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Nahverkehr in Kleve: Weniger Unternehmen teilen sich den Taxi-Markt

Nahverkehr : Taxen werden knapp im Kreis

Wenn jemand ein Taxi benötigt, kann es schon mal dauern, bis das gelbe Schild auftaucht. In manchen Orten funktioniert das System kaum, auch weil viele Unternehmen vom Markt sind. In Kalkar bahnt sich Besserung an.

Nach einem langen Abend alkoholisiert nach Hause fahren - das tun verantwortungsbewusste Menschen nicht. Wer feiert, sorgt für einen privaten Abholer oder bestellt ein Taxi. Was allerdings schwierig sein kann. Han Groot Obbink, Geschäftsführer des Wunderland Kalkar, erlebt häufiger, dass Gäste sich beklagen, weil sie lange warten müssen, bis das ersehnte gelbe Schild auf dem Gelände auftaucht. „Ich überlege deshalb, einen eigenen Shuttle zu organisieren, der die Nachbarorte anfährt.“

Wer mit Gastronomen spricht, hört Unterschiedliches. Mancher klagt, es sei sehr schwierig, zu später Stunde ein Taxi zu bekommen, andere sagen, in der Woche funktioniere das durchaus, nur am Wochenende würde es schon mal knapp. Bei planbaren Großveranstaltungen wie etwa der Prinzenkür in Goch, wird alles in Bereitschaft gesetzt, was aufzutreiben ist. Ansonsten ist ein kalkulierbarer Umsatz schwierig – auf gut Glück irgendwo warten, ob jemand nach einem Taxi Ausschau hält – das lohnt sich nicht. Genauso wird kein Kunde damit rechnen, wie im Film durch Handheben ein Taxi stoppen zu können.

„Unsere Fahrzeuge sind stark im Linienverkehr eingesetzt oder werden vorbestellt“, erklärt der Fahrer eines Großraumtaxis, das am Gocher Bahnhof wartet. Spontan einsteigen ist kaum möglich. „Da muss ich erst die Zentrale fragen, ob das geht“, sagt der Fahrer. Nachdem der Betrieb Schlitt vom Markt verschwunden ist, sind in der Stadt nur noch Taxi Wolff und Go-Tax mit seinen Mietwagen vertreten.

Stefan Volkert, Geschäftsführer von Taxi Niederrhein in Kleve, hat 28 Taxen rund um die Uhr in Betrieb. Längere Wartezeiten von 30 bis 60 Minuten entstünden von 7 bis 8 Uhr, von 15 bis 16.30 Uhr sowie von 0 bis 3 Uhr, sagt er. „Wir können den Wegfall vieler Unternehmen in den letzten Jahren nicht kompensieren“, sagt Volkert. Vier Unternehmen seien vom Markt verschwunden. „Da sprechen wir von 80 Fahrzeugen, die jetzt fehlen.“ Probleme bereiten dem Unternehmer in letzter Zeit Privatpersonen, die Fahrgäste abfangen. „Das ist illegal“, betont Volkert.

In Kalkar gibt’s gar kein Taxiunternehmen mehr – was sich aber kurzfristig ändern wird. Denn Taxi Schmitz aus Rees plant eine Zweigniederlassung. „Zum 1. April werden wir mit sechs neuen Fahrzeugen nach Kalkar kommen“, erzählt Andreas Schmitz. Der frühere Rettungssanitäter hatte sich 2011 mit Krankenfahrten selbstständig gemacht, später kamen die Taxen dazu.

Häufig werden Taxen für Krankenfahrten, die tagsüber stattfinden und planbar sind, genutzt. Grundsätzlich aber fehlen auch Fahrer, denn der Job gilt als schlecht bezahlt, auch wenn die Tarife gerade per Kreistagsbeschluss angehoben wurden. „Trotzdem: Das ist wie bei uns in der Gastronomie. Für den Mindestlohn arbeiten, ist für viele Arbeitnehmer unattraktiv, die Arbeitgeber hingegen können schon diese Löhne kaum aufbringen“, weiß Michael Litjes, Gastronom in Goch. Wenn er am späten Abend oder am Wochenende für einen Gast ein Taxi rufe, sei damit öfter erhebliche Wartezeit verbunden.

Das kann Bärbel Matthias so nicht bestätigen. Wenn die Wirtin der Kneipe „Zu den vier Winden“ in Kleve für einen Gast ein Taxi ruft, ist in der Regel eines innerhalb einer Viertelstunde da. „Das liegt aber auch daran, dass das Unternehmen, das wir immer anrufen, sofort abnimmt, wenn es unsere Nummer sieht“, sagt Matthias. Doch der Wirtin ist bewusst, dass sie eine Ausnahmestellung hat. „Ich höre von vielen Gästen, dass sie lange auf ein Taxi warten müssen, wenn sie in Kleve unterwegs sind. Viele rufen gar nicht erst an, weil sie die Warteschleife fürchten“, sagt Matthias. Früher, als es in der Kreisstadt noch mehr Taxiunternehmen gab, sei es für Nachtschwärmer viel einfacher gewesen. „Da konnte man von einem Taxi ins nächste steigen“, sagt die Wirtin. Heutzutage sei es vor allem an Festtagen schwierig, eins zu erhalten. „Die meisten bleiben Silvester zu Hause, weil sie eh kein Taxi bekommen würden. Auch an Karneval oder bei großen Veranstaltungen wie der ,Heldenzeit’ ist das extrem schwierig.“