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Kleve: Ordnungsamt verbietet "Kaffeefahrt"

Kleve : Ordnungsamt verbietet "Kaffeefahrt"

Nach Tipps von Gastwirten und Bürgern hat die Stadt Kleve eine illegale Verkaufsveranstaltung untersagt. Im Dezember waren bereits zwei Frauen während einer solchen "Kaffeefahrt" in der Kreisstadt offenbar Betrugsopfer geworden.

"Neugierde" trieb das Klever Ehepaar — sie 69, er 73 Jahre alt — am Mittwoch um 9.30 Uhr zu einem Restaurant an der Gruftstraße. Das Paar wollte die Einladung zu einer "VIP-Veranstaltung" wahr nehmen, die es per Post von einer Firma "Aktiv" aus dem niederländischen Emmen und der "Ausflugsplanung" in Neuenkirchen bekommen hatte. In dem Schreiben kündigte ein Unternehmer an, sich mit einer "Abschlussfeier" bei treuen Kunden zu bedanken. Er versprach, seine gesamte Ware zu verschenken, Schlemmerei nach Herzenslust, Tombola mit Spitzenpreisen, bei der jedes Los gewinne, sowie für Damen einen Digital-Camcorder mit 12 Megapixel, für Herren ein Navigationsgerät mit 64-MB-Speicher — alles kostenlos.

"Waldschlösschen"-Wirt Norbert Switon zeigt eine Einladung. Foto: Stade

Das wollte sich das Ehepaar nicht entgehen lassen — auch wenn die Klever, die schon zwei derartig dubiose Veranstaltungen besucht hatten, mehr als skeptisch waren, was die Einhaltung der Versprechungen betraf. Ob der Einladende Wort halten würde, konnte das Paar am Mittwoch nicht überprüfen: Das Klever Ordnungsamt, durch einen Gastwirt und andere eingeladene Personen im Vorfeld informiert , hatte die illegale Verkaufsveranstaltung ("Kaffeefahrt") per Untersagungsverfügung verboten — und kontrollierte die Einhaltung gestern.

"Kronprinzen"-Wirt Willy Peeters machte die Einladung stutzig. Foto: Stade, Klaus-Dieter (kds)

Bereits Mitte Dezember hatte es im "Waldschlösschen" an der Tiergartenstraße eine illegale Verkaufsveranstaltung gegeben. Eine 78-Jährige und eine 80-Jährige, die dabei für 1298 Euro je ein "Rüttelbrett" gekauft hatten, erstatteten eine Anzeige. Klever Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Beide Behörden wollen jedoch zum Stand oder Inhalt der Ermittlungen derzeit keinerlei weitere Angaben machen.

Wie dreist Veranstalter von "Kaffeefahrten" vorgehen, zeigt das Klever Beispiel. Die Firma "Aktiv" aus Emmen hatte zuerst in die Gaststätte "Zum Kronprinz" geladen. Dank Tipps von Eingeladenen und dem Hinweis des Wirtes, Willy Peeters, der Verdacht geschöpft hatte, wurde das Ordnungsamt aufmerksam. Aus mehreren Gründen — so sind Geschenke und Tombolas auf Verkaufsveranstaltungen verboten — untersagte die Behörde Ende vergangener Woche schriftlich dem Veranstalter die "Abschlussfeier". Dieser informierte noch am Samstag seine Gäste, dass "der Kronprinzen-Wirt aus persönlichen Gründen" abgesagt hätte. Die VIP-Veranstaltung werde dennoch — nun an der Gruftstraße — gefeiert. Wieder bekam das Ordnungsamt Tipps, wieder untersagte es am Montag die für gestern geplante Veranstaltung — diesmal für das ganze Stadtgebiet. Auch daraufhin meldete sich die Firma Aktiv bei einigen ihrer "treuen Kunden": Leider müsse die Feier ausfallen, werde aber nachgeholt.

"Das ist ein Katz-und-Maus-Spiel", meint Frank Scheulen vom Landeskriminalamt (LKA) in Düsseldorf. Die Möglichkeiten, die Polizei und Ordnungsämter bei der Ermittlung von Veranstaltern illegaler Verkaufsveranstaltungen hätten, seien gering. "Die Erkenntnislage der Polizei ist in diesem Bereich sehr dünn", gibt der LKA-Sprecher zu. In Nordrhein-Westfalen würde pro Jahr nur in etwa 200 Fällen ermittelt. "Demgegenüber stehen 17 000 bis 18 000 Beratungen, die Verbraucherschützer jährlich aus dem Bereich melden", sagt Frank Scheulen.

Zudem arbeiten "Kaffeefahrten"-Organisatoren offenbar oft mit neuen Tricks. So ist die Klever Masche, die "Gäste" nicht mehr per Bus in abgelegene Land-Gasthöfe zu fahren, sondern im Heimatort in Lokale einzuladen, den LKA-Experten noch nicht aufgefallen. Möglicherweise handele es sich um einen neuen Trend, meint Frank Scheulen.

Der Klever Ordnungsamtsleiter Ralph van Hoof hofft, dass die Behörden weiterhin Tipps von "eingeladenen Gästen" und von Wirten bekommen. Andernfalls hätten sie kaum eine Chance, den Betrügern auf die Spur zu kommen. Gastwirte allerdings könnten aber nur schwer Verdacht schöpfen, da die Kaffeefahrt-Organisatoren auch ihnen gegenüber nicht mit offenen Karten spielten, sondern ganz normale Reservierungen vornehmen würden.

Der Wirt des Kronprinzen, Willy Peeters, hätte gerne mehr unternommen, als die "Kaffeefahrt" nur zu verbieten. Er schlug der Behörde vor, die "Abschlussfeier" in seinem Lokal zum Schein zuzulassen, um dann die Betrüger "hopszunehmen". Das musste das Ordnungsamt ablehnen. Ralph van Hoof erklärt dazu: "Wir sind dazu da, strafbare Handlungen zu verhindern — nicht dafür, mögliche Straftäter ins offene Messer laufen zu lassen."

(RP/ac)