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Nach fast drei Monaten Pause ist wieder Regelbetrieb in den Kindergärten

Kindergarten : Endlich wieder in die Kita

Seit Mitte März waren die meisten von ihnen zu Hause, berufstätige Eltern mussten sehen, wie sie die Betreuung ihrer Kinder organisierten. Seit Montag dürfen die Kleinen wieder in ihre Kita. Allerdings ein paar Stunden weniger als sonst.

Ängstlich schauen nur einige Eltern, der Nachwuchs strahlt mehrheitlich übers ganze Gesicht: Nach fast drei Monaten Zwangspause dürfen Kindergartenkinder wieder täglich ihre Kita besuchen. Am Montag war für die meisten von ihnen seit fast endlos langer Zeit wieder „Normalität“ angesagt. Auch wenn die Corona-Krise noch nicht vorüber ist: Auf die Jüngsten soll der Alltag wieder so gewöhnlich wie möglich wirken, denn verlässliche Strukturen sind gerade für den Nachwuchs so wichtig, wissen die Erzieherinnen. Im Hintergrund wurden eifrig Pläne entwickelt, um den Kindergartenbesuch so sicher und schön wie möglich zu gestalten.

Joshua (Name geändert) muss an diesem Morgen aber doch weinen, denn kaum hat er sich von der Hand seiner Mutter gelöst, stolpert er über die Türschwelle und schlägt der Länge nach hin. Wenn das kein Grund für Tränen ist... Wer soll jetzt trösten – die Mama oder die Erzieherin? Schnell ist die Gruppenleiterin bei ihm und nimmt den Kleinen auf den Arm. So viel Nähe muss auch in Corona-Zeiten möglich sein, und natürlich beruhigt sich der Junge schnell wieder, zumal ja seine Freunde mit klaren Augen auf ihn warten. Übrigens ist der erste Treffpunkt nicht in der Auto-Ecke, sondern im Waschraum. Handhygiene ist auch in der Kita das A und O.

Beate Arntz verbringt an diesem Morgen viel Zeit auf den Knien. Die Leiterin des Familienzentrums Maria Magdalena in Goch begrüßt jedes Kind einzeln am Eingang. Die Eltern dürfen nämlich nur bis an die Tür kommen und müssen sich dort verabschieden. Manchen fällt das schwer nach monatelangem Beieinander-Sein. „Sagen Sie Tschüß, dann schafft Ihr Kind das auch“, ermuntert Beate Arntz eine Mutter, die ihr Kind offensichtlich nur schwer loslassen kann. Elke Duivenbode hingegen, die neben ihrem eigenen Wim auch noch die Nachbarskinder Mathilde und Paulina bringt, kann ganz beruhigt gehen. Die drei sind freudig aus dem Auto geklettert und Richtung Kita gehüpft. Mathilda zeigt der neugierigen Reporterin gleich noch ihren Becher und die Frühstücksdose, die sie mitgebracht hat. Und für die Kita-Chefin hat Elke Duivenbode gleich noch eine wichtige Information: „Wim trägt übrigens keine Pampers mehr!“ Andere Mütter übergeben Tüten mit Windeln.

So viel Zeit ist vergangen, dass die Kleinen wichtige Entwicklungsschritte gemacht haben – trocken werden zum Beispiel. Und zig mal stellt Beate Arntz fest: „Meine Güte, bist Du groß geworden!“ Noch viel wichtiger: „Wir freuen uns so, dass Du wieder da bist.“ Nicht nur die Erzieherinnen sehen das so, sondern natürlich auch die Vorschulkinder, die schon seit einer Woche wieder in die Kita gehen, und der Nachwuchs von Müttern und Vätern, die „systemrelevante“ Berufe haben und ihre Kinder in Notgruppen unterbringen durften. Die kennen sich deshalb jetzt schon aus: „Erstmal Jacke und Schuhe ausziehen und dann in den Waschraum“, weiß Zoé.

Wie in Goch wurden auch in den anderen Orten des Kreise Kleve die Eltern vorab informiert: Kinder draußen abgeben, eigenes Frühstück mitgeben, wer erkältet ist, bleibt zu Hause. Das Abholen geschieht – bitte mit Mundschutz – oft von der Gartenseite her. Die Kleinen müssen in ihren Gruppen bleiben, gehen zeitversetzt nach draußen, Gymnastikräume und alles Spielzeug werden regelmäßig desinfiziert. Susanne Solke, die gemeinsam mit Julia Hesseling die Kalkarer Initiativ-Kindergärten Kolping und Wurzelwerk leitet, ist für 186 Mädchen und Jungen verantwortlich. „Wir freuen uns riesig, dass es weiter geht“, sagt sie, denn alle Kolleginnen hätten die Kinder vermisst. Das unterstreicht auch Julia Ring von der evangelischen Kita Böllenstege in Kleve. 65 Kinder erwartete sie am Montag zurück. Dass jedes Kind zehn Stunden weniger in der Einrichtung sein wird als sonst, werde von den Eltern akzeptiert, heißt es überall. Sie haben in den vergangenen Monaten ja auch ganz andere Situationen gemanagt. Nun überwiegt erstmal Erleichterung.