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Kleve: Prinz "Kamel" besiegt Theo Köpenick

Kleve : Prinz "Kamel" besiegt Theo Köpenick

In einem wahrhaft rhythmischen Rathaussturm nimmt Kleves Prinz Michael der Rhythmische dem Klever Bürgermeister Theo Brauer alias Hauptmann von Köpenick im Karnevalszelt den Schlüssel zum Rathaus ab

Kleves Bürgermeister Theo Brauer lief beim Rathaussturm im Klever Festzelt an der Spoy zur Höchstform auf: Als Hauptmann von Köpenick tänzelte er auf der Bühne auf ab, wagte ein Tänzchen mit Oppositions-Chefin Petra Tekath und ließ das Narrenvolk nach belieben dirigieren. Doch als er selbst mit dem Rathaus-Schlüssel als Taktstock seine Musiker im rhythmischen Wettstreit mit dem Klever Prinzen dirigieren sollte, verließen ihn die Seinen: Immer mehr Musiker liefen über zum Prinzen.

Vor als Brauer "Wenn dat Trömmelsche ruft" aufspielte, war den Musikern klar, welche Seite in der Narrenzeit die richtige ist. Und als er den Hauptmanns-"Beus" auszog, war's um ihn geschehen. Brauer sah ein: "Schuster, blieb bei deinen Leisten" und überreichte den Schlüssel an den wahren Chef der fünften Jahreszeit, Prinz Michael, der Rhythmische. Allerdings nicht ohne unter Applaus sibyllinisch zu orakeln: "Ich bleib Bürgermeister - und du, Prinz Michael, darfst für die nächsten vier Tage im Rathaus regieren."

 Als die Karnevalsgesellschaften einzogen, füllte sich auch das Zelt, das statt des Rathauses gestürmt wurde.
Als die Karnevalsgesellschaften einzogen, füllte sich auch das Zelt, das statt des Rathauses gestürmt wurde. Foto: Klaus Stade

Michael freute es - er hatte sich prächtig geschlagen und in einem wahrhaft rhythmischen Streit den Bürgermeister besiegt. Aber der Prinz outete sich als Kamel: "Ich kann hier lange durchhalten ohne einen zu trinken - ich hatte gestern einen guten Abend mit viel Flüssigkeit. Und die kann ich wie ein Kamel speichern", hielt er dem an seinem Rathaus-Schlüssel hängenden Bürgermeister vor. Denn der Rhythmische wollte Rat und Rathausverteidiger zum Bierchen locken, statt lang und letztlich doch vergebens das Rathaus zu verteidigen. Brauer konterte: "So siehst du auch aus..."

Es war eine gute Idee, das Tambourcorps Hasselt-Qualburg (dessen Tambour-Major der Prinz als "Zivilist" ist) auf der Karnevals-Seite und die Kapelle der freiwilligen Feuerwehr Kleve und den Materborner Spielmannszug auf der Bürgermeister-Seite antreten zu lassen. Das war rhythmisch, das heizte die Stimmung mit den Musikklassikern zu Karneval an. Dass Brauer ein prächtiger Trommler, aber mit Rathausschlüssel beileibe kein Dirigent ist, zeigte sich, als statt der "Alten Kameraden" "St. Martin" durchs Narrenzelt trötete. Falsches Lied am falschen Ort. Brauer gab auf. Michael der Rhythmische zeigte, wie es geht: Sein Dirigat saß auf den Takt genau.

Es war der erste Rathaussturm, der nicht am Rathaus über die mickrige Wackelbühne des KRK ging: Die Tanzmariechen hatten Platz und des Prinzen Tanzgefolge füllte mit Nixen und Sternchen in vier Reihen die große Bühne des Zeltes und trafen die Devise der Session, als sie zu "Rhythm' is a Dancer" perfekt ihr Tanzbein in die Höhe warfen.

Dass Karneval Grenzen überschreitet, zeigten auch die Verteidiger: Da gingen Arm in Arm die Chefs der Roten und Schwarzen, Josef Gietemann (SPD) und Aloys Hermanns (CDU) zur Bühne, Gelbe und Rote traten sozialliberal im Einheitsdress (natürlich rot, aber mit Musik) an. Die CDU-Fraktion heizte unter ihrem Taktgeber Wolfgang Gebing zu Beginn noch mit Schlachtgesängen zur aufgeblasenen Luftgitarre ein und die Grünen waren im Schwarz-Grünen-Dress gekommen.

Sie nahmen die Bürgermeister-Diskussion aufs Korn: "Wenn wir nichts werden, gehen wir nach Kalkar", denn "Da darf ja jeder kandidieren", wie Grünen-Chefin Hedwig Meyer-Wilmes als närrische Schelm(in) bemerkte. Als dann die Karnevalsgesellschaften einmarschierten, vorneweg die Quaker und die Funker, schwand der Mut der Ratsherren und -damen mehr und mehr. Das Gefolge des Prinzen war stark, aus Ronse war das Prinzenpaar Axel und Daphne gekommen und Kleves Kinderprinz Tim zeigte, dass sich das Narrenvolk um Nachwuchs keine Sorgen machen muss.

(RP)