Kreis Kleve: Probleme durch „tierische Einreisende“

Kreis Kleve : Probleme durch „tierische Einreisende“

Nutrias, Waschbären, Minks und Grundeln - die Tier- und Pflanzenwelt wandelt sich, auch im Kreis Kleve. Grund dafür sind eingewanderte Arten, die die heimische Flora und Fauna verändern. Sie haben hier einen neuen Lebensraum gefunden – und das kann zu Problemen führen.

Nutrias, Waschbären, Minks und Grundeln - die Tier- und Pflanzenwelt wandelt sich, auch im Kreis Kleve. Grund dafür sind eingewanderte Arten, die die heimische Flora und Fauna verändern. Sie haben hier einen neuen Lebensraum gefunden — und das kann zu Problemen führen.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Rhein. "Dieser Flusslebensraum hat sich teils dramatisch verändert. Bis zu 95 Prozent der Lebenwesen sind hier zugewandert, sie haben die alte Lebensgemeinschaft nahezu ausgelöscht, wir haben hier einen deutlichen Artenverlust" , erklärt Landschaftsökologe Jonas Linke von der Nabu Naturschutzstation in Kranenburg. Schuld sind die Grundeln, eine Fischart, die eigentlich aus dem "Schwarzen Meer" stammt und über den Rhein-Main-Donau-Kanal den Weg in unsere Rheinregion fand. "Mittlerweile machen die Grundeln 90 bis 95 Prozent der Fischbiomasse im Rhein aus", nennt der Experte die Relationen.

Ganz so dramatisch sieht es nicht in jedem Bereich der Fauna im Kreis Kleve aus. Allerdings sorgen auch hier Neobiota (Lebenwesen, die nach 1492 durch den Menschen in neue Lebensräume eingebracht worden sind) für Veränderungen. "Es gibt zur Zeit 1100 Tier- und 500 Pflanzenarten in Deutschland, die als Neozoen und Neophyten, und somit als eingebürgerte Tiere und Pflanzen gelten", so Linke. Zu ihnen zählen in unserer Region unter anderem die Nutrias und die Minks aber auch vereinzelt Waschbären, wie Nabu-Biologin Monika Ochse erklärt, der Informationen zu ersten Waschbär-Beobachtungen vorliegen.

Nicht alle von ihnen sind jedoch invasiv, haben also negative Auswirkungen auf die Flora und Fauna der Region. "Es gibt aktuell 11.000 eingeführte Tierarten in Europa, die meisten davon sind ungefährlich", erklärt Linke. Allerdings: 15 Prozent dieser "neuen" Tierarten verursachen ökologischen Schaden, 15 Prozent führen zu einer Beeinträchtigung der Vielfalt.

Dazu gehören in unserer Region die Nutrias, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts hierher eingeführt wurden, um ihr Fell zu züchten und sich dann den Weg in die Freiheit suchten. Mittlerweile gibt es eine beachtliche Wildpopulation — und die verursacht Schäden. "Sie bauen Höhlen in die Flüsse, der begradigte Fluss kann sich so wieder seine Bahnen suchen, das ist aus ökologischer Sicht gut, aber das Wasser fließt dadurch langsamer, somit steigt die Gefahr für Hochwasser", so Linke. Nicht zuletzt deshalb werden die Nutrias im Kreis bekämpft — und zwar mit Lebendfallen, um nicht ungewollte einen hier ebenfalls lebenden Biber zu erwischen.

Übrigens, nicht alle neuerdings in einer Region vorkommenden Tierarten sind eingewandert, manche sind einfach nur gewandert, das heißt: sie haben aufgrund der Veränderungen ihren Lebensraum verändert, verlagert oder erweitert. "Natürliche Arealerweiterung" nennt das der Experte.

Eine kleine Veränderung eine ganze Reihe an Folgen auslösen. So hat die Varroa-Milbe, die vor 25 Jahren "eingeschleppt" wurde, indirekt auch einen wirtschaftlichen Einfluss auf die Landwirtschaft. Denn die Milbe ist ein Mitverursacher für ein überdurchschnittlichen Bienensterben - und gerade die betroffenen Honigbienen zählen zu den wichtigsten Bestäubern.

Die Pflanzenwelt verändert sich auch darüber hinaus - und zwar in einer Weise, die zunehmend für das ungeschulte Auge sichtbar wird. Im Kreis Kleve kommen zum Beispiel die drei Neophyten "indisches Springkraut", "japanischer Staudenknöterich" und "Bärenklau" vor. Diese Pflanzen werden hier aktiv beseitigt. "Ein Kampf gegen Windmühlen", sagt Linke.

Ob und inwieweit einheimische Tier- und Pflanzenarten in Gefahr sind, kann, so der Experte, im Moment nicht beantwortet werden. Generell gilt: "Arten könnten verloren gehen, es ist nicht klar, welche Auswirkungen es geben wird. Was hilft, ist eine genaue Erfassung der Umstände, um die Entwicklung im Blick zu behalten", so Linke. Denn, nicht jeder tierische Zuwanderer ist ein ungeliebter Gast.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Tierische Einwanderer in NRW

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