Kleve: Rasen durchs Reiterdorf

Kleve : Rasen durchs Reiterdorf

Frasselter Bürger diskutieren am runden Tisch mit der Verwaltung über Verkehrsberuhigung. Verdeckte Messungen machten deutlich, fast 50 Prozent der Autofahrer waren zu schnell unterwegs.

kranenburg-FRASSELT "Das Grundübel ist die zunehmende Rücksichtslosigkeit", erklärte Bürgermeister Günter Steins im Rahmen des runden Tisches, zu dem er mit Ordnungsamtsleiter Willi Fleskes eingeladen worden war. Allerdings bezog Steins diese Feststellung nicht alleine auf die Ortschaft Frasselt, sondern nannte hierbei das gesamte Gemeindegebiet. Schwerpunkt der Zusammenkunft, zu der knapp 50 Bürger auf Einladung von Ortsvorsteher Johannes Voss in die Gaststätte "On de Kerk" gekommen waren, war die Verkehrsberuhigung im Reiterdorf. So legte Steins gleich zu Beginn des Gesprächs der Versammlung die Auswertung sogenannter "verdeckte Messungen" vor, die Mitte des Jahres an zwei verschiedenen Stellen in der Ortschaft, einmal aus Richtung Kranenburg zur B 504 und umgekehrt, durchgeführt worden waren. Und zwar an zwei Tagen, inmitten der Woche über einen durchgehenden Zeitraum, nachts eingeschlossen.

Mit 92 km/h unterwegs

Im Ergebnis waren hier mehr als 45 Prozent der Verkehrsteilnehmer in beide Richtungen zu schnell unterwegs gewesen. So wären 489 Fahrzeuge zwischen 30 km/h und 40 km/h, 321 zwischen 40 km/h und 50 km/h, 312 zwischen 50 km/h und 60 km/h gefahren und 13 Fahrzeuge hatten gar zwischen 60 km/h und 70 km/h auf dem Tacho gehabt. Spitzenreiter und wohl als Ausreißer zu werten, war zudem ein Fahrzeugführer, der mit Tempo 92 km/h unterwegs gewesen war.

"Welche Rückschlüsse soll man nun aus diesen Messungen ziehen?" fragte Steins in die Runde. Abgelehnt wurde gleich zu Beginn von der breiten Mehrheit und damit vom Tisch, die Aufbringung von Schwellen, die auf die Straße aufgenagelt würden (ähnlich wie in Grafwegen) und von denen Ordnungsamtsleiter Fleskes drei Modelle mit unterschiedlichen Höhen mitgebracht hatte. Denn das Abbremsen vor den Schwellen, deren polterndes Überfahren, insbesondere mit landwirtschaftlichen Geräten oder Pferdetransportern, sowie das gezielte Anfahren nach deren Überquerung, würden mehr Immissionen hervorrufen als gewünscht. Daher galt es sich vielmehr Gedanken darüber zu machen, wie die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer auf die vorhandene Geschwindigkeitsbeschränkung erhöht werden könnte. Zusätzliche Fahrbahnmarkierungen, das Aufbringen farblich abgesetzter Radfahrstreifen, wie sie in den Niederlanden schon lange an der Tagesordnung seien, sollten hierbei ebenso geprüft werden, wie die Aufstellung weiterer Hinweisschilder auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit. "Denn bei einer Länge von 1,5 Kilometern, auf der die Geschwindigkeitsbegrenzung gilt, fehlt es manchem Fahrzeugführer an der notwendigen Akzeptanz", war sich nicht nur Steins sicher. Auch wurden neben Markierungen regelmäßige Geschwindigkeitsmessungen durch Kreis oder Polizei aus der Runde angeregt. Mit einem klaren Auftrag an die Verwaltung, die Umsetzung der Maßnahmen zu prüfen wurde die Versammlung geschlossen.

(sder)
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