Tödliche Messerattacke in Kleve: Opfer war polizeibekannt und saß im Gefängnis

Tödliche Messerattacke in Kleve : Opfer war polizeibekannt und saß im Gefängnis

Zwei Tage nach der tödlichen Messerstecherei rätseln die Menschen in Kleve über das Motiv der Täter. Die 21 und 30 Jahre alten Tatverdächtigen stellten sich der Polizei. Opfer wie Täter sollen türkischer Herkunft sein.

Es waren dramatische Szenen, die sich Kunden und Mitarbeitern am Montagabend im Lidl-Markt an der Materborner Allee geboten haben. Wie berichtet wurde dort ein 43-jähriger Klever von zwei Männern angegriffen und getötet. Nach ersten Informationen sollen sowohl Opfer als auch beide Täter türkischer Herkunft sein. Das Opfer soll polizeibekannt sein — demnach hat es vier Jahre in einer Justizvollzugsanstalt vollbracht, diese aber vor anderthalb Jahren wieder verlassen.

Augenzeugen schildern, wie schnell sich gegen 17.50 Uhr alles zugetragen hat: Im Bereich der Kassen stachen die Täter mehrfach auf den Mann ein. Das Gerangel habe auf so engem Raum stattgefunden, dass Zeugen, beim Versuch einzuschreiten, keine Möglichkeit gehabt hätten, zu den Tätern durchzukommen. Nach wenigen Augenblicken seien die beiden Männer dann auch schon aus dem Markt geflohen. Unbeteiligte wurden nicht verletzt.

Auf dem Parkplatz sprangen die zwei Tatverdächtigen in ihren schwarzen Mercedes A-Klasse mit Klever Kennzeichen und fuhren Richtung A 57 davon. Dann aber die Überraschung: Die 21 und 30 Jahre alten Männer meldeten sich selbst bei der Polizei und verrieten den Beamten ihren Aufenthaltsort. An der Ausfahrt Rheinberg der A 57 ließen sie sich dann widerstandslos festnehmen. Entgegen erster Gerüchte sollen die beiden Männer laut Polizei aber keine größeren Verletzungen davongetragen haben. Ihr Auto wurde sichergestellt.

Ob die Tatwaffe, ein Messer, gefunden wurde, wollte die Polizei am Dienstag nicht kommentieren. Fest steht, dass es vor dem Mord zu einem Streit auf dem Parkplatz gekommen ist. Dort hatten die zwei Täter dem 43-Jährigen bereits aufgelauert, als dieser von einem Einkauf aus dem Discounter nach draußen kam. Als der Mann nach dem Streit zurück in den Markt flüchtete, setzten sie dem Opfer nach und brachten es um. Dabei hatten sie anscheinend keine Skrupel, den Mord vor laufenden Kameras der Lidl-Filiale zu begehen. Die normalerweise aus Sicherheitsgründen den Betrieb an der Materborner Allee überwachen.

Zum Tatzeitpunkt war der Markt gut besucht, alle Kassen sollen besetzt gewesen sein. Familien mit Kindern waren ebenso dort wie ältere Menschen. Bereits am Montagabend vernahm die Mordkommission Krefeld mehrere Zeugen. Einige der Kunden und Mitarbeiter, die das Blutbad mitansehen mussten, wurden vom Opferschutz betreut. Die Beamten übernahmen auch die Betreuung der Angehörigen des Opfers. Gegen Abend kamen immer mehr Bekannte des 43-jährigen Getöteten an den Ort des Verbrechens, um zu trauern. Am Dienstag gab die Polizei den Tatort wieder frei, die Geschäftsführung ließ den Markt aber "bis auf Weiteres" schließen.

Die beiden Tatverdächtigen werden dem Haftrichter vorgeführt. Sachdienliche Hinweise an die Polizei unter Telefon 02821 5040.

(RP)
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