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Kleve/Plauen: Rathaus in Sachsen - von Kleve geklaut?

Kleve/Plauen : Rathaus in Sachsen - von Kleve geklaut?

Aufregung im Ratssaal von Plauen: Ist der dort vorgestellte Neubau des Rathauses von Plänen aus Kleve abgekupfert? Die kommen immerhin von RKW, den Planern der Minoritenplatz-Bebauung. Die Architekten beider Seiten winken ab.

Bisher hatten Kleve und das sächsische Plauen nicht sonderlich viel gemeinsam. Die größte Stadt des Vogtlandes, Luftlinie 443 Kilometer von Kleve entfernt, ist mit rund 65 000 Einwohnern auch Kreisstadt und plant derzeit wie Kleve ein neues Rathaus — damit hören die Ähnlichkeiten auch schon auf, könnte man meinen. Jetzt aber kam im Plauener Ratssaal ein ungeheuerlicher Verdacht auf. Wie die "Freie Presse" berichtet, stieß der dortige SPD-Fraktionsvorsitzende Rainer Maria Kett im Internet per Zufall auf Entwürfe des vom Kölner Architektenbüro Astoc für den Klever Unternehmer Tönnissen geplanten Klever Rathauses und war, gelinde gesagt, überrascht. "Ich dachte zuerst: Das gibt's doch gar nicht", wird Kett aus der Sitzung vom vergangenen Mittwoch zitiert. Für ihn lägen die Ähnlichkeiten auf der Hand. Dass die beiden Häuser sich so ähnlich seien, sei ein "architektonisches No-Go", hat Kett laut "Freier Presse" geurteilt. Es könne nicht sein, dass in zwei Städten das gleiche Rathaus stünde, so der Sozialdemokrat weiter. Der CDU-Fraktionschef von Plauen, Hansjoachim Weiß, räumte ein, dass der Entwurf aus Plauen der Ansicht der Stadt Kleve sehr ähnele.

 Die Entwürfe des Plauener Rathauses von den RKW-Architekten. Die Äh
Die Entwürfe des Plauener Rathauses von den RKW-Architekten. Die Äh Foto: RKW

Das Pikante: Die Planer des Rathauses in Plauen sind auch in Kleve alte Bekannte. Es handelt sich um das Leipziger Büro der Architekten von RKW. Eben jene Architekten, deren Düsseldorfer Büro den Sontowski-Bau auf dem Minoritenplatz entworfen hat. Lukas Hampl vom Düsseldorfer RKW-Büro sieht die Ähnlichkeit aber gelassen. "Die Entwürfe entstehen auch aus einem gewissen Zeitgeist heraus. Da gibt es bereits so viele Verschiedene von", sagt er. Geplant worden seien die Gebäude darüber hinaus von zwei unterschiedlichen Büros. "Und die arbeiten derart eigenständig, dass es gut sein kann, dass sie die anderen Entwürfe gar nicht kennen", sagt Hampl. RKW beschäftigt zwischen 250 und 300 Mitarbeiter, unter anderem mit Büros in München, Warschau und Moskau.

Auch die Planer des Klever Rathauses, Astoc, winken ab. "Es ist ganz deutlich, dass das alte, historische Plauener Rathaus, ohne Glaskasten, Vorgabe und Maßstab für den davor gesetzten Neubau ist. Geschossigkeit, Dachform, abgesetztes Erdgeschoss, Fenster, all das wurde von RKW in moderne Architektur übernommen", sagt Astoc-Gesellschafter Prof. Dipl.-Ing. Oliver Hall. "Lochfassade und geteilte, hohe Fenster haben nun wirklich keinen Urheberschutz", so Hall.

Hall kennt Kleve bestens — hat er doch zusammen mit Ader und Kleemann die Gewinner-Variante C für die Unterstadt entworfen. Im Gegensatz zum Klever Rathaus hat das in Plauen deutlich erkennbare Sockelgeschoss eine überhöhte Eingangsetage. Zudem hält sich der Entwurf für Kleve eng an die vom alten Krankenhaus vorgegebene Gebäudeform. Da ist es vor allem der "Kopfbau", der auf den ersten Blick eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Plauener Haus hat. Nimmt man die volle Ansicht des Rathauses, schwinden die Gemeinsamkeiten.

Falls sich die Politik erbarmen sollte und dem Klever Bau einen robusten Kliniker anstatt der vor allem bei Wärmedämm-Fassaden anfälligen Putzfront verpassen sollte, haben beide Städte ihr eigenes, typisches Rathaus. In Kleve sogar den bei der Bürgerbefragung von Zweidrittel der abgegebenen Bürgerstimmen gewünschten Standort.

(lukra)