Schulkonferenz einberufen Schadstoffe gefunden: Klasse gesperrt

Kleve · In der Gemeinschaftsgrundschule An den Linden hat ein Lehrer störende Gerüche festgestellt. Die Stadt ließ das frisch sanierte Gebäude untersuchen und stieß auf Schadstoffe, die in hoher Konzentration krebserregend sein können.

 Die Grundschule an den Linden wurde gerade erst saniert. Dabei wurden offenbar Schadstoffe freigesetzt. Nachdem ein Lehrer einen störenden Geruch bemerkt hatte, sperrte die Schulleitung einen Klassenraum.

Die Grundschule an den Linden wurde gerade erst saniert. Dabei wurden offenbar Schadstoffe freigesetzt. Nachdem ein Lehrer einen störenden Geruch bemerkt hatte, sperrte die Schulleitung einen Klassenraum.

Foto: Stade, Klaus-Dieter (kds)

Gerade erst wurde an der Grundschule An den Linden groß gefeiert. Nach zwei Jahren Planungs- und fast drei Jahren Bauzeit präsentierte das Kollegium Mitte Februar nach umfangreichen Neubau- und Sanierungsmaßnahmen seine Schule erstmals der Öffentlichkeit. Jetzt, sieben Wochen später, ist die Stimmung auf einem Tiefpunkt. An der Schule wurden Schadstoffe gefunden.

Nach Ende der Sanierungsphase, Anfang Januar, hatte ein Lehrer über Geruchsbelastungen geklagt. Schulleiter Jens Wilmeroth benachrichtigte sofort die die Stadt Kleve als Schulträgerin. Diese wurde firekt tätig und stellte eine erste Luftmessung an. Weil die Gerüche nicht verschwanden, schaltete die Stadt dann  eine Fachfirma ein. Das Ergebnis des Gutachtens liegt jetzt vor, wie der Technische Beigeordnete der Stadt Kleve, Jürgen Rauer, am Freitag auf Anfrage bestätigte. In dem untersuchten Klassenraum stieß der Gutachter auf einen Parkettkleber, der so genannte Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffverbindungen (PAK) an die Raumluft abgibt, wenn er freigesetzt wird.

Und genau dies ist anscheinend bei den Sanierungsarbeiten geschehen. „Das Parkett wurde abgeschliffen und neu versiegelt, dabei wurde wohl PKA freigesetzt“, sagt der Technische Beigeordnete Jürgen Rauer. Der Gutachter hat, so Rauer, einen Messwert von 18 Milligramm pro Kilo ermittelt. Laut Rauer liegt der Achtungsgrenzwert bei 10 Milligramm pro Kilo, dabei könne es „bei Einzelnen  zu Unwohlsein kommen“. Dann gebe es noch einen zweiten Grenzwert von 30 Milligramm pro Kilo bei dem akute Gesundheitsgefahren  drohen und ein erhöhtes Krebsrisiko bestehe. Bei der in dem Klassenraum festgestellten Konzentration gebe es  keine unmittelbare Gesundheitsgefahr, so Rauer. Obwohl er dazu nicht verpflichtet gewesen wäre, hat Jens Wilmeroth, nachdem er von der Stadtverwaltung über die Ergebnisse des Gutachtens informiert wurde, sofort den Klassenraum  vorsorglich gesperrt, so dass dort kein Unterricht mehr stattfindet.

Das Problem könnte allerdings weit größere Ausmaße annehmen, denn alle Klassen des Altbaus und auch der Pavillon sind laut Rauer mit Parkettboden ausgestattet. In den kommenden Tagen sollen  Nachmessungen in weiteren Räumen durchgeführt werden.

„Der Hausmeister hat die Anweisung bekommen, alle Klassenräume durch zu lüften. Außerdem wird jetzt täglich feucht gewischt“, sagt Rauer. Sobald die Nachmessungen erfolgt sind, will er mit seinem Team beraten, welche weiteren Maßnahmen nötig sind. „Vielleicht werden wir nach und nach alle Klassenräume wieder sanieren müssen“, so Rauer. Und damit könnte es noch lange nicht getan sein. Auch bei den aktuellen Sanierungsmaßnahmen droht das Szenario wie an der Grundschule an den Linden einzutreten. Denn auch an der Montessorischule in der Spyckstraße und am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium wurde vor vielen Jahrzehnten Parkett verbaut und verklebt. „Wir werden darauf ein besonderes Augenmerk haben“, verspricht Rauer.

Doch Priorität hat jetzt die Grundschule an den Linden. Rauer hat den Schulpflegschaftsvorsitzenden Max Knippert über die Lage informiert. Dieser hat die Infos in einem Brief an die Eltern weitergereicht. „Die Situation ist alles andere als beruhigend“, heißt es. Aus diesem Grund wurde eine außerordentliche Schulkonferenz einberufen: Am Dienstag, 9. April, will auch Jürgen Rauer zugegen sein und sich den Fragen von Schul-, Eltern- und Schülervertretern stellen. 

Für Max Knippert steht jetzt bereits fest: „Der alte Parkettkleber muss entfernt werden.“

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