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Kalkar/Xanten: Ochsenorden für Einzelkämpfer

Kalkar/Xanten : Ochsenorden für Einzelkämpfer

Der Xantener Mediziner Ghassan Mourheg nahm jetzt den 50. Kalkarer Ochsenorden für jahrzehntelanges humanitäres Engagement entgegen. Der pensionierte Arzt versorgt weiter ehrenamtlich Bedürftige in seiner Heimat, dem Libanon.

Wenn es um seine eigenen Leistungen geht, ist Ghassan Mourheg kein Mann großer Worte. Der Mediziner aus Xanten-Marienbaum reist jährlich für neun Monate in seine Heimat, den Libanon, um ehrenamtlich kranke Menschen zu behandeln. Die Auszeichnung mit dem 50. Kalkarer Ochsenorden für sein jahrzehntelanges humanitäres Engagement nahm Mourheg mit großer Bescheidenheit entgegen: "Als Arzt ist es meine Aufgabe, anderen Menschen zu helfen", so der 81-Jährige.

Überhaupt redet Mourheg, der vor 81 Jahren im Libanon geboren wurde, nicht gern öffentlich über sein ehrenamtliches Engagement. Aufgrund seiner Profession als Arzt ist es für ihn selbstverständlich, hilfsbedürftigen und mittellosen Menschen medizinisch zu helfen. Wie stark der Einsatz des pensionierten Arztes ist, machten daher bei der Ordensverleihung im Kalkarer Ratssaal andere deutlich.

"Auf dem Sofa sitzen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, ist nichts für sie", sagte Stephan Weber, Senatspräsident der Kalkarer Karnevals-Gesellschaft (KKG), die den Ochsenorden jährlich verleiht. In seiner Laudatio gab der Senatspräsident einen Überblick über den Lebenslauf und die Leistungen des 81-jährigen Ordensträgers: Im Libanon geboren, ging Mourheg als 18-Jähriger nach Deutschland und studierte in Münster Medizin. In den siebziger Jahren zog es ihn dann zurück in den Libanon, wo er während des Bürgerkriegs medizinische Hilfe leistete. "Dr. Mourheg erwähnte mal ganz beiläufig, dass ihm in dieser Zeit auch Kugeln um die Ohren geflogen sind", machte Stephan Weber das große persönliche Risiko deutlich, dem der Mediziner sich in dieser Zeit aussetzte. Nach sechs Jahren kehrte Mourheg zurück nach Deutschland, wo er von 1981 bis 2005 eine Praxis in Marienbaum betrieb. Seit seinem Ruhestand ist er wieder deutlich mehr im Libanon: Neun Monate verbringt er pro Jahr in der alten Heimat, versorgt dort in zwei Praxen ehrenamtlich Bedürftige.

Immer an seiner Seite: Ehefrau Irmtraud Mourheg, die er während des Medizinstudiums kennenlernte. Die beiden haben sechs Kinder zusammen und sind Großeltern von 19 Enkeln.

Kalkars Bürgermeisterin Britta Schulz betonte in ihrer Rede, dass der Preisträger ohne Hilfsorganisation oder Verein im Rücken arbeite: "Sie sind ein Einzelkämpfer", so Schulz. Zehn Jahre, sagt der 81-Jährige, will er sein Engagement noch fortsetzen, das aus seiner Sicht Selbstverständliche tun. Mit seinem humanitären Handeln ist der Ochsenorden-Träger ein starkes Vorbild, wie auch eines seiner Enkelkinder bei der Verleihung betonte: "Wir sind alle unheimlich stolz auf Oma und Opa, und wir können uns nicht vorstellen, bessere Vorbilder zu haben."

(jehe)