Mitarbeiter mit Behinderung Besondere Café-Kette – wie „Brownies & Downies“ zum Erfolg wurde

Boxmeer · Das Café „Brownies & Downies“ ist in den Niederlanden ein echter Erfolg geworden. Menschen mit Behinderung schmeißen den Laden, im Hintergrund wirken Helfer. Wie funktioniert das? Wir waren in Boxmeer zu Gast.

 Lindy van Lankveld, Juul, Lotte und Joyce Ketelaars im Restaurant „Brownies and Downies“.

Lindy van Lankveld, Juul, Lotte und Joyce Ketelaars im Restaurant „Brownies and Downies“.

Foto: Maarten Oversteegen

Wer eilig etwas trinken und essen will, mit Laptop in der Hand und Kopfhörern in den Ohren, wer eigentlich bloß auf dem Sprung ist, der ist im Restaurant „Brownies & Downies“ falsch. Daraus machen die Chefinnen kein Geheimnis. „Stress funktioniert hier nicht. Man muss ein wenig Zeit mitbringen“, sagt Lindy van Lankveld, Chefin der Filiale im Grenzort Boxmeer bei Goch. 2015 wurde sie eröffnet. „Glücklicherweise wissen die meisten der Gäste über unser Konzept Bescheid. Sie bringen Zeit und Geduld mit“, sagt Joyce Ketelaars.

Das Konzept von „Brownies & Downies“ lautet: Menschen mit Beeinträchtigung schmeißen den Laden. Sie bereiten die Speisen vor, bringen sie zum Gast, schaffen Ordnung und Sauberkeit. Im Hintergrund sorgen die Betreiberinnen für passende Arbeitsbedingungen, zudem ist eine Inklusionskraft vor Ort. In Boxmeer sind zwölf Behinderte beschäftigt, täglich sind sechs in der Schicht eingeplant. Die Männer und Frauen im Alter zwischen 20 und 55 Jahre reichen Frühstück und Mittagessen, servieren Kaffee und Kuchen, pressen Säfte. „Sie machen alles, was in einem Restaurant passieren muss“, sagt Lindy van Lankveld. Einzig Abrechnung und Bürokratie werden der Belegschaft abgenommen.

Im Königreich gibt es mittlerweile 59 Filialen. Das Unternehmen, das 2010 in Veghel gegründet wurde, ist auf Expansionskurs. Die Reichweite in sozialen Medien ist gewaltig. „Das Konzept ist schon ganz besonders, und selten in den Niederlanden. Viele Gäste melden uns zurück, dass die Stimmung hier ganz anders als in anderen Cafés oder Restaurants ist“, sagt die Chefin.

Und tatsächlich: Bei „Brownies & Downies“ wird viel gelacht, es wird gequatscht, die Kellner bewegen sich gerne mal zur Musik. „Unsere Mitarbeiter haben großen Spaß bei der Arbeit. Sonst würden sie auch nicht jeden Morgen kommen: Schließlich können wir sie nicht zwingen. Sie sind freiwillig bei uns“, sagt Lindy van Lankveld. Und in der Vergangenheit sei es schon gelungen, Mitarbeiter nach einiger Zeit an „reguläre“ Restaurants, also auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Man bietet Menschen eine Chance, die sonst kaum berufliche Perspektiven haben. Gehalt bekommen sie übrigens nicht, die Belegschaft lebt von Leistungen des Staates. „Wenn wir ihnen etwas auszahlen würden, würde das wiederum von ihren monatlichen Zahlungen abgezogen werden. Aber hier geht es auch niemandem ums Geld“, sagt Joyce Ketelaars. Spezialisiert hat sich „Brownies & Downies“ auf „lunch“, es gibt belegte Brötchen, Salate und bunte Torten. Verkaufsschlager sind die Brownies. „Das sind die leckersten überhaupt“, sagt Juul, einer der Mitarbeiter, der sich vor allem in der Küche einbringt, und zwar seit Jahren überaus verantwortungsbewusst. „Das ist meine Welt“, sagt er.

Das Restaurant-Team ist eingespielt, versichern die Geschäftsführerinnen, gemeinsam lerne man täglich hinzu. „Wir versuchen, die Latte immer ein wenig höher zu legen. Aber klar ist auch, dass es Rückschläge gibt, damit muss man leben“, sagt Lindy van Lankveld. So seien die Mitarbeiter es gewohnt, zunächst die Getränke, und erst beim zweiten Gang die Essensbestellung aufzunehmen. „Wenn dann ein Gast plötzlich direkt beides bestellt, kann es sein, dass einer der Kellner zumacht und nicht weiterweiß. Dann ist es unsere Aufgabe, zu beruhigen und die Situation zu retten“, sagt sie. Allzu häufig komme das aber nicht vor. Dabei sei man dann auch aufs Verständnis der Kunden angewiesen. Die meisten würden das aufbringen, aber nicht alle. „Manche Gäste sind gleich verärgert. Ihnen ist ganz egal, wer gegenübersteht. Das sind aber auch Menschen, die beim Eingang nicht den Namen des Lokals gelesen haben“, sagt Joyce Ketelaars. „Wer sich auf unser Restaurant einlässt, wird sehen, dass die Menschen etwas Besonderes mitbringen.“

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