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Neue Bilder für die Sammlung des Museum B.C. Koekkoek in Kleve

Kultur : Der Blick in die weite Niederung

Drei Gemälde aus dem 19. Jahrhundert von Jan H.B. Koekkoek und Willem de Klerk bereichern die Sammlung des B.C. Koekkoek-Hauses. Sie sind ab kommender Woche in Kleve zu sehen.

Einer der Höhepunkte im Belgien-Urlaub war früher der Krabbenfischer, der hoch zu Ross im Ölzeug mit Südwester auf dem Kopf mit ausgelegten Netzen durch die graugrüne Nordsee ritt. Er schien damals, Anfang der 1970er Jahre, einer der letzten seiner Art. Jetzt sind die Krabbenfischer in Oostduinkerke, dem einzigen Ort in Europa, an dem die Schalentiere noch mit den kräftigen Kaltblutpferden (oft Brabander) gefischt werden, geschützt: 2013 erklärte die UNESCO die 500 Jahre alte Tradition zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit.

Ende des 19. Jahrhunderts malte Johannes Hermanus Barend (Jan H.B.) Koekkoek (Amsterdam 1840-1912 Hilversum) Krabbenfischer. Zwar erinnert das Pferd im Wasser an die Belgier, doch zieht das Pferd hier einen Karren durch die See. Der hat die Ladung wohl von dem Krabbenkutter aufgenommen, der mit geblähtem Segel in der graugrünen Dünung dümpelt.  Darüber türmt sich ein grau-weißer Wolkenhimmel, der auf dem kleinen Format von 25 mal 40 Zentimeter eine ungemeine Weite suggeriert.

 Jan H.B war ein Neffe des „großen“ Koekkoek und vor allem Marinemaler. Hier sein Seestück mit Krabbenfischer, das als Schenkung nach Kleve kam.
Jan H.B war ein Neffe des „großen“ Koekkoek und vor allem Marinemaler. Hier sein Seestück mit Krabbenfischer, das als Schenkung nach Kleve kam. Foto: BC-Koekkoekhaus
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Jan H.B. Koekkoeks Bild gehört zu zwei „Marinestücken“ des Niederländers, die jetzt als Schenkung an das B.C. Koekkoek-Haus gekommen sind. „Sie stammen aus dem Nachlass Nellij Hofhuis-van Delden aus Eindhoven“, freut sich Ursula Geisselbrecht-Capecki über die Neuzugänge. Jan H.B. Koekkoek war der Neffe des Klever Malerfürsten Barend Cornelis Koekkoek. Jan H.B. habe in der Tradition der seeländischen Malerfamilie Koekkoek ein großes Werk von See- und Küstenlandschaften geschaffen, erklärt die künstlerische Leiterin des B.C. Koekkoek-Hauses. Das zweite Bild zeigt eine  Küstenlandschaft mit Reiter auf dem Uferweg und Segelschiffen auf bewegtem Wasser, im gleichen Format und aus der gleichen Zeit wie die Krabbenfischer.

Gleich drei Gemälde konnte Geisselbrecht-Capecki jetzt in die ständige Sammlung des Hauses aufnehmen und wird sie ab kommender Woche dort auch zeigen: Die beiden kleineren laden ein zu einem Ausflug an die See und erinnern an die große Malertradition der Seestücke.

Im Mittelpunkt der neuerlichen Schenkungen steht aber eine Landschaft ganz im Sinne des Namengebers des klassizistischen Malerpalais in der Klever Innenstadt: Das ist nicht nur doppelt so groß wie die beiden Marine-Bilder, es dokumentiert auch die Landschaft zwischen Kleve und Nimwegen. „Das großformatige Ölgemälde stammt wohl aus dem Jahr 1851 und zeigt den Blick auf das Dorf Beek bei Nimwegen“, sagt Geisselbrecht-Capecki. Der Maler ist  Willem de Klerk (Dordrecht 1800-1876 Dordrecht), ein Zeitgenosse von Barend Cornelis Koekkoek und damit eine weitere Bereicherung des Spezialmuseums für romantische Kunst und Landschaftsmalerei.

„Um dieses Gemälde dürfte das Nimweger Museum Valkhof Kleve beneiden: zeigt es doch eine seltene, topografisch genaue Ansicht über die Hügel vor Nimwegen mit Beek und dem großartigen Blick in die Ebene von Rhein und Waal“, sagt Geisselbrecht-Capecki mit Stolz über den Neuzugang. Das Gemälde kommt aus Privatbesitz an den Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve  in Anerkennung der Verdienste des Nimweger Kunsthistorikers Gerard Lemmens (1938-2021) für das B.C. Koekkoek-Haus. Der in diesem Frühjahr verstorbene Kunsthistoriker und Ehrenmitglied des Freundeskreises hatte als ehemaliges Vorstandsmitglied der 1997 gegründeten Stiftung B.C. Koekkoek-Haus bis kurz vor seinem Tod das Museum noch aktiv mit Expertise und Tat unterstützt.

Das Dorf Beek mit kleiner und großer Bartholomäuskirche bestand zu damaliger Zeit aus wenigen Häusern, erklärt die künstlerische Leiterin des Koekkoek-Hauses. Hier hatte sich 1826-1828 auch der spätere Wahlklever B.C. Koekkoek aufgehalten. „De Klerk stand in seinem späteren Werk unter dem Einfluss des Klever Meisters und hat auch diese Stadt jenseits der Grenze besucht. Dies hat ihm den Namen Dordtse Koekkoek – Dordrechter Koekkoek – eingebracht“, zitiert ursula Geisselbrecht-Capecki eine alte Anekdote.