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Kleve: Netzwerk für Gesundheit aufbauen

Kleve : Netzwerk für Gesundheit aufbauen

Bei der Zukunftswerkstatt der Rheinischen Post und der Volksbank Kleverland diskutierten Experten das Thema "Gesundheit". Das Fazit: Ärzte, Krankenkassen, Apotheker und Krankenhäuser sollten noch besser zusammenarbeiten.

Das Gesundheitssystem ist im Umbruch, ebenso die Krankenhauslandschaft im Kreis Kleve. Welche Folgen hat das für die Patienten vor Ort? Oder anders gefragt: Wie gesund macht uns das Gesundheitswesen im Kleverland? Unter diesen Leitfragen stand die jüngste Zukunftswerksstatt der Rheinischen Post und der Volksbank Kleverland.

 Die Zukunftswerkstatt (v. l.): Prof. Dr. Reiner Körfer, Frank Ruffing, Dr. Michael Pelzer, Norbert Verweyen, Gudrun Diedenhoven, Jürgen Loosen, Prof. Dr. Stefan Schuster, Dr. Peter Enders, Henrik Scholten, Marc Cattelaens.
Die Zukunftswerkstatt (v. l.): Prof. Dr. Reiner Körfer, Frank Ruffing, Dr. Michael Pelzer, Norbert Verweyen, Gudrun Diedenhoven, Jürgen Loosen, Prof. Dr. Stefan Schuster, Dr. Peter Enders, Henrik Scholten, Marc Cattelaens. Foto: Stade

Die hochkarätig besetzte Runde brauchte nicht lange, um ins Thema zu finden. Dreh- und Angelpunkt der Diskussion: der Kostendruck, der auf Krankenhäusern, Ärzten, Apothekern, Krankenkassen und nicht zuletzt auch auf den Patienten lastet. Prof. Dr. Reiner Körfer, einer der renommiertesten Herzspezialisten weltweit, brachte es auf den Punkt: "Es dreht sich alles nur noch ums Geld." Ihn ärgere am meisten, wenn Krankenhäuser sich nicht mehr gegen eine Übernahme wehren können, "nur deshalb, weil sie schlecht geführt werden". Die Folge sei meist, dass die neuen Eigentümer massiv Personal abbauen und so "eine gute Versorgungsstruktur zerstören, die mit Steuergeldern aufgebaut wurde. Das geht auch zulasten der Patienten", so der Klever.

Das war das Stichwort für Dr. Peter Enders, Hauptgeschäftsführer der Katholischen Kliniken im Kreis Kleve (KKiKK). "Eine Klinik kann in Nordrhein Westfalen nicht immer mit schwarzen Zahlen geführt werden. Dazu gibt es zu wenig Landeszuschüsse", sagte Enders. Der Wettkampf mit privaten Klinikbetreibern sei ein unfairer, weil diese nicht die sogenannte Zusatzversorgung zahlen müssten. Im Blick auf den jüngst gestarteten Teilneubau am St.-Antonius-Hospital Kleve, das neue Bettenhaus, sagte Enders: "Wir investieren 35 Millionen Euro und sind nicht einmal vorsteuerabzugsberechtigt. Das muss man erst mal stemmen können."

Norbert Verweyen, Regionalleiter der KKH-Allianz, begrüßte, dass sich die Krankenhäuser des KKiKK-Verbunds zunehmend spezialisieren. "Herr Enders geht den richtigen Weg. Nur, wer intensiv eine Fachrichtung betreibt, kann sich auch einen großen Erfahrungsschatz aneignen", sagte Verweyen. Der Klever Allgemeinmediziner Dr. Michael Pelzer forderte die Krankenkassen und den Gesetzgeber auf, die Eigeninitiative der Patienten für ein gesünderes Leben stärker zu fördern. "Gesund essen, viel Bewegung, Gewicht halten", lautete Pelzers Credo.

Der Kardiologe Dr. Stefan Schuster, Chefarzt am St.-Antonius-Hospital Kleve, betonte: "Es ist der Sport im Alltag, beispielsweise Treppensteigen statt Aufzugfahren, der uns ein längeres Leben beschert", sagte Schuster. Und zum Stichwort Kosten kritisierte der Herzexperte, dass Patienten aufgrund finanzieller Vorgaben nicht mehr ganzheitlich behandelt werden können. "Wir können nur noch einzelne Krankheitsbilder abrechnen", sagte Schuster. Henrik Scholten, Inhaber der Apotheke am Rathaus, kritisierte, dass Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt oft allein gelassen würden. "Wer am Freitag aus dem Krankenhaus entlassen wird, dem fehlen oft die Medikamente, um übers Wochenende zu kommen", so Scholten.

Es war Gudrun Diedenhoven, Inhaberin von "fußaktiv Diedenhoven", die den Gedanken der stärkeren Vernetzung ins Spiel brachte. "Wir müssten mehr auf dem kleinen Dienstweg zusammenarbeiten, ein engmaschiges Netz zwischen Ärzten, Krankenkassen, Apothekern Krankenhäuser und Dienstleistern aufbauen", forderte Diedenhoven.

So könnte es weiter gehen: Pelzer und Schuster schlugen vor, einen Stammtisch für Vertreter der Gesundheitsberufe zu organisieren. So könnten Probleme früher erkannt und schneller behoben werden.

(RP/ac)