Kleve: Neues Klever Rathaus auf 830 Jahre alten Mauern

Kleve : Neues Klever Rathaus auf 830 Jahre alten Mauern

Das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege untersucht die Baustelle des Klever Rathauses. Der Kreuzgang des Klosters hatte früher vier Gebäudeflügel, das Kloster kann 100 Jahre älter als angenommen sein.

Kleves Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer soll es in nichtöffentlicher Sitzung des Bauausschusses auf den Punkt gebracht haben: Es sind die dicken Mauern des mittelalterlichen Klosters, die den alten Teil des Rathauses tragen, der noch von der alten Klosteranlage erhalten blieb. Alles, was später kam, soll bei weiten nicht so stabil sein, wie der mittelalterliche Mauerrest, sagen Kloster-Kenner. Derzeit wird die Baustelle des Rathauses denkmalpflegerisch untersucht, bestätigt Martin Vollmer-König. Die Funde seien sehr interessant, so der Abteilungsleiter beim LVR-Amt für Bodendenkmalpflege.

In der Baugrube sind die mittelalterlichen Mauerreste erkennbar. Foto: Gottfried Evers

Dabei fand man nicht nur heraus, dass die mächtigen Mauern des Mittelalters den Bau tragen. Die sind auch noch 100 Jahre älter als gedacht: Bis jetzt nahm man an, dass das Klever Minoritenkloster aus dem 15. Jahrhundert stammt. Tatsächlich sind die gefunden Mauern aber wohl aus dem 14. Jahrhundert. Damit würde der Bau des Klosters noch in die Zeit der Klever Grafen Otto, Dietrich VII. und Johann fallen, die ab 1305 nacheinander Kleve regierten. 1368 setzte sich dann Adolf von Mark gegen andere Bewerber durch (Johann hatte keine Kinder hinterlassen). Zum Herzogtum wurde die Grafschaft Kleve erst im 15. Jahrhundert erhoben, nämlich durch Kaiser Sigismund. Im "Nordrheinischen Klosterbuch" geht man noch von einem Neubau aus dem 15. Jahrhundert aus, der gleichzeitig mit dem jetzigen Kirchenbau entstand. Die jetzt gefundenen dicken Mauern weisen aber eher auf eine Bautätigkeit schon kurz nach der Gründung hin, die auf "wahrscheinlich" (so im Klosterbuch) 1285 datiert wird.

In diesen Mauern sind auch noch die Fensterausschnitte zu sehen, die aus dem Kapitelsaal hinaus führten und Licht ins Haus ließen. Zudem legten die Archäologen einen weiteren Bogen des Kreuzgangs frei, in der Nähe der Kirche. Dass der Kreuzgang tatsächlich vier Gebäudeflügel rund um den Klosterhof miteinander verband, kann erst jetzt durch Funde des nördlichen Kreuzganges nachgewiesen werden. Dieser reichte bis zur Gasse vor dem Josefshaus. Gefunden wurden in dem Bereich des Rathauses auch noch eine alte Abfallgrube und eine Latrine mit vielen Funden aus dem Mittelalter, so Vollmer-König. Alle Funde werden dokumentiert und wo es möglich ist, auch erhalten, sagt der Mann vom LVR-Amt.

Als beim Bau des Rathauses in Goch wichtige Zeugnisse aus der Geschichte der Weberstadt gefunden wurden, wurden sie dort in den Bau integriert. Das sollte man auch in Kleve machen, hatte es im Vorfeld aller Planungen zum Minoritenplatz immer geheißen. Gerade die Grünen forderten, dass man zumindest im Pflaster die Linien der Mauern nachziehen sollte. Doch auch im Inneren lassen sich die Spuren der Geschichte aufzeigen, indem man sie offen lässt und die alten Reste integriert, anstatt sie einfach nur zuzumauern. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu hören war, will sich auch der Klevische Verein für ein Sichtbarmachen stark machen — wenn es nicht zu teuer wird.

(RP)