Niederrhein: Rembrandts "Nachtwache" in Sand

Niederrhein : Rembrandts "Nachtwache" in Sand

Im niederländischen Garderen zeigt bis zum Herbst der "Beeldentuin" Sandskulpturen, die Bildern Alter Meister nachempfunden sind. Ausflugsziel für jedes Wetter, denn ein Großteil der Objekte ist in Räumen untergebracht.

/ niederlande Bei "Veluwe", erst recht "Hoge Veluwe" denken Kenner der Region an das waldreiche Naturschutzgebiet nördlich von Arnheim. Außer Bäumen und Heide ist das Gelände vor allem durch Sand geprägt. Sand, der sich ebenso wie im Fall der Maasdünen, die ganz nahe an den Kreis Kleve heran reichen, einst von den großen Flüssen in die Landschaft schieben ließ. Man braucht also keinesfalls bis an die Nordsee zu reisen, um reichlich Sand zu sehen. Und dass sich mit diesem Bodenschatz eine Menge anfangen lässt - keinesfalls nur in der Bauindustrie - zeigen während der Sommermonate einige Sandskulpturen-Festivals. Vom Niederrhein aus gut erreichbar und ganz besonders sehenswert: das in Garderen, das zur Veluwe zählt.

Ein Selbstporträt Rembrandts, umgesetzt in Sand. Vieles, das man im Original aus Museen kennt, ist derzeit in Garderen zu sehen. Foto: Anja Settnik

Mit ambitioniertem Sandburgenbau kreativer Kinder und fleißiger Väter am Strand hat dieses Schaffen wenig gemein. "Europas schönster Sandskulpturenpark" nennen die Inhaber des "Beeldentuin" ihr Projekt. Teils überdacht, teils draußen und sogar mit einer kleinen Schwebebahn für den Nachwuchs ausgestattet ist eine Fahrt zum Sandskulpturen-Fest ein lohnender Tagesausflug. "Holländische Meister des Goldenen Zeitalters" ist diesmal das Thema - Rembrandt und Vermeer lassen grüßen.

Wem ein klassisches Kunstmuseum zu anstrengend ist, der könnte die Ausstellung in Ganderen besonders genießen. Die Akteure dort sind Kopisten im besten Sinne, sehen sich weniger als Künstler, sondern vielmehr als ambitionierte Kunsthandwerker. Wobei jeder Laie die dreidimensionale Übertragung weltberühmter Motive höchst kunstvoll finden wird. Um zu zeigen, wie nahe manche Darstellung am Original ist, sind Drucke vieler Vorlagen neben die Umsetzung gehängt. Während der Arbeit haben die Schöpfer der Szenen Tablets umhängen, die die Vorlagen im Original zeigen.

Das Mauritshuis in Den Haag oder das Rijksmuseum in Amsterdam sollten Kunstfreunde sicher bei Gelegenheit mal besuchen. Aber bis es so weit ist, ermöglicht auch ein Trip in die Veluwe, seine Kenntnis niederländsicher Alter Meister zu vertiefen. "Die Milchmagd", 1660 von Jan Vermeer geschaffen, wurde (wie Luther oder Goethe) schon von Playmobil zur Spielfigur fürs Kinderzimmer geformt, weit beeindruckender ist aber die Gestaltung in Sand. Nicht ganz so haltbar zwar, aber viel detaillierter und ausdrucksstärker. Dank eines speziellen Klebers, der in den Sand gemischt wird, halten die Objekte einige Monate lang. Etwa einmal pro Woche werden kleine Schäden ausgebessert, Starkregen kann zum Problem werden. Bis Ende Oktober jedenfalls werden die Kunstwerke in vorzeigbarem Zustand gehalten. Dann kommt der Bagger und reißt sie ein. Der Sand wird weiterverarbeitet, versichert Adri van Ee.

Van Ee ist der Eigentümer des "Beeldentuin" ("Figurengarten"), hervorgegangen aus einem Deko-Center für Haus und Garten. Bereits im elften Jahr präsentiert er unter jeweils einem anderen Motto berühmte Kunstwerke in Sand. Von Rembrandt sind es diesmal die berühmet "Nachtwache", aber auch "Die Anatomie des Dr. Tulp" und weitere berühmte Werke. Jede Falte an den Ärmelaufschlägen der Schützen, die Nadel des Wundarztes, die geschwungenen Augenbrauen im Selbstporträt als Apostel Paulus - alles aus Sand. Mit Spachtel, Pinsel und Tuch wurde geformt, gewischt, moduliert, bis jede Einzelheit lebensecht wirkte.

Wer gerne rätselt, ist aufgefordert, sich die Werke im Inneren des früheren Bauerngehöfts noch unter einem anderen Aspekt anzusehen: 40 Skulpturen zeigen Gesellschaftsspiele, die zu erraten sind. Schöne Preise sind zu gewinnen. Ebenfalls mehr als einen flüchtigen Blick wert sind die 3-D-Gebilde alter Handwerke: Die Arbeit von Weberinnen, Tischlern, Papierschöpfern und Töpfern ist lebensgroß dargestellt. In jedem Gesicht, an jeder gefurchten Hand der Figuren ist die harte Arbeit jener Zeit abzulesen. Wäre da nicht die feuchte Luft, die riecht wie der Nordseestrand nach einem warmen Sommer-Platzregen, man könnte fast vergessen, welcher Werkstoff hier verarbeitet wurde.

Die Künstler stammen laut Adri van Ee zur Hälfte aus Ost- und Südeuropa, Russland und Amerika, die andere Hälfte sind Niederländer. Das Geld, das sie bekommen, muss der Betreiber über Eintrittsgelder und Sponsoren reinholen. 9,50 Euro pro Erwachsener, Kinder zwischen fünf und 12 Jahren zahlen 4,50 Euro, Parken ist kostenlos. Gastronomie und Andenken gibt's auch. Geöffnet ist das Sandfestival montags bis samstags von 10-17 Uhr, sonntags ruhen sich die Betreiber aus. Schließlich begrüßen sie während der Saison bis zu 20 000 Gäste.

(RP)
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