Neue Helferausbildung: Fachwerker in Landwirtschaft

Kreis Kleve : Wichtige Helfer für die Landwirtschaft

Auch für Jugendliche mit Lernbehinderung gibt es qualifizierte Ausbildungen. „Helfer“ oder „Fachwerker“ heißen sie und sind in verschiedenen Bereichen angesiedelt. Im Kreis Kleve sind Berufskolleg und SOS die Partner.

Sein Berufsziel stand schon lange fest, denn Sven (Name von der Redaktion geändert) ist auf dem Hof seiner Eltern groß geworden und hat dort immer schon gerne mitgeholfen. Für ihn war das nie eine Frage: Im Stall und auf dem Feld würde er auch als Erwachsener arbeiten. Da gibt es nur ein Problem: Sven hat eine leichte Lernbehinderung. Während er im praktischen Umgang mit allen Themen der Landwirtschaft vertraut ist, fällt es ihm schwer, in der Schule mitzukommen. Für ihn und viele andere Jugendliche, denen es ähnlich ergeht, wurden Helferausbildungen erfunden. „Abgespeckte“, von Theorie entlastete Berufsaubildungen für Menschen mit Beeinträchtigungen. Das Berufskolleg Kleve hat für sie eine ganze Reihe passender Inhalte im Angebot. Partner und Maßnahmenträger ist SOS Ausbildung und Beschäftigung, die wiederum vorrangig von der Agentur für Arbeit finanziert werden.

Der Praxisteil des „Landwirtschaftsfachwerkers“ findet auf Haus Riswick statt. Ein- bis zweimal in der Woche besuchen die jungen Leute das Berufskolleg, ansonsten sind sie im Betrieb. Im Fall von Sven ist das ein Hof in Hülm, seine Kollegen sind bei anderen Landwirten untergebracht. Dort packen sie kräftig an, geben sich Mühe, lernen eine Menge – und arbeiten gemeinsam mit Frank Kulmann von SOS an Hausaufgaben und der Berichtsmappe. Kulmann ist Bildungsbegleiter für die Jugendlichen, vermittelt zwischen Betrieb und Schule. „Ein Arbeitgeber, der einen Menschen mit Lernbehinderung einstellt, müsste eigentlich eine rehabilitationspädagogische Zusatzqualifikation haben“, sagt Bernhard Wagner schmunzelnd. Er ist Abteilungsleiter Agrarwirtschaft am Berufskolleg und weiß, dass die Landwirte eine solche Spezialbefähigung natürlich nicht haben. Deshalb gibt es Kollegen wie Kulmann.

Nicht jeder Jugendliche mit schulischen Mängeln ist ein Kandidat für die Helferausbildung. „Um sich anmelden zu können braucht man ein PU-Gutachten“, erklärt Dirk Plüschau, stellvertretender Leiter des Berufskollegs. Nur junge Leute mit entsprechendem psychosozial-medizinischen Gutachten können berücksichtigt werden. „Schlimm ist, dass viele Eltern von dieser Möglichkeit nichts wissen. Dabei hat ihr beeinträchtigtes Kind so die Chance, eine anerkannte Berufsausbildung abzuschließen.“ Sven zum Beispiel hat die Lehre zum Landwirt begonnen, aber die Theorie nicht gepackt. „Da müssen Sie Maschinenkostenkalkulation beherrschen oder stoffwechsel-physiologische Zusammenhänge erkennen – das klappt nicht“, weiß Wagner.

Deshalb gibt es für diese Azubis eigene Klassenarbeiten und Prüfungen, obwohl sie ansonsten den normalen Unterricht der Fachklasse besuchen. „Das ist echte Inklusion“, freut sich Plüschau. Die Mitschüler machten da kein großes Ding raus, zumal in der Praxis die Helfer oft sehr fit sind und sich hinter den Leistungen ihrer Kollegen nicht verstecken müssen. Sven, ein weiterer 17-Jähriger und einige andere, die sich schon angemeldet haben, bekommen durch die Fachwerker-Qualifikation die Chance, anschließend noch eine „normale“ Ausbildung zu machen. „Oft ist es nämlich so, dass diese Jugendlichen einfach mehr Zeit brauchen. Mit zusätzlicher Unterstützung schaffen einige von ihnen dann durchaus auch noch die reguläre Prüfung“, weiß Wagner.

Für den Arbeitgeber ist es etwas günstiger, einen angehenden Helfer zu beschäftigen, der junge Mensch selbst hat die Aussicht auf ein festes Einkommen.

Nicht nur in der Landwirtschaft sind Helfer-Ausbildungen eine gute Möglichkeit für junge Leute, die keinen Hauptschulabschluss haben oder von einer Förderschule kamen. In dreijährigen Ausbildungen können sie auch im Bereich Technik, Wirtschaft und Verwaltung oder Gesundheit und Ernährung Tritt fassen. Der Fachpraktiker Küche wurde früher als „Beikoch“ beschäftigt, die Fachpraktikerin Personale Dienstleistung unterstützt vielleicht den Haushalt einer betagten Person. Auch im Verkauf oder Lagerbereich sind Helfer gefragt. Infos beim Berufskolleg oder bei der Arbeitsagentur.