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Kalkar: Polizei schließt Dienststelle in Kalkar

Kalkar : Polizei schließt Dienststelle in Kalkar

Spätestens bis 2016 soll das Gebäude an der Xantener Straße aufgegeben werden. Bis auf Bezirksdienstbeamte werden dann alle ansässigen Abteilungen abgezogen. Bürgermeister reagiert schockiert. Polizei: "Für Bürger ändert sich nichts."

Bürgermeister Gerhard Fonck machte erst gar kein Hehl daraus, wie ungehalten er ist. "Es gibt Tage, da scheint die Sonne und es gibt Tage, da gibt es Gewitter. Und diese Nachricht hat uns getroffen wie der Blitz", sagt er. Die Dienststelle der Polizei in Kalkar wird aufgelöst, einzig Bezirksdienstbeamte bleiben in der Nicolai-Stadt zurück. Derzeit sind das der Polizei zufolge zwei – ob es am Ende gar nur noch einer sein wird, ist nicht klar. Die Polizei miete dafür ein 18 Quadratmeter großes Büro in Kalkar, so Fonck.

Spätestens zum 31. Dezember 2015 soll die Umstrukturierung durchgeführt werden, darüber habe ihn Landrat Wolfgang Spreen als Chef der Kreispolizeibehörde informiert, sagt der Bürgermeister. Als Grund seien ihm Sparmaßnahmen genannt worden. Der Landrat habe dem Land bis zum 28. Juni ein Konzept vorlegen müssen, wie man Überhangflächen abbauen könne. Und die Stelle in Kalkar gelte von den Unterhaltungs- und Betriebskosten als die unwirtschaftlichste im Kreis Kleve.

Derzeit sind in Kalkar neben der Kriminalpolizei auch die Aus- und Fortbildungsstelle sowie die einzige Schießanlage der Kreispolizei untergebracht. Was damit geschehen soll, steht noch nicht fest. Seit 1991 ist das Gebäude, das ursprünglich gebaut wurde, als in den 70er Jahren in Kalkar noch der Schnelle Brüter in Betrieb gehen sollte, von der Polizei gemietet. Eigentümer ist und bleibt der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW. Darum sieht Fonck auch kein Einspar-Potenzial. "Das ist ja der nächste Skandal. Das wandert von der linken Tasche in die rechte", sagt Fonck. Auch mit der Art und Weise, wie er von der Schließung erfahren habe, ist der Bürgermeister ganz und gar unzufrieden. "Mir wurde telefonisch mitgeteilt, dass sich ein Schreiben auf dem Weg ins Rathaus befindet, in dem der Sachverhalt dargestellt wird. Da wusste vorher kein Mensch von", so Fonck. Weder Rat, noch Ausschüsse oder der Bürgermeister selbst hätten vorher in irgend einer Art und Weise Stellung beziehen können. "Darüber bin ich enttäuscht", stellt Fonck klar.

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Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte sich von den Maßnahmen überrascht. "Das hat uns plötzlich getroffen", sagt der GdP-Kreis-Sprecher Frank Schneiders. "Natürlich wünschen wir uns, immer frühzeitig informiert zu werden, um den Prozess begleiten zu können", sagt Schneiders. Jetzt gelte es, für alle Beteiligten sozialverträgliche Lösungen zu finden.

Bürgermeister Fonck sieht vor allem einen Verlust für Kalkar. "Hier geht Sicherheit für den gesamten Raum verloren. Da entsteht ein richtiges Loch", so Fonck. Und gerade beim Thema Sicherheit könne und dürfe nicht gespart werden: "Darum haben die Bürger jetzt große Sorgen." Die Polizei versucht unterdessen, zu beruhigen. "Für die Bürger ändert sich nichts", sagt Sprecher Manfred Jakobi. Die Polizeiwache sei bereits 2001 geschlossen worden, Bezirksdienstbeamte würden auch in Zukunft zur Verfügung stehen, Anzeigen nach wie vor in Kleve bearbeitet werden. Abteilungen wie die Kriminalpolizei oder Beamte auf Fortbildung seien ohnehin nicht im Kalkarer "Tagesgeschäft" tätig gewesen. "Diese Argumente benutzt die Polizei schon, seitdem sie Wachen schließt", entgegnet Bürgermeister Gerhard Fonck. "Natürlich hat das eine Auswirkung auf Kalkar, wenn bei einem Standort vor Ort Polizisten aus- und eingehen. Selbst wenn es nur Beamte in zivil sind", so Fonck. "Wer in Zeiten steigender Kriminalität an der Sicherheit spart, bekommt die Rechnung zum Schluss", sagt der Bürgermeister.

Gerüchte, dass auch andere Standorte von den Spar- und Umstrukturierungsmaßnahmen der Polizei betroffen sind, dementiert Sprecher Jakobi. "Im Kreis gibt es keine Personalreduzierung, alle Wachstandorte bleiben erhalten. Kalkar ist der einzige Ort, an dem sich räumlich etwas ändert", sagt er.

(lukra)