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Kranenburg-Wyler: Putenzucht-Stall: Nabu klagt gegen Kreis

Kranenburg-Wyler : Putenzucht-Stall: Nabu klagt gegen Kreis

Nabu NRW hat gegen den Kreis Kleve geklagt, der den Bau eines Putenzuchtstalls in Wyler genehmigte. Grund für die Naturschützer, gegen die Errichtung des Gebäudes vorzugehen, ist, dass man an dem Verfahren nicht beteiligt wurde.

Seit 30 Jahren züchtet Theo Euwens (56) Puten. 1983 stieg der damalige Landwirt von der Jungvieh- auf die Geflügelzucht um. Grund dafür war: Mitte der 80er Jahre wurde von der Europäischen Gemeinschaft die Quotenregelung für die Milchproduktion eingeführt. "Mir blieb damals keine andere Möglichkeit, da ich den Betrieb nicht aufgeben wollte", blickt Euwens zurück.

Sein Hof liegt im Kranenburger Ortsteil Wyler. Drei seiner vier Ställe, in denen die Puten aufgezogen werden, stehen im Naturschutzgebiet Düffel.

Gegen das Genehmigungsverfahren für den Bau von einem dieser drei Ställe hat der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) NRW gegen den Kreis Kleve geklagt. Dies bestätigte Dr. Volkhard Wille vom Nabu-Landesverband Nordrhein-Westfalen. Der Kreis Kleve teilte am Montag mit: "Aus Sicht des Kreises ist diese Klage gegen das Bauvorhaben nicht nachzuvollziehen, da das Genehmigungsverfahren unter Beachtung der einschlägigen Naturschutzverordnung völlig korrekt abgewickelt wurde. Anders als vom Nabu angenommen ist die Entscheidungsgrundlage nicht ein immissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren, sondern ein reines Baugenehmigungsverfahren. Eine Beteiligung des ehrenamtlichen Naturschutzverbandes NABU war nicht erforderlich. Weder für das Vorhaben aufgrund entsprechender gesetzlicher Regelungen noch aus landschaftsrechtlichen Gründen aufgrund der für dieses Gebiet bestehenden ordnungsbehördlichen Verordnung ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich. Im Übrigen hat die erteilte Baugenehmigung mittlerweile auch Rechtskraft erlangt."

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Theo Euwens kann nicht verstehen, dass die Naturschützer jetzt Klage gegen das Verfahren einlegen: "Der Stall ist beantragt und genehmigt worden. Ich muss auch irgendwie planen können. Die Mitarbeiter des Nabu kommen hier jeden Tag mit ihren Ferngläsern vorbei. Ich verstehe nicht, warum die jetzt erst merken, dass ein zusätzlicher Stall gebaut wurde." Der Geflügelzüchter hat Sorge, dass durch die Klage des Nabu die Existenz seiner Familie gefährdet wird: "Ich habe zwei Söhne, die die Zucht übernehmen wollen. Wir waren gerade mit dem Bau des Stalls fertig und völlig überrascht von der Klage des Nabu gegen das Genehmigungsverfahren."

Für den Nabu erklärt Volkhard Wille, warum man gegen den Kreis Kleve Klage eingereicht hat: "Unserer Ansicht nach handelt es sich hier um Verfahren, zu dem anerkannte Umweltverbände hätten gehört werden müssen. Das ist aber nicht passiert." Für ihn ist ausschlaggebend, dass in den ersten beiden Ställen bereits etwa 12 000 Tiere gehalten werden und mit dem dritten die Grenze von 15 000 Tieren überschritten wäre. Die 15 000er-Marke ist daher von Bedeutung, da ab dieser Zahl das Bundes-Immissionsschutzgesetz greift. Und dann sitzt der Nabu endgültig mit im Boot. Nach Ansicht von Wille ist die naturschutzrechtliche Befreiung, die für den Bau erteilt wurde, nicht rechtens.Wille gibt unter anderem zu bedenken, dass in der Nähe der Putenställe das Wyler Meer liegt und hier die Eutrophierung, also die unerwünschte Zunahme an Nährstoffen im Wasser, durch die Zucht weiter zunehmen könnte. "Wir haben ohnehin ein Interesse daran, den Marsch der flächengebundenen Tierhaltung immer weiter in das Naturschutzgebiet Düffel zu stoppen", sagt Wille, der anmerkt, dass es mittlerweile mehr Puten als Gänse in der Düffel gebe. Mehr als 100 000 Puten sind nach Ansicht des Naturschützers bei den in der Düffel angesiedelten Betrieben untergebracht.

Als "gewerbliche Tierhaltung" bezeichnet Volkhard Wille die Anlage. Der Vorsitzende des Nabu-Landesverbandes, Josef Tumbrinck, spricht von einer "Industrialisierung der Landwirtschaft". Nabu NRW hatte zuletzt erfolgreich gegen die Erweiterung einer Anlage in Keeken geklagt (die RP berichtete). Das Oberverwaltungsgericht in Münster hatte die Beschwerde des Betreibers zurückgewiesen. Tumbrinck bezeichnete dies als einen wichtigen Sieg für den Naturschutz. Wie viele Siege der Nabu noch in der Düffel feiern wird, bleibt abzuwarten. Für einige Landwirte ist jedoch jeder Erfolg der Naturschützer einer zu viel.

(RP/ac)