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Bedburg-Hau/Qualburg: Nach drei Jahren auf der Walz wieder zurück

Bedburg-Hau/Qualburg : Nach drei Jahren auf der Walz wieder zurück

Simon Tödter ist Steinmetz und hat sich nach seiner Gesellenprüfung auf den Weg hinaus in die Welt gemacht. Seinen Heimatort durfte er nicht besuchen. Jetzt kam er nach Hause und wurde groß empfangen.

1232 Tage hat Simon Tödter einen großen Bogen um Qualburg gemacht. In dieser Zeit war er nämlich auf der Walz und durfte seinen Heimatort nicht besuchen. Jetzt ist er zurück: Freunde und Verwandte empfingen den gelernten Steinmetz am Martinusweg.

Simon Tödter ist Mitglied bei den Rolandsbrüdern und entschied sich nach seiner Gesellenprüfung, auf die Walz zu gehen, um Erfahrungen zu sammeln. Bei dem auch Tippelei genannten Brauch, der mindestens drei Jahre und einen Tag dauert, tragen die Rolandsbrüder eine traditionelle Kleidung, bestehend aus Schlaghose, Hut, Jackett und Weste. Zusätzlich haben sie noch die so genannte Stenz, einen gedrehten Stock, und ein Bündel mit ihrem Gepäck bei sich. In den ersten Wochen und Monaten wurde Simon von einem anderen Rolandsbruder begleitet, bis er offiziell aufgenommen wurde. Die Aufnahme erfolgt durch die so genannte Nagelung, bei der dem neuen Mitglied mit einem Nagel ein Ohrloch gestochen wird. Dazu kommt bei den Rolandsbrüdern ein blauer Schlips.

Auf seiner Reise musste sich Simon an bestimmte Regeln halten: So durfte er weder Handy, Auto noch eine Wohnung besitzen. Zudem durfte er sich seinem Heimatort nicht näher als 60 Kilometer nähern.

Zu seiner Familie hatte er aber zwischendurch Kontakt. "Wir haben öfter mal telefoniert", erzählt sein Vater Hartwig Tödter. Zudem hätten sie sich in York in England getroffen. "Wir haben extra unseren Sommerurlaub darauf abgestimmt."

Auf seiner Reise war Simon neben England unter anderem in Rumänien, Frankreich, der Schweiz und kurz in Spanien. Um Geld für seinen Lebensunterhalt zu verdienen, hat er verschiedene Jobs gehabt. Er war zum Beispiel als Zimmermann tätig und in seinem eigenen Beruf als Steinmetz.

Bevor Simon nach Hause kommen konnte, musste er sich zunächst einheimisch melden. Erst dann durfte er sich seiner Heimat wieder nähern.

Aber auch die Heimkehr war noch mit einigen traditionellen Bräuchen verbunden: Simon Tödter durfte nicht einfach die Ortsgrenze überschreiten, sondern musste, wie bei seiner Abreise, über das Ortsschild klettern. In Simons Fall gab es dabei allerdings ein Problem: Während seiner Abwesenheit war das Ortseingangsschild entfernt worden. Seine Familie musste kurzerhand ein neues aufstellen. Mithilfe seiner Kameraden bei den Rolandsbrüdern, gelang es ihm schließlich, das wackelige Schild zu überqueren und er wurde auf der anderen Seite von ihnen aufgefangen. Außerdem musste der Heimkehrer das ausgraben, was er bei seinem Aufbruch unter dem Ortsschild vergraben hatte: Eine selbst gemalte Landkarte und eine Flasche, gefüllt mit Dingen von den Menschen, die ihn verabschiedet hatten.

Dann startete das große Wiedersehen. "Es ist ein tolles Gefühl, wieder hier zu sein. Der Empfang war sehr schön", freut sich der gelernte Steinmetz. Seine Entscheidung, auf die Walz zu gehen, bereut er nicht: "Die vergangenen Jahre sind unbeschreiblich. Ich würde mich auf jeden Fall immer wieder dafür entscheiden." Selbst am Schluss kehrte er mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück: "Natürlich freue ich mich, wieder nach Hause zu kommen, aber ich wäre auch gerne noch mit einigen Freunden nach Italien weiter gezogen." Für seine Zukunft hat Simon Tödter noch keine genauen Pläne. Wahrscheinlich fängt er wieder in dem Betrieb in Düren an, in dem er vor seiner Abreise als Steinmetz gearbeitet hat.

(RP)