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Gerichtsvollzieher: Pfänden ist bei Schulden das letzte Mittel

Gerichtsvollzieher : Pfänden ist bei Schulden das letzte Mittel

Gläubiger dürfen seit diesem Jahr schon vor einer Zwangsvollstreckung eine Vermögensauskunft des Schuldners bekommen. Das erleichtert auch die Arbeit des Klever Gerichtsvollziehers Heinz-Joachim Heyming.

Wer bereits Schulden hat, bei dem ist nicht viel zu holen — eine Erfahrung, die Gerichtsvollzieher Heinz-Joachim Heyming immer wieder macht, die dazu führt, dass er das Pfandsiegel, im Volksmund besser bekannt als "Kuckuck", nur sehr selten zücken darf. Auch weil alltagsübliche Gegenstände wie Wasch- oder Spülmaschinen, Computer aber auch Handys und Fernsehgeräte inzwischen nicht mehr gepfändet werden dürfen. "Auch ein Auto darf ich nicht pfänden, wenn der Schuldner nicht anders zur Arbeit kommen kann", sagt Heyming.

Beauftragt wird der Gerichtsvollzieher nicht etwa vom Gericht, sondern vom Gläubiger oder dessen Anwalt. "Das Amtsgericht ist nur der Organisationspunkt. Wir Gerichtsvollzieher sind eine eigenständige Instanz", sagt Heyming. Er ist seit 28 Jahren Gerichtsvollzieher und als solcher zuständig für die Klever Oberstadt und einen Teil der Innenstadt sowie für Uedem und Teile von Goch.

Jahrelang sah es der Arbeitsablauf des Gerichtsvollziehers vor, dass er zunächst vom Gläubiger beauftragt wurde, die Zwangsvollstreckung umzusetzen. Danach nahm Heyming Kontakt mit den Schuldnern auf, vereinbarte eine sofortige Zahlung, Ratenzahlung oder pfändete eben doch Wertsachen oder Geld. "War gar nichts zu holen, konnte ich erst ganz am Ende des Verfahrens eine Vermögensauskunft des Schuldners beantragen, die offenlegt, ob es nicht doch noch Vermögen gibt", sagt Heyming. Seit Anfang dieses Jahres ist das anders. Der Gläubiger kann bereits am Anfang des Verfahrens die Auskunft über das Vermögen des Schuldners beantragen. Dann kann der Gerichtsvollzieher bei entsprechenden Behörden die Informationen einholen. "So können wir zielgerichteter vorgehen", sagt Heyming. Er ist froh, dass die neuen Formulare für dieses Verfahren, die in den ersten Monaten für Bearbeitungsverzögerungen sorgten, wieder zurückgenommen wurden. Jetzt sei das Ganze eine tatsächliche Arbeitserleichterung.

Umgehen könne ein Schuldner dieses Vorgehen, indem er direkt Ratenzahlung anbietet. "Mit dem neuen Gesetzt wird diese Möglichkeit gestärkt", sagt der Gerichtsvollzieher. Er betont, dass das Pfänden mittels Kuckuck immer das letzte Mittel sei. "Die Schuldner-Haushalte sind ohnehin selten so luxuriös, dass ich auf etwas Verwertbares zurückgreifen könnte", sagt Heyming. Sei das doch möglich, nehme er sogenannten Kostbarkeiten — zum Beispiel Schmuck — direkt mit. Größere Dinge bekommen das Pfandsiegel und werden von einem Unternehmen abgeholt. Relativ häufig würden am Niederrhein Pferde gepfändet. Die werden wie alle übrigen Gegenständen versteigert. Lieber ist es Heyming aber, wenn er eine gütliche Einigung erzielen kann: "Ich bin ja nicht nur da, um dem Gläubiger zu seinem Recht zu verhelfen, sondern muss auch auf die Lebensumstände und Möglichkeiten des Schuldners eingehen."

Vor seiner Arbeit als Gerichtsvollzieher war er im mittleren Justizdienst tätig, bewarb sich dann um die Sonderlaufbahn des Gerichtsvollziehers. Seminare vermittelten den juristischen Hintergrund seiner Aufgabe, die Praxis lernte Heyming von seinem Vorgänger, den er ein Jahr lang begleitete. "Man muss als Gerichtsvollzieher ein Gespür dafür entwickeln, wie die Schuldner anzusprechen sind, damit man möglichst schnell ans Ziel kommt", sagt Heyming. Auch das Einschätzen von Gefahrensituationen müsse geübt sein.

Auf seine Erfahrung verlasse er sich besonders dann, wenn es um Zwangsräumungen gehe. "Das ist so eine emotionale Ausnahmesituation für die Menschen. Da muss man sehr vorsichtig sein", sagt Heyming. Genauso wie bei einer Kindesherausgabe, von der er aber erst eine in all den Jahren begleiten musste. "Damals haben wir sofort die Polizei zum Eigenschutz mitgenommen", erinnert sich Heyming. Eine Möglichkeit, auf die er in brenzligen Fällen immer zurückgreifen kann.

(RP)