Kleve-Materborn: Reitschule sucht neues Zuhause

Kleve-Materborn: Reitschule sucht neues Zuhause

Die Reitlehrerinnen Colette Pannemans und Angelique de Groot können den Betrieb am Clusehof nicht weiterführen. Der Hofbesitzer wünscht sich mehr Ruhe, doch die Reitschule will wachsen.

Die Reitlehrerinnen Colette Pannemans und Angelique de Groot können den Betrieb am Clusehof nicht weiterführen. Sie suchen jetzt nach einer Alternative.

Mit jedem Tag läuft Colette Pannemans die Zeit davon. Seit Februar weiß sie, dass es mit ihrer Reitschule auf dem Cluse-Hof in Materborn nicht weitergeht. Eineinhalb Jahre hat die Mensch-Tier-Therapeutin dort gearbeitet. Mit ihren zehn Pferden hat sie 80 Reitschüler unterrichtet - fast die Hälfte der Kinder kommt aus dem SOS-Kinderdorf.

Doch Ende April läuft der Pachtvertrag aus, den die gebürtige Niederländerin mit Hofbesitzer Georg Cluse geschlossen hatte. Bis dahin will sie für ihre Tiere und die Reitschüler ein neues Zuhause finden - idealerweise in der Umgebung, damit auch die Schüler aus dem Kinderdorf weiterhin Reitstunden nehmen können. "Die anderen Kinder finden vermutlich auch so einen neuen Stall", sagt Pannemans. "Aber für die aus dem Kinderdorf wird es schwierig."

Darum sucht Pannemans zusammen mit ihrer Kollegin Angelique de Groot einen leerstehenden Hof. "Wir bräuchten eine Reithalle von minimal 20 mal 30 Metern Größe und eine angrenzende Wiese", schreibt Pannemans in einem öffentlichen Hilferuf, den sie unter Bekannten und im Internet verbreitet hat. "Traumhaft wären noch Stallungen für die Pferde und die Nähe zum Wald für Ausritte."

Ein Reitstall wäre zwar ideal - dort hätten die Lehrerinnen bereits die Ausstattung für ihre Arbeit. Ein alter Bauernhof würde es aber auch tun. Und auch mit dem Ort sei sie flexibel. Zur Not wolle Pannemans einen Transporter für die Schüler aus dem SOS-Kinderdorf organisieren.

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Dass die Reitlehrerinnen den Pachtvertrag gekündigt haben, hat praktische Gründe: "Zum einen möchte Herr Cluse mehr Ruhe auf dem Hof haben und das kann ich gut verstehen", sagt Pannemans. "Doch leider passt das nicht mit meinen Plänen zusammen."

Zum anderen sei es das Geld. Mit dem bisherigen Betrieb habe sie ein Nullgeschäft betrieben. "Ich habe so kalkuliert, dass ich die ersten ein bis zwei Jahre nicht an der Reitschule verdiene", sagt Pannemans. "Da ich nicht die Chance habe, die Reitschule zu vergrößern, musste ich den Vertrag kündigen."

Denn eigentlich möchte Colette Pannemans ihre Reitschule ausbauen, gerne um einen Streichelzoo erweitern. "Mein Traum ist es, eine Art Tagesstätte für Kinder und ehrenamtlich helfende Rentner zu schaffen", sagt sie. "Ich gebe sehr gerne Reitstunden, aber das alleine reicht mir nicht." Die Therapeutin will vielmehr Menschen und Tiere zusammenbringen und sich vor allem auf Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen, mit Behinderungen oder anderen Problemen wie Aufmerksamkeitsstörungen konzentrieren.

Es scheint aber Hoffnung für die Reitschule zu geben. Vor allem auf Facebook habe Colette Pannemans unzählige Rückmeldungen und Tipps bekommen. "Ich war von der Hilfe ganz überwältigt", sagt sie. Derzeit sei die Mensch-Tier-Therapeutin konkret mit zwei Ställen im Gespräch. Doch auch dort steht für sie im Mittelpunkt, dass sie mit ihrer Reitschule wachsen und vielleicht eines Tages davon leben kann. Ansonsten, sagt Pannemans, müsse sie einen Nebenjob annehmen und könne die Reitschule nur noch als Hobby betreiben.

(veke)