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Nachwuchs im Tiergarten Kleve - wegen Corona aber keine Besucher

Corona-Krise im Kreis Kleve : Einsames Frühlingserwachen

Im Klever Tiergarten herrscht in den Wochen des Babybooms gespenstische Leere. Viele Tiere würden die Besucher vermissen, meint Tierpflegerin Christine Oster. Dass das lukrative Oster-Geschäft ausgefallen ist, schmerzt finanziell.

Es ist merkwürdig still geworden im Klever Tiergarten. Es gibt keine Besucherschlangen an den Kassen, keine staunenden Kinder, keine Liebkosungen für die Ziegen im Streichelgehege. Die Corona-Krise macht auch vor dem Zoo und seinen knapp 360 Tieren nicht Halt. Seit dem 18. März herrscht gespenstische Leere. „Diese Ruhe ist wirklich komisch. Zumal wir nun eigentlich, gerade bei dem Wetter, sehr besucherstarke Wochen erleben würden“, sagt Christine Oster, stellvertretende Betriebsleiterin.

Beschäftigung findet die 32-Jährige dennoch reichlich. Immerhin müssen die Tiere weiter gefüttert und gepflegt, die Ställe und Gehege ausgemistet werden. „Weniger haben wir eigentlich nicht zu tun. Nur der Alltag ist völlig anders. Es fehlt manchmal ein wenig die Struktur am Tag, da diese sonst immer sehr an den Besuchern ausgerichtet ist“, sagt Oster, die im Kölner Zoo ausgebildet worden ist. Des Weiteren herrscht gerade „Babyboom“ im Klever Tiergarten. Hinter vielen Gattern erwacht neues Leben. So manch eine Nachtschicht mussten Christine Oster und ihre Kollegen in den vergangenen Tagen absolvieren.

Besonders stolz ist der Tiergarten auf den Nachwuchs bei den Trampeltieren. Foto: Markus van Offern (mvo)

Besonders stolz ist Oster auf die Neugeburt im Gehege der Trampeltiere. Vor wenigen Tagen hat das Weibchen ihr Junges zur Welt gebracht. „Da brauchten wir kaum nachhelfen, das klappte sehr gut“, sagt Oster. An der Namensgebung wolle man in einigen Wochen die Öffentlichkeit beteiligen. Nach der Geburt ging es allerdings gleich heiß her unter den zweihöckrigen Kamelen. Der Vater attackierte den Nachwuchs, die Tierpfleger mussten eingreifen. Nun wird der Kontakt zur Stute untersagt, die Gehege wurden von einander abgetrennt. „Sein Verhalten ist nicht völlig untypisch, aber da mussten wir einschreiten“, sagt Oster. Allzu zufrieden gibt sich Vater Trampeltier mit der Maßnahme allerdings nicht, lautstark blökt er umher.

Reichlich Nachwuchs haben auch die Schafe und Ziegen zur Welt gebracht. „Wir haben unter den Lämmern sogar wieder Drillinge bekommen. Sie genießen nun ganz besonders die Sonne“, sagt Oster. Auch das Schwanen-Ehepaar wacht über sein Ei, gleiches gilt für die Wildstörche. „Sie haben uns im vergangenen, wieder sehr milden Winter erneut nicht verlassen. Offenbar fühlen sie sich sehr wohl hier“, sagt die Vize-Chefin des Tiergartens. Die eigenen Weißstörche hätten sich wiederum nicht gepaart. Immerhin kämpft das Männchen mit einer leichten Behinderung, zudem sagt Oster über das Duo: „Es ist wie bei uns Menschen: Wenn die Chemie unter den Tieren nicht stimmt, pflanzen sie sich nicht fort. Bei ihnen scheint es nicht zu passen.“

Zum Leben gehört auch der Tod. Über diesen musste Oster vor wenigen Tagen entscheiden, als sie von einem ihrer Schafe völlig unvermittelt angegriffen worden war. Ein Männchen sei von hinten im Sprint mit seinen Hörnern gegen Osters Bein gerannt. „Das war nicht das erste Mal, dass er auffällig wurde“, sagt sie. So zog Oster weitreichende Konsequenzen: Das Schaf wurde geschlachtet, die Silberfüchse freuten sich über ein Oster-Festmahl. „Auch das gehört zum Beruf“, sagt Oster.

Viele Tiere, so erklärt sie, würden dieser Tage den menschlichen Besuch vermissen. „Sie haben jetzt auch Langeweile. Ihre innere Uhr sagt eigentlich, dass nun Menschen hier sein müssten“, sagt Oster. So komme es dazu, dass Tiere ihrem Unmut freien Lauf lassen und für ein wildes Orchester sorgen. „Dann fangen sie kräftig an zu brüllen“, sagt die Tierpflegerin. Aktuell sei kaum abzuschätzen, wann der Betrieb im Tiergarten wieder anlaufen könne. Klar scheint aber: Am 19. April wird es noch nicht soweit sein. „Ich gehe aber schon davon aus, dass im Spätsommer wieder Normalität einkehrt“, sagt Oster. Immerhin sei man auch auf die Besucher-Einnahmen angewiesen.

Das bestätigt auch Joachim Schmidt, Vorsitzender des Vereins Tiergarten Kleve. Er sagt: „Die Einnahmen werden fehlen. Dennoch droht kurzfristig kein finanzieller Engpass, der Betrieb ist bis auf Weiteres gesichert.“ Aktuell befinde man sich unter dem Rettungsschirm der Landesregierung. Die Mitarbeiter müssten keinerlei Einbuße befürchten, Kurzarbeit sei nie ein Thema gewesen. „Immerhin müssen die Tiere ja weiter versorgt werden“, sagt Schmidt.