Kleverland: Nur mal kurz zur Schule

Kleverland: Nur mal kurz zur Schule

Für die Schüler im Kleverland heißt es ab heute wieder: Früh aufstehen - die Sommerferien sind vorbei. Diese vier Jugendlichen können allerdings länger liegen bleiben als ihre Klassenkameraden: Sie wohnen direkt am Schulhof.

Wecker um 6.15 Uhr, Schlummermodus bis 6.45 Uhr, dann schnell Frühstücken, fertig machen und ab aufs Fahrrad oder in den Bus. Ab heute dürfte so oder so ähnlich wieder der Alltag von vielen tausend Schülern im Kreis Kleve aussehen. Einige von ihnen starten aber entspannter in den Tag, denn sie wohnen nur wenige Meter von der Schule entfernt.

Wenn Theo morgens am Frühstückstisch sitzt, haben die meisten seiner Klassenkameraden den Tornister schon fest um den Rücken geschnallt und sind auf dem Weg zum Jan-Joest-Gymnasium in Kalkar. Denn der elfjährige Gymnasiast muss nur die Straße überqueren, dann ist er da. Den Hauptvorteil neben dem kurzen Schulweg sieht er besonders in der Tatsache, dass er deutlich länger schlafen könne, als seine Mitschüler. "Ansonsten gibt es aber keine großen Vorteile. Den Schulhof dürfen wir in den Pausen eh erst ab der siebten Klasse verlassen", sagt Theo, der ab heute die sechste Klasse besucht. Daher fallen Kurzbesuche in den Fünf-Minuten-Pausen noch aus. Schön sei aber, dass seine Freunde ihn schnell besuchen kommen könnten, wenn was passiert sei.

Ähnlich sieht das auch Leander. Der 16-Jährige besucht das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Kleve. Zweimal in die Pedale getreten und er steht vor der Schule. "Das ist ganz praktisch, wenn ich was vergessen habe", sagt er. Dann schwinge er sich schnell aufs Rad und fährt nach Hause. Auch das Mittagessen findet daheim und nicht in der Schule statt. "Dafür reicht eine große Pause aus", sagt er. Seine Sportsachen nimmt er morgens erst gar nicht mit in die Schule, sondern holt sie in einer kleinen Pause ab. Das hat schon mal für Stress gesorgt. "Aber nur, wenn ich mal nicht mit dem Fahrrad gefahren bin, musste ich nach Hause rennen, um pünktlich zum Unterricht zu kommen", sagt der Gymnasiast.

Wenn Theo (11) aus Kalkar aus dem Haus geht, steht er vor der Schule. Foto: kds
  • Kleve : Volksbank Kleverland fuhr mit 40 Jugendlichen zum Musical Tarzan

Besonders praktisch sei der kurze Schulweg aber erst in der Oberstufe geworden. Ab dann durfte er das Schulgelände nämlich verlassen. Vorher war das aus Versicherungsgründen nicht möglich. "Wir haben jetzt einen längeren Schultag, bis zum Nachmittag Unterricht und auch Freistunden, die ich - im Gegensatz zu anderen - dann zu Hause verbringen kann", sagt Leander. Einen Lehrer, der kurz anklingelt, um zu schauen, ob Leander oder Theo auch wirklich krank sind, hatten beide aber noch nie vor der Türe stehen. Auch sei es nicht etwa so, dass alle Freunde die Pausen bei den beiden vorbeikämen. "Wir verabreden uns dann immer für den Nachmittag, wenn wir frei haben", sagt Theo.

Wenn Noelle (9) und Jeanne (9) über den Gartenzaun klettern würden, ständen sie auf dem Hof der Marienschule. "Das tun wir aber nicht. Wir nehmen den richtigen Weg", sagt Noelle. Doch viel länger ist der auch nicht. 70 Meter - wenn die Zwillinge trödeln, stehen sie nach 90 Sekunden im Klassenzimmer. Jeanne hatte einmal auf dem halben Weg bemerkt, dass sie ohne Brille losgelaufen war. "Aber ich war trotzdem noch pünktlich", sagt sie nicht ohne Stolz. Sollte es dennoch knapp werden, bringt ihre Mutter auch schon mal etwas hinterher. Den ordnungsgemäßen Schulweg nehmen die beiden Mädchen auch deshalb, weil ihre Freundinnen sie zu Hause abholen. Bei den Gesprächen bis ins Klassenzimmer müssen sich die Viertklässlerinnen jedoch auf das Wesentliche beschränken. Und trotzdem steigen sie manchmal über den Zaun. "Aber nur nachmittags, wenn wir auf den Spielplatz wollen", verrät Noelle.

Die Schule stets im Blick: Jeanne (9) und Noelle (9, v. l.) gehen in die vierte Klasse. Hinter den Bäumen beginnt der Hof der Marienschule. Foto: Markus van Offern
(RP)