Pfarrer Christoph Grosch aus Kleve tritt zurück: Whatsapp an Jugendlichen geschrieben

"Unangemessene Kommunikation" mit einem Jugendlichen : Pfarrer aus Kleve tritt überraschend zurück

Ein 48-jähriger Pastor der Gemeinde "Zur Heiligen Familie" hat Bischof Genn um seine Entpflichtung gebeten. Das Bistum spricht von einem unangemessenen Kommunikationsverhalten Groschs mit einem Jugendlichen.

Christoph Grosch ist seit vergangenem Freitag nicht mehr Pfarrer der Katholischen Pfarrgemeinde Zur Heiligen Familie. In einer Mitteilung erklärt das Bistum, es habe "Ende Dezember von einem unangemessenen Kommunikationsverhalten Groschs mit einem Jugendlichen Kenntnis erhalten und unmittelbar Gespräche zur Klärung des Sachverhaltes geführt". Was das Bistum unter "unangemessenen Kommunikationsverhalten" versteht, erklärte Stephan Kronenburg, Sprecher des Bistums Münster, auf Nachfrage unserer Redaktion.

So habe Grosch, 48 Jahre alt, über Whatsapp, ein Kurznachrichtendienst fürs Handy, Kontakt zu dem Jugendlichen gehabt. "Wir sind hier zu der Auffassung gekommen, dass dies mit seiner Rolle als Pfarrer nicht zu vereinbaren ist. In dem Fall geht es um die Frage von Nähe und Distanz", sagt Kronenburg.

Der Jugendliche hatte sich mit seinem Problem einem Seelsorger anvertraut, der den Sachverhalt Münster mitteilte. Daraufhin wurden mehrere Gespräche geführt. Neben Christoph Grosch, dem Jugendlichen und seinen Eltern auch mit weiteren Mitgliedern der Gemeinde. Die Vorfälle sollen nichts mit sexuellem Missbrauch zu tun gehabt haben, so Kronenburg. Der ehemalige Materborner Pfarrer soll außerdem keine "strafrechtlich relevante Handlungen" begangen haben. Die Staatsanwaltschaft wurde nicht eingebunden. Wie alt der Jugendliche ist, wollte der Pressesprecher nicht mitteilen.

Es war die Vorabendmesse in der Materborner St.-Anna-Kirche, als Pfarrer Franz Günter Aengenheyster den Brief mit dem für die Gemeinde überraschenden Inhalt vorlas: Pfarrer Christoph Grosch sei ab sofort nicht mehr Pastor der Klever Gemeinde, hieß es darin. Genn haben seinem Wunsch nach einer Entpflichtung entsprochen. Der Pfarreirat und der Kirchenvorstand wurden Ende der Woche von Karl Render, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal im Bischöflichen Generalvikariat Münster, über die Entscheidung Genns in einer Sitzung informiert.

Die von Aengenheyster in der Vorabendmesse vorgetragene Mitteilung wurde im Namen Groschs verlesen. Der hatte es vorgezogen, seiner Gemeinde nicht selbst darzulegen, welche Gründe zu seiner Entscheidung geführt haben. Unter anderem erklärte der ehemalige Pfarrer: "Ich lasse Ihnen heute mitteilen, dass ich unseren Bischof kurzfristig gebeten habe, mich von meinen Aufgaben als Pfarrer in Materborn und Reichswalde zu entpflichten. Der Bischof hat dem entsprochen. Das kommt für Sie vielleicht überraschend. Ich bin mir aber in den letzten Tagen klar geworden, dass ich eine Auszeit brauche, um persönliche Dinge zu klären."

Wie lange dies dauern werde und wie es danach weitergehe, könne er derzeit noch nicht sagen. Aber soviel steht offenbar fest: "Nach Kleve werde ich nicht mehr als Pfarrer zurückkehren." Das Schreiben endet nach einigen Worten des Dankes mit: "Ihnen allen und der Pfarrei Zur Heiligen Familie wünsche ich alles Gute und Gottes Segen."

Von den Leitungsaufgaben in der Gemeinde entbunden

Christoph Grosch bleibt auch nach seiner Entpflichtung Priester. Bischof Genn hat ihn lediglich von seinen Aufgaben was die Leitung der Gemeinde betrifft freigestellt. Eine Rückkehr in den Dienst ist somit durchaus möglich. Erst wenn ein geweihter Geistlicher um seine Demission bittet und dieser durch den Bischof zugestimmt wird, ist er von seinen Funktionen entbunden. Priester bleibt er immer.

Christoph Grosch, 1969 in Kamp-Lintfort geboren, wurde erst vor gut einem Jahr für die Zeit vom 1. Januar 2017 bis 31. Dezember 2022 zum Dechanten des Dekanats Kleve gewählt und ernannt. Bis dahin war er Definitor (Stellvertreter des Dechants). Die Pfarrverwaltung in Kleve-Materborn übernimmt vorübergehend Propst Johannes Mecking. Die Aufgaben als Dechant werden zunächst von Pfarrer Stefan Notz aus der Pfarrei St. Willibrord in Kleve weitergeführt.

Ein besonderes Anliegen war Grosch, das ökumenische Miteinader zu intensivieren, was auch in einer Partnerschaftsvereinbarung schriftlich festgehalten wurde.

In der Gemeinde "Zur Heiligen Familie" sollte am Sonntag das Patronatsfest gefeiert werden. Auch zum Neujahrsempfang hatten die Katholiken eingeladen. Beide Veranstaltungen wurden aufgrund der aktuellen Entwicklungen abgesagt. Stattdessen trafen sich die Gläubigen im Reichswalder Pfarrheim.

2004 ist die Pfarrgemeinde "Zur Heiligen Familie" aus der Fusion der Pfarrgemeinden "St. Anna" Materborn und "Herz Jesu" Reichswalde entstanden. Die Pfarrkirche ist die St.-Anna-Kirche in Materborn, die Herz -Jesu-Kirche in Reichswalde ist Filialkirche. In den beiden Ortsteilen leben etwa 13.000 Menschen, davon sind derzeit 7600 katholische Christen.

(jan)
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