Niederrhein Rekord-Rübenernte erwartet

Kalkar · Bis Ende Januar werden in der Zuckerfabrik von Pfeifer & Langen in Appeldorn bis zu eine Millionen Tonnen Rüben verarbeitet. Insgesamt 1450 Landwirte liefern ab heute die Feldfrüchte täglich mit 500 Lkw an – und das ohne Staus.

 Ab heute rauchen die Schornsteine in der Appeldorner Zuckerfabrik wieder. Die Rüben-Experten rechnen damit, dass die Kampagne rund 130 Tage dauert. Das gab es noch nie.

Ab heute rauchen die Schornsteine in der Appeldorner Zuckerfabrik wieder. Die Rüben-Experten rechnen damit, dass die Kampagne rund 130 Tage dauert. Das gab es noch nie.

Foto: Gottfried Evers

Bis Ende Januar werden in der Zuckerfabrik von Pfeifer & Langen in Appeldorn bis zu eine Millionen Tonnen Rüben verarbeitet. Insgesamt 1450 Landwirte liefern ab heute die Feldfrüchte täglich mit 500 Lkw an — und das ohne Staus.

 Tim Wischmann (l.), Leiter Abteilung Landwirtschaft, Jürgen Pintzke (M.), Leiter kaufmännische Abteilung, und Dirk Blechner, Leiter Produktion.

Tim Wischmann (l.), Leiter Abteilung Landwirtschaft, Jürgen Pintzke (M.), Leiter kaufmännische Abteilung, und Dirk Blechner, Leiter Produktion.

Foto: Evers

Für die Appeldorner Zuckerfabrik ist 2011 ein Rekordjahr: Noch nie wurden solche Mengen an Rüben erwartet, noch nie wurde die Rübenkampagne mit mindestens 130 Tagen veranschlagt. Dirk Blechner, Leiter der Produktion, nennt zwei wesentliche Gründe: "In unserem Einzugsgebiet gab es eine sehr große Nachfrage nach Rübenanbaumöglichkeiten; auch einige ,Neueinsteiger' haben die Chance ergriffen, in den Rübenanbau einzusteigen. Hinzu kommen die fast idealen Wachstumsbedingungen in diesem Jahr."

Nach dem nass-kalten Winter folgte ein trockenes Frühjahr mit sehr guten Aussaatbedingungen. Durch die andauernde Trockenphase wurzelten die Rüben tief, um an Wasser zu kommen, und entwickelten einen guten Körper. "Es ist nicht unwahrscheinlich, dass wir hier in Appeldorn zum ersten Mal die Eine-Million-Tonnen-Marke überschreiten", sagt Blechner. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden in Appeldorn 860 000 Tonnen Rüben verarbeitet, im Rekordjahr 2009 waren es 927 000 Tonnen.

Für die Landwirte am Niederrhein ist der Rübenanbau offenbar eine sichere Investition. "Der Landwirt weiß, was er bekommt, wenn er Rüben anbaut", bestätigt Tim Wischmann, Leiter der Abteilung Landwirtschaft. Für 2011 wurde der Rübenanbau in der Region um 23 Prozent ausgedehnt.

Schlange bis München

Ab heute liefern die insgesamt 1450 Landwirte aus einer mittleren Entfernung von 46 Kilometern an. Rund 500 Rübentransporter erreichen bis Ende Januar jeden Tag das Werk. Hinzu kommen noch 150 Lkw, die den Zucker ausliefern oder Pressschnitzel abholen. Alle Lkw aneinandergereiht ergäbe das eine Schlange von Appeldorn bis München. Staus werden trotzdem nicht erwartet, denn jedem Landwirt wird eine Anlieferzeit zugewiesen.

Gearbeitet wird rund um die Uhr, nur am Sonntag sind die Werkstore geschlossen. 85 Stammmitarbeiter, sieben Auszubildende und 30 Kampagnenmitarbeiter sorgen für einen reibungslosen Betrieb. Die angelieferten Rüben werden sofort verarbeitet. "Vor Jahren haben sich hier riesige Rübenberge aufgetürmt. 100 000 Tonnen Rüben stapelten sich bis zu 9,50 Meter hoch. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Heute wird just in time angeliefert", betont Jürgen Pintzke, Leiter der kaufmännischen Abteilung.

Große technische Neuerungen hat es im Appeldorner Werk seit 2010 nicht mehr gegeben. "Mit den abgeschlossenen Maßnahmen im Kalenderjahr 2010 ist der technische Soll-Zustand in der Zuckerfabrik erreicht", sagt Blechner. So wurden die Turbinenregelung auf Elektronik umgerüstet, das Dach der Pellethalle saniert und die Rheinleitung saniert. Auch in absehbarer Zukunft wird es vornehmlich um die Modernisierung und den Erhalt der Appeldorner Zuckerfabrik gehen. Und um die Jagd nach weiteren Rekorden.

(RP/rl/jul)
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