringt ein Schaf im Schnitt“, erklärte der Duisburger. Einen Gewinn haben Züchter aber nicht zu erwarten: Höchstens 40 Cent bringt ein unbearbeitetes Kilogramm Wolle – allein die Kosten für das Scheren sind höher. Dennoch ist die Wolle vielseitig nutzbar: Sie werde gefilzt, gekämmt, gesponnen oder gefärbt, gar als Pflanzendünger oder als Heilmittel eingesetzt, so Wessendorf.

Nach der Schur ging es für die Schafe weiter zur Klauenpflege und Wurmkur. „Wir machen im Prinzip eine Inspektion“, erklärte Betriebsleiter Dietmar Cornelissen, der die Tiere mit seinem Pfleger-Team unter die Lupe nahm.

In den nächsten zwölf Monaten wird die Wolle der Schafe im Tiergarten nun wieder kräftig sprießen. Dann steht das nächste Schafschurfest an, das immer gegen Jahresmitte stattfindet.

Mehr von RP ONLINE