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Kreis Kleve: Pflegekräfte jeden Alters werden gesucht

Kreis Kleve : Pflegekräfte jeden Alters werden gesucht

Seit drei Jahren finanziert die Agentur für Arbeit Wesel, die auch für den Kreis Kleve zuständig ist, die Umschulung von Arbeitslosen zu Altenpflegefachkräften. Die ersten 30 Teilnehmer haben die dreijährige Ausbildung jetzt abgeschlossen.

Die Zahl der über 65-Jährigen wird laut Studien bis zum Jahr 2030 in Nordrhein-Westfalen um ein Drittel steigen – und damit steigt auch die Zahl derer, die im Alter irgendwann ein Altenpflege-Angebot in Anspruch nehmen müssen. Doch die Fachkräfte, die sich um die Pflegebedürftigen kümmern, fehlen derzeit noch.

"Es gibt einen deutlich erkennbaren Fachkräftebedarf in unserer Region", sagt Peter Glück, Leiter der für den Kreis Kleve zuständigen Agentur für Arbeit in Wesel. Mit 421 Pflegefachkräften, die älter als 50 Jahre sind, gebe es im Kreis Kleve überproportional viele Altenpfleger, die in einigen Jahren in Rente gehen – insgesamt gibt es im Kreis 1680 Beschäftigte in der Altenpflege. Aber auch in anderen Regionen könnten frei werdende Pflegestellen nur schwer mit neuen Mitarbeitern besetzt werden, sagt Glück. "Daher haben wir als Agentur für Arbeit vor drei Jahren wieder damit begonnen, die Umschulung zur Altenpflegefachkraft zu finanzieren", sagt Glück. Im April und Oktober 2010 begannen jeweils 15 Arbeitslose mit der dreijährigen Umschulung. Sie alle haben jetzt eine feste Anstellung als Pflegekraft bekommen. So wird es wohl auch den Auszubildenden aus den inzwischen sechs weiteren Kursen ergehen – ungefähr die Hälfte der Teilnehmer kommt aus dem Kreis Kleve.

Das Alter spielt bei der Auswahl der Auszubildenden kaum eine Rolle, wie das Beispiel von Elisabeth Kiedrowski zeigt. Die 58-Jährige aus Rees war über eine Aushilfsstelle in einem Pflegeheim auf die Idee gekommen, sich mit der Möglichkeit, alte Menschen zu pflegen, näher zu beschäftigen. "Ich habe mich vor der Umschulung zunächst gescheut, weil ich jungen Leuten nicht die Chance auf eine Ausbildung nehmen wollte", sagt Kiedrowski. Dann habe ihr Berater ihr aber erklärt, dass viele die Eignungsvoraussetzungen nicht erfüllen würden oder gar kein Interesse an diesem anspruchsvollen Beruf hätten. "Wir zwingen keinen zu der Umschulung, denn man muss dem Beruf auch physisch und psychisch gewachsen sein", sagt Glück.

Die Auswahl der Auszubildenden treffen daher am Ende auch die Leiter der Ausbildungsseminare. Zum Beispiel Karin Lotto, Lehrerin und Leiterin des Fachseminars für Altenpflege des Vereins SOS Kinderdorf Niederrhein in Kleve. In drei Jahrgängen werden derzeit insgesamt 24 Schüler zur Altenpflegefachkraft ausgebildet, die durch einen Bildungsgutschein von der Agentur für Arbeit gefördert werden. "Die Schüler sind zwischen 18 und 55 Jahren und lernen dadurch sehr Ressourcen orientiert. Die Jungen lernen von den Erfahrenen und umgekehrt", sagt Lotto. Genau das hat auch Elisabeth Kiedrowski geholfen. "Es hat große Freude gemacht, mit den jungen Leuten zu lernen und auch jetzt bei der Arbeit hilft das gute Mischverhältnis beim Alter mir weiter", sagt die 58-Jährige.

Einen festen Job hat sie bei der Clivia-Gruppe gefunden, die im Kreis Kleve neben ambulanten Pflegeangeboten auch drei Pflegeheime betreibt. "Teams, die vom Alter her homogen sind, sind nicht gut. Denn die schon älteren Mitarbeiterinnen profitieren von den jungen Leuten und die lernen wiederum von der Erfahrung der älteren", sagt Christian Nitsch, Geschäftsführer der Clivia-Gruppe. Das sei auch bei den "erfahrenen Frischlingen" aus der Umschulung so, denn die würden ihre Lebenserfahrung einbringen.

Nitsch ist ebenfalls froh, dass die Zahl der Auszubildenden im Bereich der Altenpflege inzwischen wieder ansteigt. "Durch die wiedereinführung der Altenpflegezulage, mit der auch Ausbildung finanziert wird, ist unser Beruf wieder attraktiver geworden", sagt der Geschäftsführer der Clivia-Gruppe. Die beschäftigt derzeit 225 Mitarbeiter im Bereich der Pflege. "Der Bedarf steigt, so dass ich Interessierten nur raten kann, sich für die Altenpflegeausbildung zu bewerben", sagte Nitsch.

Die Clivia-Gruppe habe beispielsweise allein im ersten Halbjahr 2013 einen Personalzuwachs von 17 Prozent gehabt.

(RP)