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Kreis Kleve: Ryanair fürchtet "EU-Feldzug"

Kreis Kleve : Ryanair fürchtet "EU-Feldzug"

Mit drastischen Worten greift Michael O'Leary, Chef der irischen Billigflieger, die EU-Kommission an. Am Mittwoch nannte er die Politiker bei einem Kurz-Stopp in Weeze "Kommunisten" und verglich Brüssel mit Nordkorea.

Henrike Schmidt war gestern kaum um ihren Job zu beneiden. Die Pressesprecherin von Ryanair kämpfte sich mit einem tapferen Lächeln durch die Aufgabe, die englischen Sätze ihres Chefs Michael O'Leary in zitierfähige Phrasen zu übersetzen — und sei es durch Auslassung ganzer Passagen.

Das war insbesondere dann der Fall, wenn O'Leary über die EU-Kommission in Brüssel sprach. Keine Gelegenheit ließ der Ryanair-Chef dabei aus, um gegen Brüssel zu ätzen. Dort sitze "ein Haufen nordkoreanischer Kommunisten", und einige Regeln stammten aus dem "stalinistischen Russland", wetterte der Ire. Seine Pressesprecherin verzichtete in der Übersetzung sowohl auf die Nordkorea- als auch die Kommunisten-Vergleiche und begnügte sich darzulegen, dass Ryanair unzufrieden mit der aktuellen Brüsseler Politik ist.

Eine Stunde lang war O'Leary gestern in Weeze. Zuvor war er in Frankfurt-Hahn, anschließend ging es weiter nach Lübeck. Seine Mission: Stimmung machen gegen die EU-Kommission, und insbesondere gegen die derzeitigen Prüfverfahren gegen mehrere europäische Flughäfen. Die EU-Kommission ermittelt, ob Flughäfen rechtswidrig staatliche Beihilfen erhalten haben und diese genutzt haben, um Ryanair kostengünstige Angebote zu machen. Insgesamt stehen 18 Flughäfen auf dem Prüfstand, darunter auch der in Weeze.

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Ryanair wittert eine Kampagne und nennt die Untersuchungen einen "Feldzug gegen Low-Cost-Flughäfen". Die Verträge seiner Gesellschaft mit den Flughäfen entsprächen, sagt O'Leary, den Wettbewerbsvorschriften der EU. Dabei sieht der Ire den Europäischen Gerichtshof hinter sich. Der hatte 2008 geurteilt, dass ein "Wachstumsvertrag" zwischen Ryanair und dem Flughafen Charleroi (Brüssel) nichts mit illegaler Beihilfe zu tun hatte. "Und so wird es auch in Weeze sein", ist sich O'Leary sicher.

Sollte es aber anders kommen, sieht O'Learys Prognose für die Zukunft düster aus: höhere Kosten für Fluggesellschaften und Passagiere, steigende Flugkosten und schließlich "verheerende Streckenstreichungen" und Arbeitsplatzverluste in der Region. Und er machte unverhohlen klar: "Ryanair wird trotzdem weiter wachsen, dann an einem anderen Ort."

Flughafen-Chef Ludger van Bebber machte seinem Unmut ebenfalls Luft: "Wie soll es Wettbewerb geben, wenn es keine unterschiedlichen Preise gibt?", fragte er. Immerhin habe ein privater Investor den Flughafen aufgebaut, "und jetzt streiten wir wegen der Zinsen auf ein Darlehen", sagte er.

Brüssel solle Weeze in Ruhe lassen, forderte O'Leary schließlich, und schmetterte den "Kommunisten in der EU-Kommission" noch eine "Nettigkeit" entgegen — Henrike Schmidt verzichtete erneut darauf, zu übersetzen.

(RP)