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Neulouisendorf: Das ist die Orgel der kleinsten Gemeinde

RP-Serie: Orgeln im Klever Land : Die Orgel der kleinsten Gemeinde

Zur ursprünglichen Ausstattung des Gotteshauses in Neulouisendorf gehörte eine einmanualige Orgel einer der damals in Deutschland führenden Orgelfirma Wilhelm Sauer aus Frankfurt an der Oder. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Der Kalkarer Stadtteil Neulouisendorf ist eine „Pfälzische Sprachinsel“ am unteren Niederrhein. Inmitten weitläufiger Ackerflächen und zwischen Einzelhöfen steht dort landschaftsmarkierend eine kleine, neugotische Kirche, die der evangelischen Gemeinschaft seit der Einweihung im Jahr 1898 bis heute als Gottesdienstraum dient. Ihren evangelischen Glauben und die kulturelle Eigenständigkeit haben sich die Neulouisendorfer ebenso erhalten wie die Pfälzer Mundart im „neue Wald“. Seit Anbeginn der Besiedlung als planmäßig angelegte Pfälzerkolonie in den 1850er Jahren ist die Außengemeinde mit Kalkar pfarramtlich verbunden und heute wohl die kleinste Gemeinde im Kreis, auf jeden Fall eine der kleinsten der ganzen Evangelischen Kirche im Rheinland.

Zur ursprünglichen Ausstattung des Gotteshauses gehörte eine einmanualige Orgel einer der damals in Deutschland führenden Orgelfirma Wilhelm Sauer aus Frankfurt an der Oder. „Ein schönes Instrument im gleichen Stil wie die Kirche, mit ähnlicher, schöner Ornamentik“, weiß Ursel Missweit über die erste Orgel zu berichten. Sie spielt und kennt die heutige Nachfolge-Orgel seit Jahr und Tag und bringt ihre Kenntnissen über die Geschichte aus den Archivunterlagen ein. Aus diesen lässt sich noch mehr herausarbeiten: Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche als Notlazarett benutzt und das Sauer-Instrument im Kriegsgeschehen leider unwiederbringlich zerstört; eine Reparatur hätte sich nicht gelohnt. Eine Orgel der Firma Romanus Seifert & Sohn (Kevelaer) hielt in den 1960er Jahren daraufhin Einzug. Rechts oben auf der Empore über dem Eingang steht sie mit einem kastigen Gehäuse, links daneben ist Raum für einen kleinen Chor oder Gottesdienstbesucher. Die zeittypische Kleinorgel zeigt sich trotz des eckig und eher schmucklos anmutenden Holz-Gehäuses klangschön und ist dabei seit Jahrzehnten absolut verlässlich, solide und leichtgängig spielbar.

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Ein Serienmodell, das wahrscheinlich nicht speziell für den Raum der Neulouisendorfer Kirche entworfen wurde, mit folgender Disposition: Neben dem eigenständigen Pedal (Subbass 16′) gibt es fünf Manualregister (Holzgedackt 8′, Principal 4′, Rohrflöte 4′, Feldflöte 2′ und Mixtur 2-3fach). Die Manualregister sind in Bass und Diskant geteilt – dies erhöht die klangliche Vielfalt bei Einmanualigkeit. Damit die Mixtur in der Basslage nicht zu viel Helligkeit liefert und die Mittelstimmen besser hervortreten können, ist die Mixtur in den ersten anderthalb Oktaven zweichörig und wird dann dreichörig.

Klaus Eberhard, der Vorsitzende des Neulouisendorfer Presbyteriums, betont, dass u.a. für die Orgel die Temperatur in der Kirche gut gehalten wird. Und auch die Wartung des Instruments wird ernst genommen: 2005 wurde die Orgel von Renard (Kevelaer) restauriert. Das Gemeindeleben und alles, was dazu gehört, spielt nämlich immer noch eine wichtige Rolle: „Im Schnitt kommen 27 Gottesdienstbesucher zu den Gottesdiensten, vor Corona waren es im Schnitt 30“ – also ein treuer Besucherstamm, vor allem angesichts der Gemeindegröße von knapp 170 Mitgliedern. Kirche, Gemeindehaus und der Platz umher ist traditionell der Ort für Kirmes, Zusammenkünfte und Feiern, die heute meist „in Eigenregie“ von den Neulouisendorfern organisiert werden und so die Gemeinschaft lebendig erhalten.

Die Orgel begleitet nicht nur traditionelle sonntägliche Gottesdienste, sondern oftmals auch Trauungen: Mit dem Mittelgang und dem familiären Charakter, schlicht und würdevoll, bietet sich die „heimelige“ Atmosphäre der Neulouisendorfer Kirche an und wird gerne von außerhalb dafür angefragt.