Kleve: Politik kennt keine Rathaus-Details

Kleve: Politik kennt keine Rathaus-Details

Der Rohbau des Rathauses wächst stetig weiter. Das Untergeschoss des Neubaus ist fast fertig, das Erdgeschoss und erste Wände des ersten Obergeschosses sind in Bau. Politik bemängelt aber die spärlichen Informationen zum Bauvorhaben.

Das neue Rathaus in Kleve wächst. Das Untergeschoss steht, die letzten Deckenplatten aus Beton schweben am Kran herein, während vorne, zur Hafenstraße, der Bau schon aus der Erde gewachsen ist: Die ersten 14 Fensterachsen des Erdgeschosses stehen bereits, die Schaltafeln für die Wände des Obergeschosses werden aufgestellt. Manfred Kotters vom gleichnamigen Haushaltswarengeschäft an der Kavariner Straße hat quasi einen Logenplatz. Von seinem Balkon aus guckt er mitten auf die Baustelle. "Das geht schon zügig voran", sagt er mit Blick auf die behelmten Bauarbeiter, die zu seinen Füßen über die Baustelle wieseln, und die Betonteile, die am Kran hängend hereinschweben. Von hier aus kann man auch sehen, wie der Bau auf den mittelalterlichen Trakt des Klosters zuwächst.

Kotters spricht als Einzelhändler aber auch für die Kavarinerstraße: "Wir sind hier froh, wenn der Bau 2016 fertig ist", sagt er. Denn das Rathaus bringt auch Frequenz in die Straße. Wie auch die anderen Geschäftsleute der ältesten Fußgängerzone Kleves hofft der Inhaber eines der traditionsreichsten Geschäfte in der Stadt, dass wenigstens die Parkplätze vor dem Rathaus erhalten bleiben. "Gerade ältere Menschen brauchen Parkraum in der Nähe der Geschäfte. Die können lange Fußwege oft nicht mehr gehen", sinniert er.

Gegenüber Kotters' Balkon auf der anderen Seite der Baustelle sind die Fundamente des Anbaus ins Erdreich betoniert, die den künftig multifunktionalen Ratsaal und das Bürgerbüro tragen sollen. Vorne im "Kopfbau" ist auch bereits der Eingang zum Stadtmarketing groß und rechteckig zu erkennen: Dort wird Stadtmarketingchefin Ute Schulze-Heiming mit ihrer Truppe einziehen. "Das ist so beschlossen - wir werden uns da schön einrichten", sagt Schulze-Heiming.

Genaue Details zum Baufortschritt gibt es nicht. Der mit dem Generalunternehmer Erich Tönnissen vereinbarte Gesprächstermin wurde abgesagt: Die Klever Verwaltungsspitze will über den Bau des Rathauses derzeit keine Auskunft erteilen und verweist - wie üblich - auf irgendwelche Gremien, die es abzuwarten gelte. Welche Gremien dies sind, beantwortete die Stadt trotz der inzwischen üblichen schriftlichen Anfrage (von Mittwoch) bis gestern nicht. Auf politischer Ebene steht zunächst die konstituierende Sitzung des Rates am übernächsten Mittwoch an. Dann folgt in der Regel die Sommerpause.

Die Absage reiht sich nahtlos in das unglückliche Taktieren der Verwaltungsspitze in Sachen Rathaus von der Vergabe bis zur Klinkerdiskussion. Hier wehrte sich die Stadtspitze mit "Händen und Füßen": Während einer Sitzung hieß es, man könne nicht rechtzeitig mit dem Bau beginnen, wenn man jetzt einen Klinker wolle. Und jetzt? Der Bau wächst trotz Klinkerentscheidung empor. Zur Auswahl des Klinkers wurden dann allein drei unterschiedliche Steine präsentiert, was wieder zu heftigen Diskussionen im Rat und zur Vertagung der Entscheidung führte.

Daniel Rütter, Chef der FDP-Fraktion, bemängelt - wie die anderen Fraktionschefs auch - den spärlichen Informationsfluss seitens der Verwaltung. "Auch wir wissen keine Details", sagt er. Beim Klinker ist der Freidemokrat überzeugt, dass man die Suche nach den richtigen Steinen weniger kompliziert gestalten könne. SPD-Fraktionschefin Petra Tekath hofft auf eine zügige Fertigstellung bis 2016. Sie habe erkannt, dass das Interims-Rathaus für viele Bürger weit draußen ist. "Um mir vorzustellen, wie es wird, brauche ich aber doch noch mehr, als ich bisher sehen kann", sagt sie lachend.

Fabian Merges, Offene Klever, vermisst eine Computeranimation, auf der sich der Bürger das Haus im Gesamtzusammenhang besser vorstellen könne. CDU-Fraktionschef Wolfgang Gebing bemängelt, dass die Fraktion über den konkreten Baufortschritt nicht informiert ist. "Ich gehe davon aus, dass man beim Rathaus im Zeitplan ist und dass sich der Rat kurzfristig über die konkrete Gestaltung der Klinkerfassade und damit der Klinkerauswahl beschäftigen wird", sagt er.

(RP)
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