Kreis Kleve: "Pofalla war für den Kreis ein Glücksfall"

Kreis Kleve: "Pofalla war für den Kreis ein Glücksfall"

Vor seinem Wechsel zur Deutschen Bahn absolvierte der CDU-Bundestagsabgeordnete seinen Abschiedsbesuch im Kreis Kleve. Dafür hatte sich der 55-Jährige die Hochschule Rhein-Waal in Kleve ausgesucht. Lob von Spreen und Klotz.

Wie viele Hunderte und Aberhunderte von offiziellen Besuchen im Kreis Kleve Ronald Pofalla in seinen 24 Jahren als Bundestagsabgeordneter absolvierte, hat keiner gezählt, aber gestern war sein Abschiedsbesuch, das steht fest. Intern im Kreishaus und öffentlich in der Hochschule Rhein-Waal sagte der 55-jährige CDU-Vollblutpolitiker seinem Kreis Kleve Adieu, denn am 31. Dezember 2014 endet seine Politiker-Laufbahn, tags darauf ist er Generalbevollmächtigter der Deutschen Bahn für politische und internationale Beziehungen. Ein Wechsel von der Politik in die Wirtschaft, der für Aufsehen gesorgt hat, auch im CDU-Kreisverband Kleve. Heute sagt Pofalla: "Missverständnisse, die damals entstanden sind, wurden inzwischen behoben". Dem gestrigen offiziellen Abschied werden im Dezember noch "einige Überraschungen" folgen, kündigte der gebürtige Weezer an. Seinen letzten Posten in der christdemokratischen Partei als Vorsitzender des CDU-Bezirks Niederrhein gibt er am Freitag in Krefeld zurück, um wie schon im Kreis Kleve zum Ehrenvorsitzenden gekürt zu werden.

Zwischen Rundgang über den Campus und Gulaschsuppe mit Brot gab Pofalla eine Art von "Abschiedsansprache". Dabei erklärte er auch kurz, warum er sich den Ort seines Abschieds, die Hochschule, ausgesucht hatte: "Was hier in wenigen Jahren entstanden ist, das ist sensationell, und da kann man allen Beteiligten nur gratulieren." Er mache keinen Hehl aus seiner "Überraschung", dass Gründungspräsidentin Prof. Dr. Marie-Louise Klotz nicht im Amt bestätigt wurde (wir berichteten). "Ich respektiere die Entscheidung, aber die Zusammenarbeit mit Prof. Klotz war so hervorragend, dass ich ihr nur danken kann", sagt Pofalla.

Aus seinen 25 Jahren im Bundestag nannte Pofalla nur "ein paar zentrale Punkte, die die Architektur des Kreises Kleve verändert haben". Dabei charakterisierte er den Wandel von 1975 bis heute mit den Worten "Vom Hippeland zum Aufsteigerland". Mit zum Strukturwandel beigetragen habe der Airport Niederrhein, dessen Idee er schon als CDU-Fraktionschef von Weeze Anfang der 90er-Jahre gegen damals große Widerstände befürwortet habe: "Man darf in der Politik nicht wie ein Fähnchen im Wind sein, dafür ist unsere Haltung in Sachen Airport ein Paradebeispiel." Ebenfalls schon seit den 90er-Jahren beschäftigt sei er mit der rechtsrheinischen Betuwe-Linie: "Da haben wir unter den gegebenen Bedingungen für den Kreis das Optimale herausgeholt", sagte Pofalla und lobte die Allianz mit Dr. Barbara Hendricks (SPD) und Paul K. Friedhoff (FDP) als beispielhaft. Für die Geschichtsbücher sei auch die erste gemeinsame deutsch-niederländische Kabinettssitzung mit Kanzlerin Angela Merkel im Mai 2013 in der Kreisstadt Kleve gewesen.

Mit seinem Rückzug aus der Politik ("Ich bin einer der ganz wenigen Politiker, die freiwillig gehen", sagt Pofalla) werde er viele persönliche Freundschaften zurücklassen, am meisten vermissen aber werde er die Begegnungen mit den Menschen. Bei mindestens 1000 von ihnen habe er in seinem Wahlkreis im Laufe der Jahrzehnte im Wohnzimmer gesessen, sich die Probleme angehört und versucht zu helfen. Aber jetzt freue er sich auf seine neuen Aufgaben und Herausforderungen bei der Bahn, wobei er in neuer Funktion sicher auch den Kreis Kleve besuchen werde. Seinen Wohnsitz in Weeze übrigens wird der Jurist auf längere Sicht wegen seiner Familienplanung wahrscheinlich aufgeben. Ob er dann ganz nach Berlin zieht, wo sein neuer Schreibtisch steht, das weiß er indes noch nicht.

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Zeit für ein Dankeschön aus dem Mund von Landrat Wolfgang Spreen, der begleitet wurde von seiner Stellvertreterin Zandra Boxnick und Wilfried Suerick, Koordinator Verwaltung und Steuerung. "Ein politisches Schwergewicht, wie wir es lange Zeit nicht mehr haben werden, verlässt die Bühne. Er war und ist ein Glücksfall für den Kreis Kleve und alle 16 Kommunen", sagte Spreen und bedankte sich im Namen der Bürgermeister und des Kreistags "für die unglaubliche Fülle an Unterstützung in den vergangenen Jahrzehnten". Als Geschenk überreichte Spreen dem ehemaligen Kanzleramtsminister "den Kreis Kleve bildhaft gesprochen". Gemeint war das von Buntstiftmaler Wilhelm Schlote gefertigte Kreis-Plakat mit Airport im Zentrum.

Hochschul-Präsidentin Marie-Louise Klotz, begleitet von Bibiana Kemner, Vizepräsidentin für die Wirtschafts- und Personalverwaltung, Prof. Dr. Anja Freifrau von Richthofen, Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Weiterbildung und Professor Dr. Peter Scholz, Vizepräsident für Forschung und Entwicklung, sagte: "Für uns als Hochschule und mich als Mensch war es immer ein Vergnügen, Ronald Pofalla als Gast zu haben, auch wegen seiner Art des Umgangs mit Menschen." Und ihr Angebot an Pofalla: "Wenn Sie die Hochschule mal in ihrer neuen Position brauchen, sagen Sie uns Bescheid. Sie haben bei uns einen Stein im Brett."

Dem offiziellen Abschied werden einige folgen.

(RP)
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