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Kranenburg: Pfeiler trotzten dem Abriss

Kranenburg : Pfeiler trotzten dem Abriss

Die Antonius-Kirche erlebte im letzten Kriegswinter noch einen zweiten "schwarzen Tag". Nach der Eroberung des Dorfes durch westalliierte Truppen am 8. Februar brauchten dieses Material zur Befestigung der durch Schneeschmelze und Regen völlig aufgeweichten Wege, besonders für den Treppkesweg. Der Vormarsch war nur über höher gelegene Wege möglich, weil die die gesamte Niederung und auch die heutige B 9 bis zur Überführung überschwemmt war. Die Wehrmacht hatte den Querdamm in Wyler gesprengt, so dass das Hochwasser von Waal und Rhein bis in die Klever Unterstadt vordringen konnte. Darum rissen die eingerückten Alliierten beiderseits der Grenze Hausmauern ein, um mit dem Schutt ein Weiterkommen zu ermöglichen. Man stellte an Ketten gebundene Querbalken hinter die Fenster. Panzer zogen die Wände ein. So ging man selbst an der Kirche vor. Deren rechtes Seitenschiff tat ihnen den Gefallen, nicht aber die mächtigen Pfeiler des Mittelschiffs. Man sah nach der Rückkehr aus der Evakuierung deutlich die Spuren der Ketten am hinteren rechten Pfeiler.

Pfarrer Kück wollte diese Kriegserinnerung sichtbar für die Nachwelt erhalten, doch wurde beim Wiederaufbau davon abgesehen. Fast wäre so die Kirche völlig zerstört worden. In jenen Tagen weilte kein Zivilist mehr im Dorf. Bis kurz vor Beginn der Montgomery-Offensive waren auf dem Bauernhof Johann Cleusters der Hausherr, sein Bruder Albert aus Schottheide, sein Schwager Aloys Tissen, drei weitere Männer und seine 17-jährige Tochter Änne als "Mutter der Kompanie" von der deutschen Wehrmacht geduldet worden. Den Frontübergang erlebten sie auf dem Cleustershof in Schottheide (heute Thyssen). Dorthin brachten die Besatzer wegen des gestiegenen Hochwassers auch die einzige Frau dieser Ortschaft, die 77-jährige Wilhelmine Schoemakers vom Schottheiderfeld, die mutterseelenallein in ihrem Haus ausharrte bis zur Rückkehr ihrer Familie. Sie starb dann schon wenig später am 13. August 1945. Schon bald nach der Luftlandung der Alliierten im Raum Groesbeek-Wyler am 17. September 1944 verließen die ersten Familien wegen der Frontnähe die Heimat. Bis Mitte Oktober hatten alle Einwohner die "rote Zone" (Bezeichnung für das von feindlichen Granaten erreichbare Gebiet) verlassen. Fand man im unmittelbaren Hinterland, der "grünen Zone", bei Verwandten oder Bekannten keine Aufnahme, wurde man von der Partei im Raum Magdeburg evakuiert. Wegen der kargen Ernährung redete man später von "Schmachteburg".

(RP)