Kleve: Sauberes Wasser und Verfahren

Kleve: Sauberes Wasser und Verfahren

Die Stadtwerke Kleve versorgen auch weiter die Gemeinde Kranenburg mit Wasser. Nachdem die Konzessionsvergabe durch die Klage des Versorgers gestoppt wurde, hat die Grenzgemeinde den Vertrag jetzt um drei Jahre verlängert.

/ Kranenburg In Kranenburg wurde im vergangenen Jahr wochenlang heftig über das Thema Wasserversorgung diskutiert. Der alte Konzessionsvertrag mit den Stadtwerken Kleve war nach 20 Jahren ausgelaufen. Durch ein Ausschreibungsverfahren sollte der Anbieter gefunden werden, der zu den besten Konditionen die Grenzkommune mit dem lebenswichtigen Gut versorgt. Die Stadtwerke Kleve sowie die Energieversorgung Kranenburg (EVK), an der die Gemeinde Kranenburg beteiligt ist, hatten ein Angebot abgegeben. Die EVK sollte nach Ratsbeschluss den Zuschlag erhalten. Der Klever Versorger klagte, da er hier "allgemeine Grundsätze des Vergaberechts" nicht eingehalten sah. Nach einer juristischen Beratung beendete Kranenburg seine Pläne und stampfte die Ausschreibung wohl mangels Erfolgsaussichten vor Gericht ein (wir berichteten).

Stadtwerke-Ingenieur Arnold Lamers im Inneren des Wasserwerks. Foto: Markus van Offern

Mit dem Vergabeverfahren sollte ein Lieferant gewonnen werden, der Kranenburg in den nächsten drei Jahrzehnten mit Wasser versorgt. Zumindest für die nächsten drei Jahre wurde einer gefunden. Die Gemeinde hat schlichtweg den Kontrakt mit den Stadtwerken Kleve um diesen Zeitraum verlängert. Kurz vor Weihnachten wurde der Vertrag unterschrieben, jeweils mit einer sechsmonatigen Kündigungsfrist zum Jahresende. Ob diese Regelung Bestandteil der neuen Vereinbarung ist, wusste Kranenburgs Bürgermeister Günter Steins nicht auf Anhieb. "Da müsste ich nachschauen", sagt er. Grund für die dreijährige Verlängerung ist, wie der Bürgermeister erklärt, dass die Gemeinde in der Zeit ein Vergabeverfahren auf den Weg bringen will, das nicht unter Zeitdruck erstellt wird. Zunächst hatte Steins im April 2017 angekündigt, die Konzessionsvergabe zeitnah wieder auszuschreiben. Das Vorhaben wurde ebenso zeitnah wieder beerdigt, denn: "Würden wir kurze Fristen setzen, hätten etliche Unternehmen keine Möglichkeit, sich etwa um das Thema Transportleitungen zu kümmern", sagt der Rathauschef.

Was den Preis betrifft, so garantiert Kleves Stadtwerkegeschäftsführer Rolf Hoffmann den Kranenburger Bürgern einen mit 1,31 Euro pro Kubikmeter weiterhin niedrigen. "Ich war damals erstaunt, dass die Stadtwerke Goch, deren Preise fast 50 Prozent höher sind als unsere, über eine Tochtergesellschaft (die EVK, Anm. d. Red.) fast auf den Cent das selbe Angebot machen konnte wie wir. Inzwischen war jedoch zu lesen, dass die Kunden tatsächlich mit steigenden Kosten hätten rechnen müssen. Das hatte der Wettbewerber der Gemeinde wohl auch so mitgeteilt", sagt Hoffmann. Für den Stadtwerke-Chef gilt: Nirgendwo gibt es günstigere Preise als vor der Haustür.

Als die Kranenburger sich dazu entschieden hatten, das Verfahren zu beenden, wollte die Geschäftsführung der EVK juristisch dagegen vorgehen. "Darauf haben wir jedoch verzichtet", sagt Carlo Marks, der Geschäftsführer der EVK und der Gocher Stadtwerke ist. Interessiert sei man weiterhin daran, mit der EVK die Wasserversorgung in der Grenzgemeinde zu übernehmen, so Marks. Und dass er drei Jahre auf eine neue Ausschreibung für die Konzessionsvergabe warten muss, davon geht er nicht aus: "Der Vertrag kann jederzeit gekündigt werden."

Was das Thema Preisgestaltung betrifft, so will sich der EVK-Geschäftsführer dazu aktuell nicht äußern: "Wir werden das erst im Verfahren tun. Es ist immer auch die Frage, was die Gemeinde verlangt. Das muss ausgewertet werden und daraus wird ein Paket mit einem bestimmten Preis geschnürt."

Zehn Prozent der EVK gehören zur Gemeinde Kranenburg. Die übrigen Anteile besitzen die Stadtwerke Goch (46 Prozent) und die Stadtwerke Krefeld (44 Prozent). Mit dem Verkauf der wertvollen Flüssigkeit in der Grenzgemeinde verdienen die Klever durchschnittlich etwa 65.000 Euro pro Jahr. Hätte die EVK den Zuschlag erhalten, wären somit auch nur zehn Prozent eines möglichen Gewinns für die Kommune übrig geblieben. Aber ums Geld gehe es hier nicht, wie Steins betont. "Gewinn ist nicht das Thema. Wichtig ist uns ein sicheres Wassernetz", sagt der Bürgermeister. In diesem Punkt dürfte er jetzt einige Sorgen weniger haben. Denn zwischen Mehr und Niel sowie in Wyler sind Investitionen in das Leitungsnetz, die von dem Klever Unternehmen derzeit getätigt werden, zu sehen. Rolf Hoffmann sagt: "Bei Einnahmen von 700.000 Euro haben wir 2017 etwa eine Million Euro investiert, um Schäden zu beheben und das Netz zu verbessern. Auch in diesem Jahr werden wir den Ausbau fortsetzen."

Unter anderem wird im kommenden Monat mit einem zweiten Bauabschnitt in Wyler begonnen. Aus diesem Grund muss ab etwa Mitte März der Grenzübergang in dem Ortsteil für mehrere Wochen geschlossen werden.

Noch im Vergabeverfahren hatte Bürgermeister Steins angemerkt, ein nicht unerheblicher Teil des Wassernetzes in der Gemeinde sei problembehaftet. Was Hoffmann stets vehement bestritten hatte. Durch die Arbeiten des Klever Versorgers ist der Behördenleiter erleichtert: "Ich freue mich sehr darüber, dass hier investiert wird, das ist doch positiv." So hat das abgebrochene Vergabeverfahren doch einen guten Ausgang für Kranenburg. Das kostbare Gut gibt es zu einem günstigen Preis und sanierte Transportleitungen noch dazu.

(jan)