Premiere im Klever XOX-Theater mit Garcia Lorca

XOX-Theater : Die unsichtbare Macht der Männer

Das Klever XOX-Theater führte „Bernarda Albas Haus“ von García Lorca auf.

. Ein andalusisches Dorf in den 1930er Jahren. Antonio María Benavides ist tot, und nun müssen Bernarda Alba, seine Witwe, und seine fünf Töchter acht Jahre isoliert von der Außenwelt trauern, so fordert es die Gesellschaft, so fordert es die Hausherrin  erbarmungslos von ihren Töchtern. Das Klever XOX-Theater spielte „Bernarda Albas Haus“ von Frederico García Lorca. Regisseur Wolfgang Paterok sagte zur Begrüßung des Premieren-Publikums: „Im heutigen Spanien und auch im übrigen Europa hat sich die Situation der Frau verbessert, aber in anderen Teilen der Welt sind Frauen immer noch Opfer gesellschaftlicher Konventionen, und darum geht es hier.“

In drei Akten spitzt sich der dramatische Verlauf ohne Umschweife zu: die älteste Tochter Angustias, gespielt von Anke Kühl, darf heiraten, denn sie ist nicht die leibliche Tochter des Verstorbenen. Zudem erbt sie als einzige das Vermögen. Ihr Verlobter, Pepe el Romano, ist „weit und breit der beste Mann“, wie Magdalena, dargestellt durch Nina Jonas, im Gespräch mit Amelia (Lena Tschirsch) betont. Die Werbung um die Braut erfolgt nach strengem Brauch: erst schleicht er ums Haus, dann schickt er einen Boten, danach trifft er die Auserwählte regelmäßig am Fenster (-Gitter, wohlgemerkt). Aber Pepe liebt nicht sie, sondern ihr Geld. Ein Auge hat er für die Jüngste, Adela, verkörpert von Käthe Grüter, die seine Liebe glühend erwidert, aus dem Moralgefängnis  der Mutter ausbricht und alles riskiert. Der begehrte Mann bleibt unsichtbar im Stück, wie die gesamte Männerwelt. Man hört sie singen, wenn sie auf die Felder gehen, frei sind sie, und wenn sie eine Straftat begehen, kommen sie davon.

„Weil die Männer solche Sachen unter sich ausmachen, und weil niemand den Mut hat, sie anzuzeigen“, das lässt Lorca die Martirio, gespielt von Luna Ellenrieder, erklären. Auch sie ist in Pepe verliebt. Wencke de Jong ist Bernarda. Starke Momente besonders in der sprachlichen Akzentuierung kennzeichnen ihren Auftritt. Sie zeigt deutlich, wie Bernarda auch mit sich ringt, wohl wissend, was sie ihren Töchtern antut. Für eine authentische spanische Atmosphäre sorgt Katja Plumbaum als junge Magd und Nachbarin Prudencia. Der Kern des Konflikts wird deutlich im Zusammenspiel von Wencke de Jong mit Brigitte van Gemmeren, die die Magd La Poncia treffend als lebenserfahrene Frau verkörpert, auf Augenhöhe mit der Herrin. Eindrucksvoll der Dialog der beiden kurz vor Ende.

La Poncia bringt Bernarda beinahe aus der Fassung, als sie sagt, die Stille des Hauses sei nur ein Trug, über „jedem Zimmer aber steht ein Gewitter“, und sie fragt: „Was ist, wenn ein Blitz einschlägt? Ein Schlag, der dich mitten ins Herz trifft?“ Der Schlag erfolgt, als Adela sich erhängt. De Jong zeigt glaubwürdig, wie  Bernarda tief betroffen ist und sich gleichzeitig beherrscht. Verzweiflung wird sichtbar, als sie ihre Töchter zwingt, zu schweigen. Das Leid, schweigen zu müssen und gefangen zu sein, konkretisiert Lorca zusätzlich im Auftritt von María Josefa, Bernardas Mutter. Jana Reetz – van der Kallen überzeugt in der Rolle der alten Mutter, die sich immer noch nach Freiheit und Liebe sehnt, berührt auch in der geistigen Verwirrtheit der Figur.

García Lorca setzte starke Zeichen gegen die Unterdrückung der Frau. Dies in die heutige Zeit zu transportieren, zumal mit jungen Frauen, denen die dargestellten Ungerechtigkeiten fremd sein müssen, ist nicht einfach, es gelang jedoch durch das engagierte Spiel der Akteurinnen. Langer Applaus.

Weitere Aufführungen sind am  10. Mai, 20 Uhr, am 12. Mai, 17 Uhr, am 1. Juni, 20 Uhr, am 30. Juni, 17 Uhr. Vorverkauf: Buchhandlung Hintzen, Kleve. Kartentelefon: 02821 78755, online-Reservierung: xox-theater@web.de

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