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Rheinufer in Kleve für Besucher gesperrt

Naturschutz vs. Freizeitspaß : Schwieriger Weg zum Rheinstrand

Wild-Camper aus dem Ruhrgebiet sorgen am Rheinufer bei Salmorth für Ärger. Als Angler getarnt, stören sie die empfindliche Flora und Fauna. Bezirksregierung prüft, einen kleinen Bereich des Ufers freizugeben.

„Warum ist es am Rhein so schön?“ heißt es in einem alten deutschen Volkslied. Weil Verbote dafür sorgen, dass die Wege zum Ufer nicht betreten werden dürfen und die Natur so erhalten bleibt, könnte die Antwort lauten. Das gefällt jedoch nicht jedem. Seit Jahren gibt es eine Diskussion darüber, ob es den Klevern nicht doch erlaubt werden sollte, an „ihren“ Rhein rund um Salmorth zu gelangen. Jetzt kommt langsam Bewegung in die Sache.

So ist die Situation derzeit: Ab den ADM Ölmühlen/Ölwerke Spyck rheinabwärts in Richtung Landesgrenze sind die Zuwege zum Rheinufer größtenteils gesperrt. Das gesamte Areal zwischen Rhein und Altrhein ist Natur-, FFH- und Vogelschutzgebiet. Ausnahmen gibt es nur für Angler, die einen Angelschein für dieses Gebiet erworben haben.

Genau hier fangen die Schwierigkeiten auch schon an. „Wir haben massive Probleme mit einer Nutzung des Rheinufers, die weit über das für die Natur verträgliche Maß hinaus geht“, sagt Ulrich Werneke, Geschäftsführer des Naturschutzzentrums des Kreises Kleve. Gemeint sind nicht unbedingt Klever, die einen schönen Sommertag für einen Ausflug an den Rhein nutzen. „Wir treffen regelmäßig Camper an, die von weit her kommen, meist aus dem Ruhrgebiet“, sagt Werneke. „Sie stellen eine Angel auf, die aber nur als Alibi dient. In Wahrheit geht es ihnen darum, mitten im Schutzgebiet mit ihren Großfamilien tagelang zu zelten“, so der Naturschützer.

Diese Wild-Camper und Ausflügler, die mit ihren Autos möglichst dicht ans Rheinufer fahren möchten, machen anderen ihren Freizeitspaß kaputt. „Wenn jemand mit dem Fahrrad anreist, sich ruhig verhält und seinen Müll wieder mit nimmt, haben wir damit weniger ein Problem“. sagt Werneke. „Aber so ist die Realität nicht. Stattdessen reden wir von Zelten, Lagerfeuer, Autofahrten bis in den letzten Winkel des Naturschutzgebietes!“

Auch bei der Stadt Kleve ist man für das Thema sensibilisiert. „Die Möglichkeit eines Zugangs zum Wasser ist seitens der Stadt Kleve wünschenswert, jedoch nach derzeitigem Stand nicht möglich“, sagt Stadt-Sprecher Jörg Boltersdorf. Das Problem seien vor allem rücksichtslose Autofahrer. „Der zurzeit vorhandene Parkplatz ist lediglich für den Angelsportverein freigegeben, wird jedoch zunehmend von jedermann genutzt. Des Weiteren sind durch ,wildes Parken’ oftmals die Wege für die Landwirte versperrt“, so der Stadt-Sprecher weiter. Auch Rettungswagen hätten es im Ernstfall oft schwer, zu den Gehöften zu kommen.

Sowohl seitens des Naturschutzzentrums als auch seitens der Stadt Kleve gibt es Anstrengungen, die Situation zu verbessern. „Derzeit gibt es Überlegungen, die beiden vorhandenen Parkplätze zu entfernen und im Bereich des Klärwerks Parkplätze in größerer Anzahl zu errichten. Hierzu sind jedoch noch Gespräche mit der Bezirksregierung erforderlich“, erläutert Boltersdorf. Das Naturschutzzentrum hat bereits im Herbst 2017 einen Antrag an die Bezirksregierung Düsseldorf gestellt, einen kleinen Uferbereich nahe der Ölwerke Spyck und die entsprechenden Zuwege für Besucher freizugeben. „Damit sind wir leider noch nicht weiter. Wir sind noch in Gesprächen mit Kreis und Stadt“, sagt Werneke. Das Thema sei sehr kompliziert. „Das reicht bis nach Brüssel“, so der Naturschützer.