Riswicker Schaftag: Landwirtschaftskammer informiert über Zaunbau im Wolfsgebiet

Wolfsgebiet Schermbeck: Elektrozäune sollen Wölfe vertreiben

Die Landwirtschaftskammer NRW hat auf Haus Riswick Tierhalter über Schutzmaßnahmen gegen Wölfe informiert. Für große Herden kommen neben Zäunen auch Hunde infrage. Beides wird subventioniert.

180 Jahre lang galt der Wolf in Nordrhein-Westfalen als ausgerottet. Im vergangenen Jahr ist er zurückgekehrt. Eine Wölfin hat sich im Gebiet rund um Schermbeck (Kreis Wesel) niedergelassen. 13 Angriffe auf Nutztierherden mit teils mehreren Rissen ordnete das Landesumweltamt der Wölfin mit der Kennung „GW954f“ seitdem zu.

Im Oktober erklärte die Landesregierung deswegen eine knapp 1000 Quadratmeter große Zone rund um Schermbeck offiziell zum Wolfsgebiet. Ende 2018 wies das Land eine zusätzliche, 2800 Quadratmeter große „Pufferzone“ rund um das Wolfsgebiet aus. Darin liegen auch die Städte Emmerich, Geldern, Goch, Kalkar, Kevelaer, Kleve, Rees, Straelen und die Gemeinden Bedburg-Hau, Issum, Kerken, Kranenburg, Rheurdt, Uedem, Wachtendonk und Weeze. Welche Ansprüche Tierhalter dadurch im Falle eines Wolfsrisses haben und welche Schutzmaßnahmen es gibt, darüber informierte die Landwirtschaftskammer NRW am Samstag im Haus Riswick. Gut 80 Teilnehmer kamen.

„Das Tier hat einige Tiere im Weseler Raum gerissen. Dann wurde der Kreis Kleve zur Pufferzone erklärt. Das hat hier einige Unsicherheiten verursacht“, sagte Hans-Josef Geurtz, Vorsitzender des Kreisvereins der Schafzüchter und -halter. Man sei froh, so der Kreisvorsitzende, dass sich das Land NRW nun des Themas angenommen habe.

Maike Fritz von der Bezirksregierung erklärte, der Wolf sei eine durch deutsches und EU-Recht streng geschützte Art und könne daher nicht abgeschossen werden. Die Förderrichtlinien des Landes sehen daher Ausgleichszahlungen – so genannte „Billigkeitsleistungen“ – für Tierhalter vor, denen Schäden durch Wolfsrisse entstanden sind. „Betroffene erhalten Entschädigungen in Höhe des Marktwertes der gerissenen Tiere“, so Fritz. Wichtig sei, dass sich der Tierhalter nach einem Riss innerhalb von 24 Stunden beim Landesumweltamt (Lanuv) melde, um Billigkeitsleistungen zu beantragen. Das Amt nimmt dann DNA-Spuren am Fundort, „damit überprüft werden kann, ob ein Wolf der Verursacher ist“, so Fritz. Die DNA-Proben dienen weiterhin dazu, Risse einem bestimmten Wolf zuzuordnen, etwa dem Tier „GW954f“.

Neben Billigkeitsleistungen können Tierhalter in Wolfsgebiet und Pufferzone auch Fördermittel für Schutzmaßnahmen beantragen. Geeignete Maßnahme seien stromführende Zäune – stationär oder transportabel – die das Raubtier von der Herde fernhalten, so Maike Fritz. Ab einer Herdengröße von 100 Tieren würden unter bestimmten Voraussetzungen zudem Herdenschutzhunde finanziert. „Förderungen sind derzeit für Schafe, Ziegen und Gehegewild möglich“, erklärte die Mitarbeiterin der Bezirksregierung. Die Obergrenze liegt bei 15.000 Euro für drei Steuerjahre. 80 Prozent der Kosten für Präventionsmaßnahmen übernimmt das Land, in Kürze soll der Satz auf 100 Prozent erhöht werden. „Die geänderte Richtlinie liegt dem Finanzministerium und dem Landesrechnungshof vor“, so Fritz. Rund 50 Anträge auf Förderung von Präventionsmaßnahmen werden derzeit vom Amt bearbeitet. „Wir rechnen mit mehr Anträgen, sobald die Förderung auf 100 Prozent angehoben wurde.“

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