Rübenbauern protestieren in der Zuckerrübenfabrik von Pfeifer & Langen in Appeldorn

Demonstration : Rübenbauern protestieren in Appeldorn

Der Unmut der Anbauer richtet sich gegen einen in ihren Augen verzerrten Wettbewerb. Auch Wirtschaftsförderer Bruno Ketteler aus Kalkar kam zur Zückerrübenfabrik von Pfeifer & Langen. Er zeigte sich besorgt um den Standort.

Die heimischen Zuckerrübenanbauer sehen sich vor einer ungewissen Zukunft. Und auch beim Zuckerhersteller Pfeifer & Langen ist man besorgt. Am Mittwoch  kam es zu einer gemeinsamem Protestaktion im Appeldorner Werk von rund 120 Rübenanbauern aus der Region und der Belegschaft der Zuckerrübenfabrik. Gemeinsam demonstrierten sie gegen die aus ihrer Sicht ungleichen Wettbewerbsbedingungen für den Rübenanbau in der Europäischen Union.

Der Hintergrund: Rübenanbauer und -verarbeiter beklagen agrarpolitisch verursachte Wettbewerbsnachteile für die heimische Landwirtschaft und Industrie. Diese Nachteile haben, so der Vorsitzende des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes (RRV), Bernhard Conzen, eine existenzbedrohende Größenordnung. Noch nie waren die Produktionsbedingungen innerhalb der Europäischen Union so uneinheitlich wie derzeit, so Conzen weiter. Beihilfen für den Anbau von Zuckerrüben in elf von 19 EU-Staaten und große Unterschiede bei Pflanzenschutzmittelzulassungen benachteiligten deutsche und damit rheinische Zuckerrübenanbauer massiv. So erhielten heimische Rübenanbauer  keine gekoppelten Rübenbeihilfen.

Zudem dürften die seitens der EU verbotenen Neonicotinoid-haltigen Rübenbeizen zur Bekämpfung virusübertragender Blattläuse per Notfallverordnung in mittlerweile 13 von 19 EU-Staaten weiter eingesetzt werden, so Conzen. In Deutschland lehnt das Bundeslandwirtschaftsministerium dies bisher strikt ab, obwohl, so Conzen,  die genannten Beizen im Zuckerrübenanbau nicht gleichwertig ersetzbar seien und der Verzicht mit Ertragsverlusten und Einkommenseinbußen verbunden sei. Rüben blühen zudem im Anbaujahr nicht und werden deswegen nicht von Bienen angeflogen.

Florian Oymanns aus Geldern ist einer von rund 4000 Rübenanbauern im Rheinland. Er sieht einen wirtschaftlichen Nachteil der heimischen Landwirte von 500 Euro pro Hektar gegenüber Kollegen aus dem Ausland. Oymanns fordert: „Gekoppelte Rübenhilfen und Pflanzenschutzmittelzulassungen müssen EU-weit einheitlich geregelt sein.

Kalkars Wirtschaftsförderer Bruno Ketteler zeigte sich am Mittwoch besorgt um die Arbeitsplätze im Appeldorner Werk. Auch Hermann Schmitz, Leiter der Abteilung Landwirtschaft bei Pfeifer & Langen war aus Köln nach Appeldorn gereist, um  sich an den Protesten zu beteiligen. „Wir fürchten um den Rübenanbau im Rheinland“, sagt er. Und er betont: „Ohne Rübe keine Fabrik.“ Wenngleich er damit keine Diskussion um eine mögliche Schließung des Standortes Appeldorn eröffnen möchte, dürften die 105 Mitarbeiter des Appeldorner Werks das mit Besorgnis vernehmen. Und die heimischen Rübenanbauer ebenso. Mit 1300 Landwirten hatte Pfeifer & Langen in der letzten Saison Lieferverträge abgeschlossen. Die durchschnittliche Entfernung beträgt 42 Kilometer. Die meisten Rüben kommen aus der Region Kleve/Geldern/ Wesel.

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